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Angriffszonen: Welche Erkenntnisse lieferte der neue Bundesliga Match Fact?

Simon Rolfes ist Direktor Sport bei Bayer 04 Leverkusen, hat zwischen 2005 und 2015 insgesamt 288 Bundesliga-Spiele bestritten und trug 26 Mal das Trikot der deutschen Nationalmannschaft. An dieser Stelle schreibt er wöchentlich über die neuen, innovativen Match Facts, die von AWS für die Bundesliga während der Spiele bereitgestellt werden. Heute geht es um die Angriffszonen und welche Lehren wir aus dem neu eingeführten Match Fact ziehen können.

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Von Simon Rolfes

Im Februar wurden die Angriffszonen als einer von drei neuen Bundesliga Match Facts eingeführt. Wer in den letzten Monaten ein Bundesliga-Spiel gesehen hat, dem werden die Angriffszonen auch im TV bereits mehrfach aufgefallen sein. Zeit also für ein erstes Fazit: Was können wir aus dieser Echtzeit-Statistik herauslesen?

Um es noch einmal zu verdeutlichen: Entscheidend für die Wertung einer Angriffszone ist alleine das Vorstoßen der angreifenden Mannschaft in das letzte Drittel des Gegners. Ob bei diesem Angriff später eine Flanke oder ein Torschuss in einem anderen Viertel stattfinden, ist unerheblich.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis: Ausnahmslos alle Bundesliga-Mannschaften starten ihre Angriffsbemühungen deutlich häufiger über die Flügel als über das Zentrum. Der Anteil an Eintritten in das Angriffsdrittel über Außen liegt bei allen Mannschaften zwischen 63 und 75 Prozent. Ein typisches Angriffszonen-Schema wirft etwa Hertha BSC ab: Die Verteilung über die beiden äußeren Zonen sind nahezu ausgeglichen, während die Eintritte über die beiden zentralen Zonen in der Summe maximal ein Drittel ausmachen.

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Ein Angriffsschema wie bei Hertha 2020/21 ist typisch für die Bundesligisten - DFL Deutsche Fußball Liga

Während der 1. FC Köln sogar in 75 Prozent der Fälle (Liga-Höchstwert) über die Seiten vorstößt, haben Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig mit jeweils 37 Prozent noch die meisten Vorstöße durch das Zentrum, also die Angriffszonen zwei und drei. Das überrascht wenig, haben RB und die Gladbacher doch mit Marcel Sabitzer, Kevin Kampl, Florian Neuhaus oder Lars Stindl absolute Schlüsselspieler in der Mittelfeldzentrale postiert.

Die Bochumer Eintritte in das letzte Angriffsdrittel - DFL Deutsche Fußball Liga

Interessant wird es bei jenen Teams, die große Abweichungen zwischen den einzelnen Seiten haben. Allen voran Eintracht Frankfurt, die mit elf Prozent den größten Unterschied zwischen links und rechts aufweisen. Auch hier lässt sich die Ursache mit dem Schlüsselspieler begründen: Filip Kostic, der nicht nur das gesamte Spiel die linke Seite rauf und runter rennt, sondern auch ligaweit mit großem Abstand die meisten Flanken geschlagen hat (als einziger Spieler mehr als 200) und auf starke zwölf Torvorlagen kommt. Kein Wunder also, dass die Eintracht immer wieder den Weg über die Seite des Serben sucht.

Köln greift ligaweit am meisten über die Flügel an – Gladbach liagweit am meisten über das Zentrum - DFL Deutsche Fußball Liga

Auch bei anderen Mannschaften mit etwas größeren Unterschieden können wir dieses Phänomen beobachten: Leipzig kommt beispielsweise deutlich häufiger über die linke Seite (sieben Prozent häufiger als über rechts), weil sich gerade zu Beginn der Saison dort Angelino als äußerst gefährlich erwiesen hat. Ähnliches gilt für den VfB Stuttgart (fünf Prozent mehr über links), wo das Erfolgskonzept nicht selten eine Flanke von Linksverteidiger Borna Sosa auf den kopfballstarken Sasa Kalajdzic war. Gladbach hingegen greift deutlich lieber über die rechte Seite an (sieben Prozent mehr). Hier ist mit Stefan Lainer auch einer der Top-Flankengeber der Liga zu Hause.

Fazit: Ein ausgeglichenes Verhältnis der vier Angriffszonen darf nicht erwartet werden, denn die Bundesligisten treten deutlich öfter über die Flügel in das letzte Drittel des Gegners ein. Hier entstehen naturgemäß auch größere Räume. Während die meisten Teams die Angriffsbemühungen aber sehr gleichmäßig über die Seiten verteilen, vertrauen andere auf die individuellen Stärken einzelner Schlüsselspieler und nutzen deshalb bevorzugte Angriffszonen.

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Frankfurt hat die größte Differenz zwischen linker und rechter Angriffsseite - DFL Deutsche Fußball Liga