Nürnberg/Fürth - Sowohl der 1. FC Nürnberg als auch die SpVgg Greuther Fürth blieben bislang hinter den Erwartungen zurück. Beim "Club" setzt man nun auf einen Trainerwechsel, am späten Montag Abend wurde Valérien Ismaël freigestellt.

Sie hatten fünf Stunden getagt, als die Aufsichtsräte des 1. FC Nürnberg um kurz nach 23 Uhr vor die Medienvertreter traten und eine Personalentscheidung verkündeten, mit der die meisten Beobachter allerdings gerechnet hatten: Valérien Ismaël wird beim fränkischen Traditionsclub nach nur viereinhalb Monaten im Amt freigestellt. „Ismaël ist mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Grethlein nach der Sitzung. "Es waren keine leichten Entscheidungen, deshalb hat es so lange gedauert." Das Training am Dienstag werden Reha-Trainer Markus Zidek und der ehemalige Torwart Daniel Klewer leiten. Sportdirektor Martin Bader ist derweil mit der Suche eines Nachfolgers beauftragt.

Trennung hatte sich abgezeichnet

Die Trennung von Ismaël hatte sich abgezeichnet. Zu eklatant waren Anspruch und Wirklichkeit auseinandergeklafft: In 13 Spielen holte der "Club", dem Bader noch vor der Saison den sofortigen Wiederaufstieg zugetraut hatte, nur 14 Punkte. Auch die Bilanz von 24 Gegentoren spricht eine deutliche Sprache. Nach der 1:2-Niederlage beim SV Sandhausen, einem Club, der zuvor in dieser Spielzeit noch nie mehr als einen Treffer pro Spiel erzielt hatte, belegt der FCN nur noch den 14. Platz und muss sich sogar Sorgen um den Klassenerhalt machen.

Wer das Spiel im Nordbadischen am vergangenen Freitag gesehen hatte, konnte der Nürnberger Elf tatsächlich keine gute Prognose ausstellen. Zwar spielten die Franken in der ersten Halbzeit durchaus gefällig, ihre fußballerische Überlegenheit reichte aber nur zu einem einzigen Tor, ehe sich der FCN nach zwei krassen Abwehrfehlern die beiden Gegentore selbst ins Netz legte – nicht zum ersten Mal in einer Spielzeit, in der die treuen "Club"-Anhänger durch ein Wechselbad der Gefühle gehen. Nach Phasen, die Mut machen – zwischen dem 8. und 10. Spieltag punktete man beim VfL Bochum und besiegte RB Leipzig sowie den 1. FC Kaiserslautern – sind immer wieder Nackenschläge zu verzeichnen. Nicht zuletzt, weil die Defensive nicht gefestigt wirkt und auch der ein oder andere Routinier regelmäßig patzt. Die Länderspielpause, so hoffen sie in Nürnberg, wird der Mannschaft guttun.

Auch Fürth ist in der Krise

In Fürth ist man normalerweise für jede Krise des großen Nachbarn dankbar. Spott und Häme sind das Lebenselixier manches Fürther Fans, wenn es um den Club geht – umgekehrt ist das ganz genauso. Dass am 2. Spieltag das Derby mit 5:1 gewonnen wurde, sorgte deshalb noch Wochen danach für beste Laune rund um den Ronhof. Wenn dieser Tage der Run auf die Vorverkaufsstellen – am 20. Dezember kommt es zum Rückspiel in Nürnberg – überschaubar bleibt, hat das allerdings seine Gründe. Denn auch in Fürth ist die Stimmung nach der hochverdienten 0:3-Niederlage gegen den Karlsruher SC getrübt.

"Gerade in der 2. Bundesliga, in der es so eng zugeht, ist eine gute Verteidigung die Basis für den Erfolg", sagte Trainer Frank Kramer, der sich über die defensiven Nachlässigkeiten seiner Mannen ebenfalls nicht zum ersten Mal in dieser Saison ärgerte. Mit 18 Punkten – vier mehr als der Club – dümpelt das Kleeblatt auf Platz neun. Gut möglich also, dass das Frankenderby kurz vor Weihnachten sportlich gesehen kein Spitzenspiel der 2. Bundesliga sein wird. Eines von zwei "Spielen des Jahres" ist es für die Region dennoch.

Christoph Ruf