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Die Null steht erneut: Borussia Dortmund schielt nach Sieg in Mainz auf Bayern

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Die Voraussetzungen waren nicht gerade die besten für Borussia Dortmund vor dem Nachholspiel des 25. Spieltags beim 1. FSV Mainz 05: Ohne Schlüsselspieler wie Marco Reus, Raphael Guerreiro, Manuel Akanji oder Mats Hummels trat der BVB die Reise zu einem Gegner an, der in der gesamten Saison zuvor nur einmal im eigenen Stadion verloren hatte und sich dabei nur sieben Gegentreffer geleistet hatte. Oder anders gesagt: Würden nur die Punkte aus den Heimspielen zählen, wäre Mainz ein ernsthafter Champions-League-Kandidat. Doch die Mannschaft von Marco Rose bewies große Moral und machte durch den späten 1:0-Sieg das Meisterrennen wieder spannend.

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Zugegeben: Auch für den 1. FSV Mainz 05 hätten die Umstände an diesem Mittwochabend besser sein können. Gleich 14 Spieler hatten sich im Vorfeld mit dem Corona-Virus infiziert, zwei Partien mussten verschoben werden, weil die Mannschaft schlicht nicht die notwendigen 16 Akteure zusammenbrachte. Die Trainingsgruppe war in den Tagen zuvor nicht nur auf ein Minimum reduziert, es fielen auch noch zwei Stützen (Alexander Hack und Dominik Kohr) gesperrt aus und für so manchen Wiedergenesenen war es bis zum Anpfiff dieses Nachholspiels ein Wettlauf gegen die Zeit.

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Umso erstaunlicher war es dann auch, wie die Mainzer dem BVB Paroli bieten konnten. Nach einer Stunde war Borussia Dortmund mit dem torlosen Remis nach guten Chancen von Kevin Stöger und Anton Stach, beide nach Standards, noch gut bedient. Doch die Viererkette des BVB hielt dicht: Eine aus der Not heraus geborene Formation mit Felix Passlack, Emre Can, Marin Pongracic und Nico Schulz. Keiner von ihnen würde bei Vollbesetzung zur ersten Wahl in der Abwehrkette gehören. Doch nun hielt ausgerechnet jene Viererkette zum zweiten Mal in Folge die Null. Mit dem gleichen Personal hatte Dortmund bereits am 26. Spieltag gegen Arminia Bielefeld gewonnen. Zwei Weiße Westen in Folge waren dem BVB in dieser Bundesliga-Spielzeit zuvor noch nicht gelungen. "Ich finde es schon außergewöhnlich, dass wir in dieser Kette zum zweiten Mal zu Null gespielt haben. Die Jungs haben sich voll reingehauen, das war richtig gut", lobte Trainer Marco Rose nach der Partie.

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Und nach knapp einer Stunde merkte man den Mainzern die Müdigkeit dann auch an. Marco Rose hatte insgesamt zwar nur wenig Personal auf der Bank, aber immerhin den Luxus, genau in dieser Phase Erling Haaland, Giovanni Reyna und Julian Brandt einwechseln zu können. Und so übernahm der BVB fortan die Kontrolle, drängte die Mainzer hinten rein und wurde schließlich mit dem späten Siegtreffer durch Axel Witsel (87.) belohnt. Die Flanke dafür hatte Reyna geliefert.

"Es gibt immer Tage, wo du nicht gut spielst. Da muss man als Team zusammenrücken", analysierte Emre Can und fügte hinzu: "Wir haben bis zum Ende daran geglaubt. Wenn man dann das späte Siegtor noch schießt, ist das umso schöner. Jeder muss das Maximum an Energie in das Spiel reinstecken. Das ist sehr wichtig für uns. Solche Siege sind immer besonders." Can selbst war mit einigen spektakulären Grätschen einmal mehr in dieser Hinsicht vorneweg gegangen und auch der stets bis unter die Haarspitzen motivierte Jude Bellingham wollte nicht darauf verzichten, die Zuschauer auf den Rängen mit seinen schwingenden Armen noch einmal für die Schlussphase anzupeitschen.

BVB trifft oft in der Schlussviertelstunde

Dass der Siegtreffer so kurz vor Schluss fiel, ist kein Zufall und verdeutlicht auch statistisch, dass die Dortmunder Moral beweisen können: 17 Tore in der Schlussviertelstunde sind (gemeinsam mit Hoffenheim) Ligaspitze! Ein Tor nach einem ruhenden Ball war hingegen eher ungewöhnlich, gehören Offensivstandards doch nicht zwingend zu den Dortmunder Kernkompetenzen, wohingegen die Mainzer nach ruhenden Bällen eigentlich das beste Team in der Bundesliga sind.

"Wir sind glücklich über den Sieg, auch weil wir den Abstand auf die Teams hinter uns vergrößern konnten", freute sich Siegtorschütze Axel Witsel, der erstmals seit zwei Jahren mal wieder in der Bundesliga getroffen hatte. Zwölf Punkte Vorsprung sind es inzwischen auf Platz fünf. Im Kampf um die Champions League könnte sich Dortmund theoretisch also noch drei Niederlagen aus den verbleibenden acht Spielen erlauben. Und nun entspannt sich auch noch die Personalsituation: Akanji, Hummels und Reus könnten schon am 27. Spieltag beim 1. FC Köln (Anstoß Sonntag, 19:30 Uhr) zurückkehren. Haaland und Reyna sind nach ihren Verletzungen dann auch wieder Kandidaten für die Startelf.

Doch der Blick auf die Tabelle verrät auch: Der Abstand auf Tabellenführer Bayern München ist auf vier Punkte geschmolzen. Bleibt der BVB bis zum 31. Spieltag stabil, könnte die Elf von Marco Rose mit einem Sieg im Klassiker gegen den Rekordmeister noch einmal für einen enorm spannenden Meisterschaftskampf sorgen, wie es ihn seit Jahren nicht mehr gegeben hat. Darüber reden wollte an diesem Abend aber keiner der Schwarz-Gelben.