Bayerns Star-Neuzugang Sadio Mane ist im Senegal ein Volksheld - © Simon Mellar/FC Bayern via Getty Images
Bayerns Star-Neuzugang Sadio Mane ist im Senegal ein Volksheld - © Simon Mellar/FC Bayern via Getty Images
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Bayern-Boom dank Sadio Mane? "Wenn ich spiele, ist im Senegal Feiertag"

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Sadio Mane dürfte die Bundesliga nicht nur in spielerischer Hinsicht bereichern, sondern auch als Publikumsmagnet im Senegal. In der Heimat des Afrika-Cup-Siegers winkt dem FC Bayern ein satter Fan-Zuwachs.

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Die Bilder gingen um die Welt: Am Tag nach dem erstmaligen Gewinn des Afrika-Cup gab es in Senegals Hauptstadt Dakar kein Halten mehr. Ein Meer völlig euphorisierter Menschen ließ den Bus des glorreichen Siegerteams über Stunden kaum vorwärts kommen. Siegestrunken-ungläubig posteten die Spieler der Nationalmannschaft Bilder von Fans, die ungesichert auf Gerüste, Ampeln, Leinwände und noch deutlich höhere Bauten kletterten - nur um einen Blick auf ihre Mannschaft zu erhaschen.

Mit diesen Bildern im Kopf ist man geneigt, Sadio Mane wörtlich zu verstehen, wenn er in einem Interview mit dem Club-TV des FC Bayern München sagt: "Wenn ich Fußball spiele, geht zuhause keiner arbeiten. Dann sitzen alle vor dem Fernseher." Selbstüberschätzung eines in den letzten Jahren unverschämt erfolgreichen Fußballers? Ganz und gar nicht. Wer Mane kennt, oder dieser Tage näher kennenlernt, merkt schnell, dass der Gewinn einiger der größten Titel im Weltfußball den Mann aus Bambali am Fluss Casamance nur noch bodenständiger und heimatverbundener gemacht hat.

Zehn Dinge über Sadio Mane

Sadio Mane und die Nationalmannschaft des Senegal feiert mit ihren Fans den Gewinn des Afrika-Cup 2022 - JOHN WESSELS/AFP via Getty Images

Held in der Heimat

In seiner kurzen Sommerpause kehrte Mane kürzlich in sein Heimatdorf zurück, kickte dort in einem Benefizspiel unverwöhnt mit weißen Turnschuhen im Schlamm des Fußballplatzes von Bambali. "Wo alles begann" schrieb er unter den zugehörigen Instagram-Post. In dem 2000-Seelen-Örtchen ließ Mane in den letzten Jahren ein Krankenhaus, eine Schule und eine Moschee bauen, setzte sich für schnelles Internet und neue Laptops in den Bildungsstätten ein. Vielen Familien dort schickt er regelmäßig Geld, und für den Notenbesten der örtlichen Schule lobt er umgerechnet 400 Euro aus.

Diese Heimatliebe ist - wie die Bilder der Triumph-Fahrt durch Dakar belegen - keine Einbahnstraße: Der Senegal vergöttert seine Helden auf dem grünen Rasen, und allen voran Mane. Den Schützen des siegbringenden Elfmeters gegen Ägypten - sowohl im Endspiels des Afrika-Cup als auch keine zwei Monate später im direkten Duell um ein WM-Ticket. Den Rekordtorschützen des Landes (33 Treffer), Afrikas Fußballer des Jahres 2019, den mutmaßlich besten Kicker, den der 17-Millionen-Einwohner-Staat je hervorgebracht hat.

"Wenn ich spiele, ist im Senegal Feiertag"

Mane selbst kann mit derlei Superlativen wenig anfangen. In einem viralen Internetvideo widerspricht er mit mahnendem Zeigefinger, nachdem ein Fan ihm "the king" zuruft. Als er sich selbst in seinem Antrittsinterview für den FC Bayern mit nur einem Wort beschreiben soll, entscheidet er sich für "ruhig". Ausführlicher werden seine Antworten, wenn er über seine Heimat und seine Anfänge als kleiner Junge mit großen Träumen spricht.

Die erste Pressekonferenz von Sadio Mane

"Meine Familie war damals nicht so glücklich, weil mir Fußball wichtiger war als Schule. Mein Heimatdorf ist sehr klein. Da Fußballprofi zu werden, ist eigentlich unmöglich. Aber ich habe irgendwie gefühlt, dass ich es schaffen kann. Ich bin meinem Traum gefolgt, und meine Familie merkte, dass es zwecklos ist, mich vom Fußballspielen abzuhalten."

Mittlerweile sind alle froh, dass der kleine Sadio die ein oder andere Schulstunde sausen ließ und lieber auf dem Dorfplatz Fußball spielte. "Als ich es dann geschafft hatte, haben sich die Dinge komplett zum Positiven verändert: Wenn ich spiele, ist zuhause quasi 'Feiertag', wie man auf Deutsch sagt. Erst recht jetzt hier in München: Wenn ich mit dem FC Bayern spiele, wird im ganzen Senegal keiner arbeiten."

Offizieller Transfermarkt: Alle Sommerwechsel der Clubs

Mane stürmt mit der Nummer 17

Das Trikot mit der Rückennummer 17, das Mane sich bei seinem neuen Club ausgesucht hat (zuletzt getragen vom Deutsch-Ghanaer Jerome Boateng), dürfte zum Kassenschlager werden, die Abrufzahlen von Bayern-Spielen aus dem Senegal in die Höhe schießen.

Selbst der prominenteste Name aus der Reihe seiner afrikanisch-stämmigen Vorgänger an der Isar ist in Sachen Strahl- und Zugkraft nicht ansatzweise auf Mane-Niveau anzusiedeln: Sammy Kuffour (Champions-League-Sieger 2001) war auch in seiner ghanaischen Heimat nur Experten ein Begriff, als er 1993 minderjährig in die FCB-Jugend wechselte.

Und selbst wenn man den in Berlin geborenen und aufgewachsenen, 2011 nach München gewechselten Boateng (Triple-Sieger 2013 und 2020) dazuzählen möchte - Mane ist ein waschechter Weltstar, der sich in der Blüte seiner Schaffenskraft dem FCB anschließt. Und sein Gesicht wird Bayern und der Bundesliga in Westafrika viele neue Zuschauer bescheren.