Reis 1:0 - früher und einziger Hamburger Treffer trotz klarer Vorteile bei xGoals und Ballbesitz: Reis 1:0 - © DFL Deutsche Fußball Liga
Reis 1:0 - früher und einziger Hamburger Treffer trotz klarer Vorteile bei xGoals und Ballbesitz: Reis 1:0 - © DFL Deutsche Fußball Liga
2. Bundesliga

Match-Facts-Analyse: Dynamo Dresden holt Punkt bei starkem Hamburger SV

Am 2. Spieltag der 2. Bundesliga hat Aufsteiger Dynamo Dresden beim Hamburger SV einen Punkt geholt. Die Sachsen lagen zur Pause verdient mit 0:1 zurück, konnten aber noch den 1:1-Ausgleich erzielen. Die Match-Facts-Analyse zeigt, warum es in Hamburg zwei unterschiedliche Durchgänge zu sehen gab.

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Für den Hamburger SV ging es mit dem nächsten großen Prüfstein weiter. Mehr als eine Woche nach dem überzeugenden 3:1-Auftaktsieg bei Absteiger FC Schalke 04 hatte das Team von Trainer Tim Walter Aufsteiger Dynamo Dresden zu Gast. Auch die Sachsen hatten vorgelegt: Gegen den FC Ingolstadt 04, der gemeinsam mit der SGD aus der 3. Liga in die 2. Bundesliga eingezogen war, hatte die Mannschaft von Alexander Schmidt klar und deutlich mit 3:0 gewonnen.

Während der Aufstiegskandidat aus dem Norden in der im zweiten Durchgang rasanten Partie 45 Minuten lang wie der sichere Sieger aussah, steigerte sich der Gast aus Dresden nach der Pause deutlich und sicherte sich somit einen Auswärtszähler. Der kam in erster Linie durch Kampf statt durch eine spielerische Glanzleistung zustande - das zeigt die Analyse der Match-Facts powered bei AWS auf.

Seit Anfang des letzten Jahres kooperieren die DFL Deutsche Fußball Liga und Amazon Web Services unter anderem im Bereich der Datenanalyse. Im Rahmen der Zusammenarbeit wurde die Liveverarbeitung von Daten zu innovativen Statistiken, den Bundesliga Match Facts powered by AWS, intensiviert: "Angriffszonen", "Realformation: Trends" und "Most Pressed Player" sind die neuesten Match Facts, bereits zuvor wurden "Torwahrscheinlichkeit und xGoals", "Realformation" und "Speed Alarm" eingeführt.

Hamburgs Linksverteidiger Tim Leibold kurbelt das Spiel auf seiner Seite unermüdlich an - /

Keine Frage: Mit dem Punkt können die Hamburger zufrieden sein. Denn auch Dynamo spielte eine ordentliche Partie. Jedoch war das Manko der Walter-Elf vor allem im ersten Durchgang die Chancenverwertung. 1,36 Tore hätte der HSV nach der xGoals-Wertung erzielen können - es blieb jedoch beim Treffer von Ludovit Reis (5.). Der hätte - rein statistisch gesehen - nicht fallen müssen. Denn mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 Prozent gehörte das 1:0 eher zu den anspruchsvolleren Toren. Weitere Chancen aber ließen Manuel Wintzheimer (10. und 36.), Robert Glatzel (18. und 34.) und David Kinsombi (38.) liegen. Insgesamt ergab das einen xGoals-Wert von 1,36. Demnach waren die Gastgeber hinter den Möglichkeiten zurück geblieben, während Dresden bei einem Wert von 0,04 keine Anstrengungen unternehmen musste, um im Soll zu bleiben.

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Während der HSV sich im ersten Durchgang Chance um Chance erspielte und die Gäste überhaupt nicht zum Zuge kommen ließen, steigerte sich der Aufsteiger nach dem Seitenwechsel deutlich. Eine gute Viertelstunde nach Wiederanpfiff lag die potentielle Ausbeute der Schmidt-Elf bereits bei 0,42 - doch Tim Knipping vollendete erst etwas später zum 1:1 (68.). Und auch der Kopfballtreffer des Verteidigers hatte keine hohe Wahrscheinlichkeit (8 Prozent). Lange hielt sich der HSV im zweiten Durchgang im Korridor zwischen 1,36 und 1,4 auf, ehe das Team in der Schlussphase noch einmal den Druck und damit auch die Anzahl möglicher Treffer (bis zu 1,77) erhöhte.

Die Realformation zeigt: Hamburgs starke linke Seite bewegt das gesamte Spiel auf diesen Flügel - tuart Franklin/Getty Images / DFL

Begeisternder Beginn, furioses Finale

Bemerkenswert war jedoch, wie effizient die Dresdner mit ihren Möglichkeiten umgingen. Die Ecke, die zum 1:1 führte, war erst die zweite des Spiels gewesen. Bis dahin hatte der HSV bereits fünf ruhende Bälle von der Fahne gehabt. Das Ballbesitz-Plus von stets mehr als 60 Prozent hielt die Walter-Elf außerdem über die gesamte Dauer des Spiels. Beeindruckend war dabei, wie diszipliniert die Mannschaft nach vorn spielte. Denn mehr als eine Stunde lang kam der HSV gänzlich ohne Abseitsstellung aus.

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Mindestens so auffällig wie die spielerische Überlegenheit war die Vorstellung von Tim Leibold, der insgesamt 52 Mal unter Gegnerdruck und somit Most Pressed Player der Partie war. Über seine linke Seite lief das Gros der Aktionen. So lieferte die Analyse der Angriffszonen in den ersten zehn Minuten den überragenden Wert von 100 Prozent über die linke Seite des Feldes.

Dort hatte Kinsombi stets Platz gemacht für den lauffreudigen Leibold. Denn sowohl Kinsombi, als auch Torschütze Reis rückten immer wieder von den Außenbahnen ins zentrale Mittelfeld. Somit spielte der HSV laut Realformation ein deutlich variableres 4-3-3 als die Gäste, die sich strenger an die taktische Grundausrichtung hielten. Im zweiten Durchgang brach das ein wenig auf, zumal der eingewechselte Antonis Aidonis auf der rechten Außenbahn immer wieder weite Wege nach vorn und hinten ging und so die Bemühungen der Hamburger begleitete.

Tim Leibold war der "Most Pressed Player" der Partie - DFL Deutsche Fußball Liga

Nächster Härtetest im Hamburg-Derby

Dresdens zunehmende Flexibilität deuteten die Gastgeber dem Anschein nach als aufkommenden Mut, denn im zweiten Durchgang nahmen die Flüchtigkeitsfehler der Walter-Elf zu. Fehlpässe und leichtfertige Ballverluste waren das Resultat, das verschaffte den Gästen wiederum mehr Vorteile.

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Schließlich und endlich hielten die Sachsen der Schlussoffensive des Aufstiegsaspiranten stand und retteten das 1:1 über die Zeit. Für die SGD ein Punktgewinn, der HSV nahm den Zähler eher zähneknirschend hin - schließlich war der Aufsteiger ein echter Prüfstein. Und der zweite wartet bereits.

Denn am Freitag (18:30 Uhr) sind die Rothosen zum Hamburg-Derby beim FC St. Pauli zu Gast. Dresden wiederum empfängt am Samstag (20:30 Uhr) Hannover 96.

Dominik Hamers / Tim Wichmann