
Traumfreistoß beschert Essen den Hinspielsieg
Rot-Weiss Essen hat das Relegations-Hinspiel zur 2. Bundesliga gegen die SpVgg Greuther Fürth mit 1:0 (0:0) gewonnen. Torben Müsel (62.) hat mit einem sehenswerten Freistoßtreffer den entscheidenden Unterschied gemacht. RWE träumt weiter vom Aufstieg.
Das lang ersehnte Duell um den Aufstieg in die 2. Bundesliga ist da: Rot-Weiss Essen empfing im Hinspiel der Relegation SpVgg Greuther Fürth an der Hafenstraße. Für RWE wäre es die Rückkehr in die Zweitklassigkeit nach fast 20 Jahren – zuletzt spielten die Essener 2006/07 in der 2. Bundesliga.
Fürth hingegen kämpfte um den Klassenerhalt: Die Franken, Rekord-Zweitligist mit 1262 Partien in der 2. Bundesliga, waren nur durch einen Last-Minute-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf am letzten Spieltag in die Relegation gerutscht.
Fürths Topstürmer Noel Futkeu, mit 19 Saisontoren Torschützenkönig der 2. Bundesliga, war dabei ausgerechnet in seiner Geburtsstadt Essen im Einsatz. Beide Trainer setzten auf ihre bewährten Startformationen: Uwe Koschinat vertraute bei RWE derselben Elf wie zuletzt gegen Ulm, Heiko Vogel bei Fürth ebenfalls auf die Mannschaft, die den direkten Abstieg verhindert hatte. Über 4.000 RWE-Fans begleiteten ihre Mannschaft in einem großen Fanmarsch zum Stadion.
Hitzige Anfangsphase mit früher Gelber Karte
Von Beginn an war zu spüren, was auf dem Spiel stand: Beide Teams leisteten sich in den ersten Minuten technische Unsauberkeiten, die Zweikämpfe waren intensiv. Bereits in der 4. Minute musste José-Enrique Ríos Alonso nach einem harten Foul an Sayfallah Ltaief die erste Gelbe Karte des Abends entgegennehmen.
Kurz darauf prüfte Felix Klaus Keeper Jakob Golz mit einem Freistoß aus rund 28 Metern, doch Golz faustete die Kugel sicher raus (5.). Die erste echte Topchance gehörte den Gästen: In der 16. Minute probierte es Jannik Dehm aus rund 35 Metern mit einem dipping-swerving Schuss – die Kugel klatschte an die Querlatte. Golz konnte nur hinterherschauen. Branimir Hrgota sah in der 18. Minute Gelb, nachdem er Jannik Hofmann mit dem Ellenbogen im Gesicht erwischte.
Dehm folgte ihm in der 26. Minute nach einem rücksichtslosen Einsteigen gegen Torben Müsel. Essen antwortete mit einer gefährlichen Freistoßflanke von Kaito Mizuta, die Ben Hüning um Haaresbreite verfehlte (28.). Die erste Halbzeit endete torlos – die beste Chance hatte Dehm mit seinem Lattentreffer.

Fürth mit Druck nach der Pause
Fürth kam besser aus der Kabine und übernahm zunächst das Kommando. Hrgota prüfte Golz in der 50. Minute mit einem Schuss von der Sechzehnerkante – Golz reagierte stark. Dennis Srbeny scheiterte kurz darauf ebenfalls (50.). In der 54. Minute versuchte Dehm erneut sein Glück aus der Distanz und verfehlte das Tor nur knapp.
Fürth hatte in dieser Phase mehr Ballbesitz (61 Prozent über das gesamte Spiel) und mehr Ecken (8:1), doch die Essener Defensive stand kompakt. Ein kurioser Moment in der 58. Minute: Silas Prüfrock spielte einen Ball direkt in den Fuß von Torben Müsel, der auf das verwaiste Tor schoss – Prüfrock rettete in letzter Sekunde auf der Linie. Kurz darauf holte Mizuta kurz vor der Sechzehnerlinie einen Freistoß heraus (61.).
Müsels Traumfreistoß entscheidet das Spiel
In der 62. Minute schlug Müsel zu: Der Essener Mittelfeldspieler hämmerte den Freistoß aus halblinker Position mit 121 km/h in den rechten Winkel – unhaltbar für Prüfrock, der verdächtig weit mittig stand. Es war ein Geniestreich, der die Hafenstraße in Ekstase versetzte. Nach dem Tor übernahm RWE die Kontrolle. Trainer Uwe Koschinat reagierte in der 70. Minute mit einem Doppelwechsel: Dickson Abiama und Marek Janssen kamen für Ramien Safiund Jaka Čuber Potočnik.
Fürth-Coach Heiko Vogel brachte in der 67. Minute Doni Arifi für Srbeny. Weitere Wechsel folgten auf beiden Seiten, doch Fürth fand kein Mittel mehr, um in die Nähe des Essener Sechzehners zu kommen. RWE stand mit elf Mann hinter dem Ball und verwaltete den knappen Vorsprung souverän.

RWE verwaltet den Vorsprung
In der Schlussphase versuchte Fürth alles, doch die Essener Defensive ließ kaum etwas zu. Ruben Reisig köpfte nach einer Ecke knapp vorbei (83.), Jannik Hofmann vergab aus kurzer Distanz (86.). Abiama scheiterte allein vor Prüfrock (84.).
Ziereis sah in der 90. Minute noch Gelb, nachdem er Abiama beim Konter mit einem taktischen Foul stoppte. Nach fünf Minuten Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Daniel Schlager ab – RWE jubelte über einen verdienten 1:0-Hinspielsieg. Fürth wird sich im Rückspiel in zuhause deutlich steigern müssen.
Bundesliga Match Facts
xGoals: Rot-Weiss Essen 0,76 - SpVgg Greuther Fürth 0,31
Schnellster Spieler: Jannik Hofmann (RWE), 34,02 km/h
Tor mit der geringsten Torwahrscheinlichkeit: 1:0 von Torben Müsel (RWE), 3,71 Prozent
Most Pressed Player: Sayfallah Ltaief (SGF), 19 Mal unter Gegnerdruck
Beste Pass Effizienz: Dickson Abiama (RWE), +1,37










