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Mats Hummels von Borussia Dortmund im Interview: "Wir müssen auswärts viel besser sein"

Mats Hummels ist im Sommer vom FC Bayern München zu Borussia Dortmund zurückgekehrt – und in der Defensive der Schwarzgelben auf Anhieb wieder der absolute Abwehrchef. Im Interview mit bundesliga.de spricht der BVB-Verteidiger über die vergangenen zehn Jahre seiner Karriere und die aktuelle Situation im Titelkampf bei Borussia Dortmund.

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bundesliga.de: Vor zehn Jahren waren sie noch ein junger Spieler. Haben Sie sich verändert?

Mats Hummels: Ich glaube, ja. Es ist ganz normal, dass man mit 21 anders ist als jetzt mit 30. Da sind viele Dinge passiert. Man weiß mehr, hat mehr erlebt, man verändert sich auch generell als Person. Dass ich natürlich im Grundwesen der gleiche bin wie damals, aber sich schon auch einige Dinge verändern, ist ganz normal.

bundesliga.de: Wie war es damals für Sie bei Borussia Dortmund?

Hummels: Wir waren ja fast alle so jung. Wir hatten eine sehr junge Mannschaft. Wir hatten zwei, drei, maximal vier ältere Spieler, ansonsten war vor allem der 88er Jahrgang sehr ausgeprägt mit Neven Subotic, Marcel Schmelzer, Nuri Sahin – dann hatten wir noch Sven Bender als 89er Jahrgang dabei. Also das war wirklich eine junge, forsche Truppe. Wir hatten alle richtig Spaß daran, hatten Bock zu arbeiten, hatten Bock zu spielen. So war damals die Atmosphäre in der Mannschaft.

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bundesliga.de: Können Sie sich an ihren ersten Titelgewinn und den Weg dorthin noch gut erinnern?

Hummels: Leverkusen wurde Zweiter in diesem Jahr, deren Niederlage in Köln hat die Meisterschaft besiegelt. Wir haben damals früh gemerkt, dass wir wirklich gut sind. Dass wir auf dem Platz gegen die meisten Gegner einfach überlegen waren und dass wir einfach fußballerisch ein gutes System hatten. Der Gedanke, dass es wirklich für den Titel reichen könnte, kam dann in der Rückrunde nach dem ersten Spieltag. Da haben wir in Leverkusen beim direkten Verfolger gespielt und 3:1 gewonnen. Nach diesem Spiel haben wir erstmals gedacht, dass wir reif genug sind, um das schaffen zu können.

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bundesliga.de: Was ist ihr persönliches Highlight in den vergangenen zehn Jahren?

Hummels: Da gibt es einige. Die Weltmeisterschaft logischerweise. Aber auch die erste Meisterschaft – dieser Moment, als im Stadion durchgesagt wurde, dass Köln 2:0 gegen Leverkusen führt, den werden alle, die auf dem Platz standen, nie vergessen. Das war um die 85. Minute herum, glaube ich. Wir haben gegen Nürnberg 2:0 geführt und wussten einfach, wir haben das Ding geschafft (grinst). Ich kann das gar nicht erzählen, ohne dass es direkt kribbelt und ich Gänsehaut bekomme. Das war einer der ganz besonderen Momente meiner Karriere, das war komplette Ekstase.

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bundesliga.de: Sie haben in den vergangenen zehn Jahren mit einer ganzen Reihe von Trainern zusammengearbeitet. Was haben Sie mitgenommen?

Hummels: Ich hatte jetzt sechs Trainer, zwei in Dortmund, drei in München. Und jetzt mit Favre meinen dritten in Dortmund. Es ist spannend, unterschiedliche Trainer zu erleben. Die Jahre unter "Kloppo" waren natürlich super, erfolgreich, emotional. Aber es war dann trotzdem auch schön, andere Arbeitsweisen, andere Spielideen aber auch Philosophien außerhalb des Platzes zu erleben und verschiedene Eindrücke zu sammeln. Ich bin froh, dass ich das in diesen zehn Jahren gemacht habe. Mit Thomas Doll hatte ich im Jahrzehnt davor aber eigentlich sogar noch einen, es ist also jetzt schon der siebte Trainer.

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bundesliga.de: Hat sich die Bundesliga in den letzten zehn Jahren verändert?

Hummels: Auf jeden Fall. Das Spiel ist wesentlich dynamischer geworden, definitiv. Wenn ich an 2011/12 zurückdenke, da haben wir mit Dortmund viele Teams mit unserer Dynamik tatsächlich überlaufen. Da gab es nicht viele, die dagegen gehalten haben. Es gab noch andere Gründe für unseren Erfolg, aber das war ein Aspekt – da habe ich das Gefühl, das geht jetzt gar nicht mehr in der Bundesliga. Es gibt nur wenige Mannschaften, die als "lauffaul" bezeichnet werden können, alle sind athletisch und konditionell so gut ausgebildet, dass sie 90 Minuten lang Gas geben können.

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bundesliga.de: Auf den BVB trifft in dieser Saison eher die Bezeichnung "gemischte Tüte" zu, oder?

Hummels: Es ist auf jeden Fall bisher ein Auf und Ab. Wir hatten vor dem Spiel in München eine sehr gute Phase mit drei ganz wichtigen Siegen. Das München-Spiel trübt natürlich den Eindruck, aber prinzipiell muss man sagen, dass die Wochen davor okay bis gut waren. Wir sind auswärts bisher nicht stark genug – das macht derzeit den Unterschied.

bundesliga.de: Was haben Sie zuletzt mit ihrer Aufforderung, die Dortmunder Mannschaft müsse "härter gegen sich selbst sein", genau gemeint?

Hummels: Dass man sich, wenn es nicht läuft, mit allem dagegen stemmt, was man hat. Das ist das Erste. In Zweikämpfen mehr dagegenzuhalten, ist das Zweite. Das ist etwas, was bei den Top-Clubs der Fall ist. Wenn diese Teams gegeneinander spielen, wird zwar nicht getreten, aber es geht richtig zur Sache in den Zweikämpfen. Wenn man dann vier, fünf Spieler hat, die in diesen Zweikämpfen zurückziehen und sie nicht annehmen, geht man unter.

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bundesliga.de: Gerade in Auswärtsspielen scheint das bisher nicht so gut zu funktionieren...

Hummels: Wir müssen auswärts viel besser sein. Wenn wir weiter auswärts so spielen, dann werden wir nicht Meister. Punkt. Dafür muss man nicht viel von Fußball verstehen. Aber das kann alles noch kommen. Aber natürlich kommt es nicht von allein, dafür muss man arbeiten. Das wissen wir. Das bloße Wissen reicht aber auch nicht, man muss sich das dann auch im Training und im Spiel aneignen – und es sich in Phasen, in denen wir dagegenhalten müssen, vor Augen halten.

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bundesliga.de: Wie war es für Sie gegen ihren Ex-Club Bayern München im Klassiker anzutreten?

Hummels: Es war normaler, als ich es erwartet habe. Das Spiel zwischen Bayern und Dortmund ist wahrscheinlich das, was ich am meisten gespielt habe in meiner Karriere – ob in der Bundesliga, im Pokal oder der Champions League. Aber es ist natürlich was besonderes. Da ist ein Kribbeln, eine gewisse Anspannung da. Aber wenn man diese Partie schon so oft gespielt hat, wird es irgendwann einfach normaler.

Routiniers: Mats Hummels begrüßt Manuel Neuer im Klassiker - Alexander Scheuber/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty Images

bundesliga.de: Wer ist in ihren Augen der talentierteste oder auch beste Spieler der Bundesliga?

Hummels: Aktuell ist Lewy (Robert Lewandowski, Anm. d. Red.) der Beste. Ich glaube, da gibt es kaum andere Meinungen. Jadon Sancho ist natürlich unheimlich talentiert, aber auch jemand wie Thiago Alcantara. Wenn man jetzt nur den technischen Aspekt oder das reine Verteidigen betrachtet, sind aber vielleicht wieder andere in diesen Bereichen sehr talentiert. Oft wird da drunter ja vor allem Ballführung und Dribbling verstanden, deswegen würde ich in diesem Bereich die beiden nennen. Aber es gibt noch viele andere: Kingsley Coman, Serge Gnabry, Kai Havertz, der ein unendlich guter Spieler werden kann und das hoffentlich auch wird.

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bundesliga.de: Was macht Robert Lewandowski so besonders?

Hummels: Ja, gut (lacht). Wenn einer Jahr für Jahr so liefert und so viel Tore schießt, ist es schwer da mitzuhalten. Er ist außerdem immer gesund, fit und ein absoluter Profi.