
Schweizer Bundesliga-Bollwerk im Viertelfinale gegen Messi
Die Schweiz steht erstmals seit 1954 wieder in einem WM-Viertelfinale und bekommt es ausgerechnet mit Titelverteidiger Argentinien zu tun. Im Zentrum steht das Duell der Bundesliga-geprägten Schweizer um Gregor Kobel, Nico Elvedi und Co. mit Superstar Lionel Messi. Schon 2014 trafen beide Teams bei einer WM aufeinander.
Es ist ein Viertelfinale mit Déjà-vu: Argentinien gegen die Schweiz - das gab es bei einer WM zuletzt 2014 in São Paulo. Damals hielt die Nati 117 Minuten stand, ehe Lionel Messi den einen Raum fand, Ángel Di María bediente und die Schweiz kurz vor dem Elfmeterschießen aus dem Turnier riss. Auch jetzt ist Messi wieder Argentiniens Fixpunkt im eigenen Spiel.
Kann die Elf von Nati-Cheftrainer Murat Yakin den Superstar des Weltmeisters in der Nacht von Samstag auf Sonntag (3 Uhr) dieses Mal stoppen? Helfen soll dabei ein regelrechtes Bundesliga-Bollwerk. Denn kein Viertelfinalist hat mehr Bundesligaspieler in seinen Reihen als die Eidgenossen.
Mit Aurèle Amenda (Eintracht Frankfurt), Nico Elvedi (Borussia Mönchengladbach), Cedric Itten (SV Werder Bremen), Luca Jaquez (VfB Stuttgart), Gregor Kobel (Borussia Dortmund), Johan Manzambi (Sport-Club Freiburg), Miro Muheim (Hamburger SV), Fabian Rieder ( FC Augsburg) und Silvan Widmer (1. FSV Mainz 05) spielen gleich neun Akteure in Deutschlands höchster Fußballliga.
Respekt, aber keine Ehrfurcht vor Messi
Nur im Kollektiv wird sich der argentische Superstar stoppen lassen. Und der Schweizer Plan gegen Messi hat Bundesliga-DNA. Im Tor steht Kobel, der Stammtorwart des BVB ist in diesem Turnier kaum zu überwinden. Vor ihm verteidigt Elvedi, der Rekord-Schweizer der Bundesliga-Geschichte von Borussia Mönchengladbach.
Manzambi ist einer der Shootingstars der Bundesliga und der WM. Freiburgs Entdeckung der Saison ist mit drei Treffern und fünf direkten Torbeteiligungen der Schweizer Offensivspieler des Turniers - sollte seine Knieprellung rechtzeitig überwunden sein, wäre er die schärfste Nati-Waffe zwischen den Linien.
Rieder vom FC Augsburg steht sinnbildlich für diese Schweizer Mannschaft: Unbequem, laufstark und selbstbewusst. Nach dem Kolumbien-Spiel sprach der Augsburg-Profi von einem "heißen Duell" gegen Argentinien und Lionel Messi - und genau daraus zieht die Nati auch ihre Energie. Rieder verwies darauf, dass Argentinien gegen Ägypten zwar ein 0:2 drehte, dabei aber auch zeigte, dass man dem Weltmeister wehtun kann. Das ist der Schweizer Ansatz: Respekt vor Messi, aber bloß keine Ehrfurcht.

Achtung: Argentiniens Superstar in Höchstform!
Doch Argentinien lebt auch bei dieser Weltmeisterschaft wieder von seinem Superstar - vielleicht sogar mehr denn je. Acht Tore hat Messi bei dieser WM bereits erzielt, dazu kommt eine Rekordserie von neun WM-Spielen in Folge mit Torerfolg. Noch auffälliger ist seine Dominanz im argentinischen Angriffsspiel: 30 Torschüsse, 15 Torschussvorlagen, 45 direkte Torschussbeteiligungen.
Kein anderer Argentinier kommt auch nur annähernd in diese Regionen. Für die Schweiz heißt das: Messi lässt sich nicht komplett ausschalten. Aber man kann die Zonen verengen, die Anschlussaktionen unterbinden - und verhindern, dass aus einem kurzen Blick wieder ein tödlicher Pass wie 2014 wird.

Schweizer Prunkstück ist die Defensive
Die Schweiz kassierte in den beiden K.o.-Spielen gegen Algerien (2:0) und Kolumbien (0:0, 4:3 i.E.) keinen Gegentreffer; Argentinien dagegen musste gegen Kap Verde (3:2 n. V.) und Ägypten (3:2) viermal hinter sich greifen. Das ist mindestens ein kleiner bis mittelgroßer Riss im Selbstverständnis des Weltmeisters, der bei weitem nicht unverwundbar scheint.
Ein Sieg gegen den amtierenden Weltmeister würde die Schweiz erstmals überhaupt in ein WM-Halbfinale führen. Xhaka sprach nach dem Kolumbien-Spiel von der Mentalität, "dass auf diesem Niveau alles möglich ist". Gegen Messi muss die Schweiz genau das beweisen.







