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Sadio Mane, der etwas andere Weltstar

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Strahlkraft ja, Bling-Bling nein. Bayerns Neuzugang tritt als demütiger Normalsterblicher auf, der überall mit anpackt. bundesliga.de beleuchtet den etwas anderen Weltstar.

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Spaß muss sein, Demut aber auch. Unbedingt und jederzeit. Als Sadio Mane sich im Sommer 2020 als frischgebackener Premier-League-Sieger (mit dem FC Liverpool) mit der Trophäe für Afrikas Fußballer des Jahres 2019 ablichten lässt, verleiht einer der vielen Bewunderer im Raum seiner Verehrung Ausdruck: "The king" ruft er Mane zu. Der sitzt zwar auf einem Ledersessel, dessen pompöses Design den Schluss auf einen Thron durchaus zulässt - doch Demut muss auch hier sein: Mane löst das Zahnpastalächeln auf, wendet sich dem Fan zu und korrigiert mit erhobenem Zeigefinger: "No king!"

Eine Szene aus dem seit Jahren extrem erfolgreichen Leben von Sadio Mane, dessen Unterschrift dem ohnehin mit Stars gespickten Ensemble des FC Bayern nochmals einen anderen Glanz verleiht. Spielerischen Glanz natürlich!

Denn Bling-Bling und Selbstinszenierung sind dem Mann aus Bambali fremd. Der Neuzugang des FC Bayern München ist das Musterbeispiel eines Weltstars, der die Welt, der er entstammt, nicht vergessen hat.

10 Dinge über Sadio Mane

Demut statt Bling Bling: Sadio Mane - Johannes Simon/Getty Images

Ein Krankenhaus und eine Schule für sein Heimatdorf

In Manes Fall ist diese Welt das Dorf Bambali mit heute rund 2.000 Einwohnern, Tendenz allerdings stark steigend. Weil der berühmteste Sohn des Örtchens am Casamance, dem größten Fluss des Senegals, seine Heimat mit Mitteln aus eigener Tasche aufrüstet. "Als ich sieben war, starb mein Vater, weil es in unserem Dorf kein Krankenhaus gab", erzählte Mane einst in einem Interview. Also ließ er für umgerechnet rund 500.000 Euro eben selbst eines bauen.

Mane: "Wenn ich spiele, ist im Senegal Feiertag"

Der gläubige Muslim, der nur auf Drängen seiner Mutter die Schule beendete, finanzierte außerdem eine weiterführende Schule, eine Moschee, eine Post- und eine Tankstelle in Bambali. Regelmäßige Geldspenden für Familien, Laptops für eine Schule und der Einsatz für schnelleres Internet verstehen sich für den Ex-Liverpooler von selbst.

"Ich habe harte Zeiten überlebt, hatte Hunger, arbeitete auf dem Feld und spielte barfuß Fußball", stellt er den Kontrast zwischen damals und heute heraus. "Mit dem, was ich heute durch den Fußball verdiene, kann ich meinen Leuten helfen."

Wohltuende Bescheidenheit

Mane packt mit an, ob für die Dorf-Community oder im Alltag, wenn er beim Verladen von Koffern in den Mannschaftsbus hilft, oder beim Reinigen der Toiletten in einer Moschee. Luxus und Statussymbole braucht er nicht - sein vielleicht bekanntestes Zitat: "Was soll ich mit zehn Ferraris, 20 Diamantenuhren oder zwei Flugzeugen? Wie helfen diese Dinge mir oder der Welt weiter?"

Während große Teile der kickenden Profischaft die Social-Media-Feeds aktuell wieder mit teuren Outfits in sonnigen Sommer-Domizilen befüllen, gibt es von @sadiomaneofficiel Schlamm und Regen. Während des Heimaturlaubs kickte er in Turnschuhen auf dem Dorfplatz für den guten Zweck.

Natürlich kann man das eine tun, ohne das andere zu lassen. Nur ist das wohltuende Verhältnis zwischen dem Zelebrieren des Luxuslebens eines Fußballprofis einerseits, und praktizierter Demut und Nächstenliebe andererseits das, was Mane abseits des Rasens so besonders macht.

So passt Mane in die Bayern-Offensive

Stolz und Ego beiseite

Mit dabei beim Benefiz-"Matsch" war auch Landsmann Papiss Demba Cisse, der zwischen 2010 und 2012 für den SC Freiburg in der Bundesliga spielte. Der heute 34-Jährige hat - wie offensichtlich alle seiner Landsleute - nur Lob für Mane übrig: "Jedes Mal, wenn wir am Telefon sprechen, sage ich ihm: 'Du kannst es schaffen, du kannst der Beste werden.'" Allein: Das scheint Mane gar nicht so wichtig zu sein. Denn seine Selbstlosigkeit schlägt auch auf die makellos getrimmten Rasenflächen der europäischen Fußballarenen durch.

Die besten Afrikaner der Bundesliga

Wer nach eigener Aussage "no king" ist, duldet problemlos auch andere Größen neben sich. Ein Schlüssel zur erfolgreichsten Ära der jüngeren Clubgeschichte des FC Liverpool war das harmonierende Zusammenspiel der beiden Ausnahmekönner Mane und Mo Salah. Auch in dieser Erfolgsgeschichte steckt wieder die besondere Mane-Note. Salah wurde dem 1,74 m großen Linksaußen ein Jahr nach seiner Ankunft vor die Nase gesetzt. Der rechte Flügel, den Mane schon sein ganzes Leben bespielte, sollte nun dem ägyptischen Linksfuß gehören. Mane schob Stolz und Ego beiseite und bestätigte seine zuvor angedeutete Weltklasse eben auf der linken Bahn, später auch im Sturmzentrum. Julian Nagelsmann dürfte das gefallen.

Ähnlich genügsam gab er sich auf seiner Antritts-PK in München bei der Frage nach seiner Rückennummer. Die sei ihm nicht so wichtig. Es soll ja Spieler geben, die den Erhalt einer bestimmten Nummer zur Bedingung machen. Bei Mane wurde es nun die 17. Die trugen vor ihm zum Beispiel "Aggressive Leader" Mark van Bommel und zuletzt über elf Jahre Doppel-Triple-Sieger Jerome Boateng.

Mane wird dem 17er Logbuch sein eigenes Kapitel hinzufügen. Mit der Auszeichnung zu Afrikas Fußballer des Jahres hat er bereits begonnen. Schillernd und funkelnd auf dem grünen Rasen - und garantiert ohne Bling-Bling daneben.