Robert Lewandowski erzielt gegen Barcelona bereits sein 14. Tor in dieser Champions-League-Saison - © Peter Schatz/Pool/IMAGO Images
Robert Lewandowski erzielt gegen Barcelona bereits sein 14. Tor in dieser Champions-League-Saison - © Peter Schatz/Pool/IMAGO Images
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Fünf Gründe, warum der FC Bayern München gegen Olympique Lyon ins Champions-League-Finale einzieht

Nach dem kolossalen 8:2 gegen Barcelona ist vor der kniffligen Aufgabe gegen Überraschungsteam und "Favoriten-Killer" Lyon. Die Franzosen wollen nach den Siegen gegen Juventus Turin und Manchester City die erste Finalteilnahme ihrer Vereinsgeschichte. Doch die Vorzeichen sprechen eindeutig für den FC Bayern.

Zehn Jahre ist sie her, die Sternstunde von Ivica Olic. Der Kroate schoss den FC Bayern mit einem Hattrick gegen Olympique Lyon im Rückspiel des Champions-League-Halbfinals 2010 erstmals seit 2001 wieder ins Endspiel. Im Finale von Madrid unterlag die Elf von Louis Van Gaal Inter Mailand dann allerdings mit 0:2. 2020 kommt es zur Neuauflage - und Bayern will sich auch dieses Mal nicht von den Franzosen aufhalten lassen. Trotz Lyons überraschender Coups gegen die favorisierten Teams von Juventus Turin (1:0 und 1:2) und Manchester City (3:1) ist der deutsche Rekordmeister der klare Favorit auf den Finaleinzug. Diese fünf Gründe sprechen dafür...

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1) Lewandowski zeigt's den Kritikern

Gelingt Robert Lewandowski, was Olic ihm vor zehn Jahren vormachte, ist der Pole um einen Rekord reicher: Ein Hattrick würde das Tor-Konto des erfolgreichsten Schützen dieser CL-Saison auf 17 schrauben. Damit zöge er gleich mit Cristiano Ronaldo, der in der Saison 2013/14 diese Bestmarke aufstellte, dafür im gewohnten Modus mit Hin- und Rückspiel aber elf Spiele zur Verfügung hatte. Lewandowski traf in jedem seiner bisher acht Spiele und straft alle Kritiker lügen, die ihm vorhielten, in K.O.-Spielen zu selten den Unterschied zu machen: In den beiden Achtelfinalpartien gegen Chelsea war er an allen (!) sieben Toren direkt beteiligt.

Er trifft nicht nur, sondern präsentiert sich, ganz im Sinne des Team-Erfolgs, auch als uneigennütziger Vorbereiter. Sein Assist zu Thomas Müllers 1:0-Führung gegen Barcelona war die fünfte in den letzten drei Spielen und ließ Müller die gleichen Worte wählen, die Hansi Flick nach "Lewys" Vorlagen-Doppelpack auswärts gegen Chelsea gebraucht hatte: Bei der mannschaftsdienlichen Spielweise des Torjägers vom Dienst "geht mir das Herz auf." Lewandowski ist der überragende Spieler dieser Saison in Europa, wird nach der Bundesliga und dem DFB-Pokal auch Torschützenkönig der Champions League werden. Sein erster noch im Wettbewerb vertretener Verfolger in der Torjägerliste: Serge Gnabry mit sieben Toren.

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Müller und Lewandowski feiern Coutinho, der nach seiner Einwechslung doppelt traf und noch ein Tor vorlegte - Peter Schatz/Peter Schatz / Pool

2) Die personellen Möglichkeiten sind überragend

Der Ausfall von Benjamin Pavard zwang Hansi Flick, die Mannschaftsordnung zu verändern. Joshua Kimmich, der in dieser Saison zum Mittelfeldchef aufgestiegen und in dieser Rolle nochmals einen großen Schritt gemacht hat, kehrte für die Spiele gegen Chelsea (4:1) und Barcelona zurück auf seine "alte" Position als Rechtsverteidiger. Dort spielte er defensiv gewohnt zuverlässig und verbuchte gegen die Katalanen zudem ein Tor und eine Vorlage. Thiago, der für Kimmich im zentralen Mittelfeld spielte, trat den Beweis an, dass er in den allergrößten Spielen zu allergrößter Form findet.

Linksaußen erhielt Ivan Perisic zuletzt den Vorzug vor Kingsley Coman - und traf gegen Barca mit seiner ersten Chance zum 2:1. Der kurz vor Schluss gegen seinen Stammverein eingewechselte Philippe Coutinho brachte das Kunststück fertig, in 14 Minuten erst Lewandowskis Tor zum 6:2 vorzubereiten und anschließend selbst noch zwei Tore zu schießen. Auf einen ähnlichen Effekt dürfte Flick hoffen, wenn er Corentin Tolisso gegen dessen Ex-Club Lyon spielen lässt. Gegen die Franzosen könnte außerdem Pavard wieder eine Option sein. Genau wie Niklas Süle, der gegen Chelsea und Barcelona jeweils Minuten sammeln durfte. All diese Personalien zeigen: Bayerns personelle Möglichkeiten sind fast grenzenlos - ein vielleicht entscheidender Unterschied zu den K.O.-Phasen der letzten Jahre.

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3) Rakete Davies

Er ist und bleibt ein Show-Man. Tik-Tok-Fan Alphonso Davies kann einfach nicht anders, als seine Zuschauer spektakulär zu unterhalten. Wenn sein raketenartiges Solo inklusive Torvorlage gegen Chelsea auf Social Media durch die Decke ging, dann hat ihn seine Einzelaktion gegen Barcas Nelson Semedo vorm 5:2 geradewegs in den Linksverteidiger-Olymp katapultiert. "Dich spielen zu sehen, bringt meine Augen zum Strahlen, Junge", kommentierte kein geringerer als Real Madrids Marcelo. Liverpools Andrew Robertson schloss sich wortlos aber applaudierend an.

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Davies hat es innerhalb einer Saison geschafft in die internationale Spitze vorzustoßen. Auf einer Position, wohlgemerkt, die er erst seit ein paar Monaten spielt. Der gelernte Außenstürmer ist bei derlei Riesen-Slaloms nicht zu übersehen, geht aber nicht auf Kosten seiner defensiven Zuverlässigkeit. Seine atemberaubende Geschwindigkeit ermöglicht ihm, verloren geglaubte Zweikämpfe doch noch zu gewinnen und erweitert Bayerns Angriffs-Repertoire um ein spektakuläres Überraschungsmoment aus der Tiefe des linken Flügels. Gegen ein defensiv zu erwartendes Lyon-Team könnte er so zur Schlüsselfigur werden.

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4) Der Flick-Faktor

Hansi Flick schreibt weiter am Trainer-Märchen der Saison. Der ehemalige Assistent von Joachim Löw in der Nationalmannschaft kam vor einem Jahr auf Wunsch von Niko Kovac als Co-Trainer an die Säbener Straße. Im November übernahm er die Mannschaft seines "Vorgesetzten" und schwang sich auf, seine eigene Cheftrainer-Geschichte zu schreiben. Von den 34 Spielen unter Flick hat Bayern nur drei nicht gewonnen: Seit der Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach im Dezember sind sie ungeschlagen, seit dem 0:0 gegen Leipzig im Januar haben sie wettbewerbsübergreifend alle 19 Spiele gewonnen!

Mit einem Punkteschnitt von 2,67 pro Bundesliga-Spiel ist er der erfolgreichste Bayern-Trainer der Historie, überragt sogar Pep Guardiola (2,39) - und könnte gegen Lyon nun schaffen, was vor ihm zuletzt sein Vorbild Jupp Heynckes schaffte: Den Einzug ins Champions-League-Finale. Neben seinen großen Qualitäten als Moderator überragt Flick auch als Taktiker. Die Mannschaft folgt seinen klaren Vorgaben und Gegner-Analysen. Auf Halbfinalgegner Lyon wird er sein Team dabei vorbereiten wie auf jedes andere Spiel auch - die letzten gewann er mit einer Tordifferenz von 37:10.

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5) Jeder für jeden

Bilder sagen mehr als tausend Worte. Vor allem, wenn sie aufgenommen werden, nachdem ein Bayern-Spieler, der in dieser Saison auf weniger Einsatzminuten gekommen ist, an einem Tor beteiligt ist. Tolisso und Alvaro Odriozola wurden für ihre Torbeteiligungen gegen Chelsea ebenso von der ganzen Mannschaft geherzt, wie Coutinho nach seinen Erfolgserlebnissen gegen Barcelona.

"Insgesamt haben wir eine sehr gute Stimmung in der Kabine", schwärmt Jerome Boateng. "Man merkt, dass die Abläufe sehr familiär sind und das sieht man auch auf dem Platz, dass jeder für den anderen da ist." Kein Neid, keine Zickerein, keine Egotrips - so harmonisch wie aktuell ging es im Bayern-Kader schon lange nicht mehr zu. Trainer und Spieler haben eine Atmosphäre geschaffen, in der sich jeder Star dem Gesamterfolg und der Mannschaft unterordnet. Das können auf diesem Niveau in ganz Europa im Moment nicht viele Teams von sich behaupten.

>>> Bayern nach 8:2 gegen Barca "noch nicht am Ende"