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Matchwinner Erling Haaland bringt Borussia Dortmund wieder in Lauerstellung

Einen Spieltag hat Erling Haaland noch gebraucht, um sich nach seinem Muskelfaserriss zu akklimatisieren. Am vergangenen Samstagabend, pünktlich zum Top-Spiel gegen RB Leipzig, war der Mittelstürmer dann aber wieder voll da und sorgte letztlich als Matchwinner für den Dreier seiner Mannschaft.

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"Und dann haben sie einen Stürmer, der unglaublich flink unterwegs ist, der ein gutes Timing hat, einen tiefen Laufweg. Der hat richtig Qualität, ist dazu noch sehr, sehr jung", analysierte Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann nach der Partie, bei der seine Elf die Chance gehabt hätte, den direkten Konkurrenten Borussia Dortmund auf neun Punkte zu distanzieren. Dass dies nicht gelang, lag zuvorderst an jenem jungen Stürmer.

Gemeint war selbstverständlich Erling Haaland, der das Verfolgerduell am 15. Spieltag zwischen RB Leipzig und Borussia Dortmund praktisch im Alleingang entschied. Dabei hatte es in den ersten 45 Minuten noch so ausgesehen, als würde der Norweger nach seiner vierwöchigen Verletzungspause im Dezember noch ein Weilchen brauchen, um zur alten Form zurückzufinden. Ähnlich wie bei der Partie in der Woche zuvor gegen den VfL Wolfsburg wirkte der 20-Jährige bisweilen wie ein Fremdkörper und war nur selten ins Spiel eingebunden.

Was aber auch immer im Pausentee gewesen sein mag, es entfaltete heftige Wirkung. Im zweiten Durchgang zeigte Haaland, warum er einer der zentralen Spieler für den Erfolg seiner Mannschaft ist: Schon das 1:0 in der 55. Minute ging zu großen Teilen auf das Konto des Stürmers, der nach einem Einwurf geschickt den Ball gegen drei Leipziger festmachte, sich dann nach einem Doppelpass mit dem wiedererstarkten Marco Reus Platz auf der rechten Seite verschaffte, dann mit seiner unnachahmlichen Geschwindigkeit den Ball ins gegnerische Drittel trieb, wo er erneut Reus bediente, der als Sahnehäubchen den Ball noch per Hacke auf den letztlichen Torschützen Jadon Sancho ablegte. Eine Traumkombination und ebenso Sinnbild für das bisweilen so attraktive wie erfolgreiche Dortmunder Spiel in die Tiefe in weiten Teilen der Hinrunde.

Später nahm Haaland dann selbst Maß an: Das 2:0 erzielte er per Kopf, beim vorentscheidenden 3:0 umkurvte er Leipzigs Keeper Peter Gulacsi nach einem feinen Schnittstellenpass des genialen Zuarbeiters Reus. Es war bereits sein 25. Tor im 25. Bundesligaspiel. Das hat in der Historie noch kein Spieler geschafft. Alle 75 Minuten traf Haaland in seinem ersten Bundesliga-Jahr ins Netz. Auch diese Quote ist ein Bestwert unter allen Spielern der Geschichte, die mindestens zehn Mal getroffen haben. Und diese Quote hätte er auch selbst noch verbessern können, wäre sein blanker Gewaltschuss in der 65. Minute nicht an den Querbalken gescheppert.

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Das Spiel gegen Leipzig lässt aber vor allem auch eine deutliche Weiterentwicklung im Spiel des Mittelstürmers erkennen. Bezeichnend dafür der Treffer zum 2:0 in der 71. Minute, als er sich mit einem Dribbling im Mittelfeld gleich gegen fünf Leipziger behauptete und den Ball wenig später nach Flanke von Jadon Sancho mit viel Wucht in die Maschen köpfte. Denn wegen beziehungsweise trotz seiner Größe von 1,94 Metern galt er bisweilen weder als ausgemachter Edeltechniker noch als Kopfballungeheuer. Es war erst sein zweites Kopfballtor in der Bundesliga. Aber: ein formvollendeter Treffer, der zeigt, dass Haaland langsam zu einem "kompletten Stürmer" heranreift.

Das bestätigte auch Nagelsmann: "Der hat Entwicklungspotenziale und wird noch besser werden. Da wird die Liga sicherlich noch Freude dran haben – die Gegner jetzt nicht immer." Nagelsmann muss es wissen: In den beiden bisherigen Bundesliga-Spielen gegen Leipzig traf Haaland gleich vier Mal.

Inzwischen dürfte auch jedem klar geworden sein, wie schmerzlich Haaland zum Ausklang des vergangenen Kalenderjahres vermisst wurde. In den vier Spielen ohne Haaland holte der BVB im Dezember nur vier Punkte und sah sich sogar zu einem Trainerwechsel gezwungen. Mit der vollen Ausbeute aus diesen Partien stünde man nun locker auf Platz 1. Aber auch so hat sich der BVB eindrucksvoll zurückgemeldet. Mit den Niederlagen von Leipzig und Bayern München sowie dem Remis von Bayer Leverkusen ist es nun wieder erfrischend spannend an der Spitze. Dortmund hat, dank Haaland, nur noch drei Punkte Rückstand auf Leipzig und nur noch fünf auf Tabellenführer Bayern und darf sich als großer Gewinner des 15. Spieltags fühlen.

Haaland gab sich nach dem Spiel gewohnt nüchtern wie ehrgeizig: "Wir müssen die zweite Halbzeit mit in die nächsten Spiele nehmen. Wir haben schöne Tore erzielt, wir haben viel Qualität. Diese Qualität müssen wir zeigen." In der kommenden Woche wartet nun der 1. FSV Mainz 05. Gerade gegen die vermeintlichen Underdogs taten sich die Schwarz-Gelben zuletzt immer wieder schwer. Mit Haaland könnte jetzt auch wieder ein Stück Konstanz zurückkehren.

Karol Herrmann