Gewinnt der FC Bayern München zum zweiten Mal nach 2012/13 das Triple? - © DFL Deutsche Fußball Liga
Gewinnt der FC Bayern München zum zweiten Mal nach 2012/13 das Triple? - © DFL Deutsche Fußball Liga
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Der FC Bayern München im Triple-Vergleich: Macht's Flick wie Heynckes?

Souverän das Double geholt und wettbewerbsübergreifend die letzten 18 Pflichtspiele gewonnen - klar, dass die "Super-Bayern" jetzt vom ganz großen Wurf träumen: Das Triple ist möglich, die Vereinigung der drei großen Saisontitel, die dem Rekordmeister bislang erst einmal gelang: 2012/13 unter Jupp Heynckes. Ein Vergleich des Teams von damals mit Flicks Double-Bayern.

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Vom 12. bis 23. August steigt in Portugal das Entscheidungsturnier um den Sieg in der Champions League. Der FC Bayern München ist dabei und will dort eine sehr gute Saison mit dem Double aus der 30. Meisterschaft und dem 20. DFB-Pokalsieg zu einer historischen machen. Der sechste Gewinn des "Henkelpotts" würde das historisch erst zweite Triple einer deutschen Mannschaft bedeuten. Erstmals gelang dieser Dreifach-Coup der Mannschaft 2012/13 unter Trainer Jupp Heynckes. Der heute 75-Jährige sieht in Hansi Flick den Mann, der in seine Fußstapfen treten kann, ja sogar "eine Ära prägen" könne.

Fünfeinhalb Monate nach dem 3:0-Auswärtserfolg beim FC Chelsea wurde am Samstagabend souverän das Viertelfinalticket gelöst. Die Bayern gewannen auch das Rückspiel im eigenen Stadion souverän mit 4:1. Hansi Flick, der Trainer einer der schon jetzt erfolgreichsten Bayern-Mannschaften der Vereinsgeschichte, hat den weiteren Turnierverlauf schon im Hinterkopf: "Ich kenne die Turnierform sehr gut. Daher glaube ich, dass wir damit zurechtkommen können", sagt der Coach, der bei seinem Team ins Schwärmen gerät: "Ich bin einfach begeistert von der Atmosphäre, die in der Mannschaft herrscht."

Die seit Flicks Übernahme im November zunehmend prächtige Stimmung im Team erinnert so manchen an "den Geist von 2013", als das Team um Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger mit vier Siegen und 11:0 Toren über Juventus Turin und den FC Barcelona hinweg ins Endspiel stürmte und im deutsch-deutschen Finale von Wembley mit 2:1 gegen den BVB triumphierte.

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Triple-Vergleich: Flick-Team auf Augenhöhe

Auch die harten, sportlichen Fakten halten dem Vergleich mit dem legendären Heynckes-Team absolut stand: Mit 49 von 51 möglichen Punkten und einer Tordifferenz von +44 überbot Flicks Mannschaft die Rückrunde aus der Triple-Saison um genau ein Tor! Damit spielten sie die beste Rückserie der Bundesliga-Historie, in der sie mit genau 100 Toren als erst zweites Team der Geschichte auch diese Schallmauer durchbrachen. Heynckes' "Triple-Bayern" kamen "nur" auf 98 Tore, stellten mit 91 Zählern aber einen bis heute bestehenden Saison-Punkterekord auf. Den verpasste Flicks Team zwar deutlich (82 Punkte). Berücksichtigt man aber nur die Spiele unter dem ehemaligen Co-Trainer, ergibt sich ein Punkteschnitt von 2,7 pro Spiel - identisch mit dem aus der Triple-Saison 2012/13!

Auch in Sachen Gegentore muss differenziert werden: Auf dem Weg zum Triple vor sieben Jahren stellten die Münchner mit 21 Spielen ohne Gegentor (2019/20: 15) und insgesamt nur 18 Gegentreffern Rekorde auf. Die abgelaufene Saison schloss Bayern mit 32 Gegentoren ab, wovon allerdings nur 16 in Flicks Amtszeit ab dem 11. Spieltag fallen.

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Fünf Triple-Sieger sind noch dabei

Aus dem Triple-Kader stehen heute noch fünf Spieler bei Bayern unter Vertrag: Manuel Neuer ist heute wie damals die Nummer 1 und einer der besten Torhüter der Welt.

Jerome Boateng machte im Finale von Wembley eines seiner besten Spiele für Bayern, leitete den Siegtreffer mit einem hohen Ball auf Ribery ein. Sechs Jahre später kämpfte er sich von der Ersatzbank zurück zu alter Stärke und in die Startelf, in der er den langzeitverletzten Niklas Süle seither überragend vertritt. Dessen Rolle als Abwehrchef übenahm indes David Alaba, damals Linksverteidiger. Der Österreicher blüht mit 28 Jahren auf seiner neuen Position im Abwehrzentrum auf, ist dort mit 63% gewonnener Zweikämpfe und seinem starken Mitspieler-Coaching noch wertvoller.

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Javi Martínez, damals Bayerns Königstransfer und Schlüsselspieler als Schweinsteiger-Partner auf der Doppelsechs, steht heute nicht mehr in der ersten Reihe. Der spanische Welt- und Europameister wird immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen, kam in der Rückrunde nur auf 110 Spielminuten. Thomas Müller fühlt sich auch sieben Jahre nach dem großen Triumph am wohlsten, wenn er zentral hinter einem Mittelstürmer spielen kann. Das funktionierte damals mit Wembley-Torschütze Mario Mandzukic gut, und heute mit Lewandowski so gut wie nie. Mit 21 Torvorlagen stellte Müller gerade einen neuen Assist-Rekord in der Bundesliga auf.

Müllers bester "Kunde" stand damals noch auf der anderen Seite: Lewandowski wechselte ein Jahr nach dem CL-Finale von Dortmund nach München, wo er mit 34 Toren gerade die beste Saison seiner Karriere hinlegte. Mandzukic kam 2012/13 als bester Bayern-Schütze auf gerade mal 15 Saisontore. Lewandowski ist mit 13 Toren zudem Führender der Torschützenliste in der Champions League - und vielleicht Bayerns größter Trumpf auf der Triple-Mission.

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Auf dem Weg zum zweiten Triple?

Auch gegen Chelsea war Lewandowski wieder zur Stelle und erzielte zwei der vier Bayern-Tore im Rückspiel. Die Pause hat den Bayern nicht geschadet - im Gegenteil. Sie konnten nach fünf Wochen ohne Pflichtspiel aus der Erfahrung des Bundesliga-Restarts schöpfen. Insgesamt könnte die große Lücke zwischen DFB-Pokalfinale und Chelsea-Rückspiel also sogar von Vorteil gewesen sein. Und am Ende vielleicht den Ausschlag geben, für das zweite Triple der deutschen Fußballgeschichte.