Bundesliga

Vorschau auf die neue Saison: Gladbach im Check

Köln - Am 26. August rollt wieder der Ball in der Bundesliga. Bis dahin nimmt bundesliga.de alle Clubs genau unter die Lupe. Diesmal an der Reihe: Borussia Mönchengladbach.

Saisonziel

In Mönchengladbach mag man es bescheiden und bodenständig. Obwohl die Borussia seit Jahren im Konzert der Großen mitspielt und zuletzt in fünf Jahren viermal das internationale Geschäft erreichte, lautet das offizielle Saisonziel auch diesmal wieder lediglich: Einstelliger Tabellenplatz.

"Man darf nicht vergessen, dass Borussia kein Verein ist, der eine bestehende Top-Mannschaft vor jeder Saison um zwei tolle Spieler verstärken kann", erklärt Borussia-Sportdirektor Max Eberl. "Vielmehr ist es unser Los immer wieder ein, zwei der besten Spieler verlieren zu können und diese dann adäquat ersetzen zu müssen." Eine Garantie dafür, dass das immer gelingt, gibt es nicht. Insofern gehen die Borussen ihre Ziele zumindest nach außen hin auch mit der nötigen Mischung aus Demut und Realismus an.

Trainer

Andre Schubert gelang in der vergangenen Saison etwas noch nie Dagewesenes. Er übernahm die Borussia zunächst als Interimstrainer mit null Punkten nach fünf Spieltagen auf dem letzten Platz liegend und führte sie dann als Cheftrainer noch auf Rang vier. Noch nie zuvor hatte in der Bundesliga-Geschichte ein Team nach einem solchen Fehlstart noch den Sprung nach Europa geschafft, sogar die Champions League ist möglich. Der 45-Jährige, der zuvor Paderborn und St. Pauli trainierte, ist bei seiner ersten Bundesliga-Station mit einem Vertrag bis 2017 ausgestattet.

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Taktik

Mit nur wenigen Korrekturen schaffte es Andre Schubert im vergangenen Herbst die verunsicherte Mannschaft wieder in die Spur zu bekommen. Den Ballbesitzfußball seines Vorgängers Lucien Favre behielt er bei, allerdings schob er die Außenverteidiger weiter nach vorne. Schubert variiert zwischen einem 4-4-2- und 3-5-2-System. Vor allem in den Heimspielen konnte die Borussia so unheimlich viel Druck auf die Gegner ausüben, 13 Siege in 15 Heimpartien unter Schuberts Regie sind ein fantastischer Wert. Auswärts dagegen blieb Gladbach unter seinen Möglichkeiten.

Neuzugänge/Kader

In den Kader der Borussia ist einige Bewegung gekommen. Topspieler wie Kapitän Granit Xhaka oder Harvard Nordtveit wechselten nach England, Routiniers wie Roel Brouwers (nach Kerkrade) oder Martin Stranzl (Karriereende) sind weg, dazu Talente wie Branimir Hrgota, Marlon Ritter oder Martin Hinteregger. Dafür landete Max Eberl mit der Rückholaktion von Weltmeister Christoph Kramer aus Leverkusen einen Coup, der den Verlust von Xhaka kompensieren könnte. Auch der frühere Bremer Innenverteidiger Jannik Vestergaard oder der Ex-Hoffenheimer Tobias Strobl verfügen über viel Bundesliga-Erfahrung und drängen in die Startelf. Dass der Trainer auf sie setzt, zeigte er gleich im ersten Pflichtspiel, der Champions-League-Qualifikation. Kramer und Strobl standen von Beginn an auf dem Platz. Ein unbeschriebenes Blatt ist dagegen noch das von Paris SG verpflichtete 18-jährige Abwehrtalent Mamadou Doucoure.

Schlüsselspieler

Granit Xhaka war Borussias Kapitän und Lautsprecher, Stimmungskanone und Hitzkopf und einfach ein toller Fußballer. Er ist nun weg und soll von Christoph Kramer ersetzt werden. Das wird nicht einfach für den Weltmeister, der ein ganz anderer Typ als Xhaka ist, in seinen beiden Jahren im Borussia-Park zwischen 2013 und 2015 aber auch ein Leader war. Kramer muss nun im Mittelfeld die Löcher stopfen, für die Balance sorgen und Mahmoud Dahoud den Rücken freihalten. Die kontrollierte Spielweise der Elf vom Niederrhein wird Kramer gut tun, sie passt besser zum ballsicheren 25-Jährigen als der Pressingstil seines letzten Arbeitgebers Leverkusen.

Top-Fakten

    Lars Stindl ist als Kapitän Nachfolger von Granit Xhaka, schon für Hannover 96 trug Stindl in 51 Spielen die Binde.

    Jannik Vestergaard soll mit seinen 1,99 Meter der Abwehr neue Stabilität vor allem in der Luft verleihen, letzte Saison kassierte nur Bremen mehr Gegentore nach Standards (20) als die Borussia (17).

    Letzte Saison startete die Borussia mit fünf Niederlagen in Folge in die Saison und verlor Trainer Lucien Favre, sein Nachfolger Andre Schubert startet erstmals mit einer Bundesliga-Mannschaft in eine Saison.

Formcheck

Rund zehn Testspiele absolvierte die Borussia in der Vorbereitung und präsentiert sich bereits in einer guten Frühform gegen u.a. zwei Schweizer Erstligisten und zwei Vereine der 2. Bundesliga. Vor allem die Stürmer haben für Aufsehen gesorgt, denn sie sind in Torlaune: Thorgan Hazard, Andre Hahn und Lars Stindl zeigten, dass sie auch in der Saison auf Torejagd gehen wollen. Im ersten Pflichtspiel noch vor dem Saisonstart präsentierte sich die Elf auf gutem Niveau. In der Champions-League-Qualifikation gegen die Young Boys Bern zeigten die Fohlen eine beeindruckende Leistung, gewann überlegen mit 3:1. Besonders Stürmer Raffael zeigte seine ganze Qualität im Torabschluss. Dennoch hat diese Partie Trainer Schubert noch einige Defizite in der Defensive aufgezeigt, die bis zum 1. Spieltag noch ausgebügelt werden sollten.

Tobias Gonscherowski

Alle Saisonvorschauen im Überblick:

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