Wer kann dem Nordderby am Samstag den Stempel aufdrücken? - © DFL Deutsche Fußball Liga
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2. Bundesliga

Nordderby-Premiere zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV

108 Mal standen sich der SV Werder Bremen und der Hamburger SV bislang in der Bundesliga gegenüber. Lediglich das Duell der Bremer mit dem FC Bayern München gab es in der Bundesliga häufiger (110 Mal). Nun kommt es in dieser geschichtsträchtigen Begegnung nach all den Jahren zu einer Premiere: Das erste Nordderby in der 2. Bundesliga steht an. Und beide Teams gehen mit Rückenwind in das Samstagabendspiels des 7. Spieltags.

Der SV Werder Bremen war der große Gewinner des 6. Spieltags an der Spitze der 2. Bundesliga. Weil von den Top-6 der Tabelle kein Team einen Dreier einfahren konnte, schob sich das Anfang-Team auf Rang 3 - die beste Bremer Platzierung in dieser Spielzeit. Darüber hinaus spielte der Absteiger zum dritten Mal in Serie zu Null und gewann die zweite Partie in Folge souverän mit 3:0. Die Partie beim FC Ingolstadt konnten die Hanseaten derart dominant gestalten, dass die mitgereisten Fans nach einer Stunde schon einmal den Blick auf den folgenden Spieltag richten konnten. "Wir woll'n den Derbysieg", hallte es aus dem Gästeblock durch den Aldi-Sportpark.

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Die Spieler würden ihren Fans diesen Herzenswunsch sicherlich gerne erfüllen - und es gibt gute Argumente, die am Samstag im wohninvest Weserstadion für einen Heimsieg sprechen. Zum einen wäre da die jüngere Historie, denn acht der letzten zehn Heimspiele gegen den Nordrivalen hat Werder gewonnen. Aber auch die Gegenwart macht Mut: Das nach dem Abstieg in der Transferphase umgekrempelte Team scheint sich immer besser zu finden. Marvin Ducksch hat nach zwei Spielen für Werder schon drei Tore auf dem Konto und Last-Minute-Leihe Mitchell Weiser krönte ein starkes Debüt mit einem sehenswerten Sololauf zum zwischenzeitlichen 2:0. "Ich fühle mich echt wohl in der Mannschaft, es sind alles coole Jungs", erklärte er nach der Partie.

Weiser gehört mit seinen 27 Jahren schon zu den erfahrenen Akteuren beim SV Werder, der mit einem Altersschnitt von 24,9 Jahren der eingesetzten Spieler das jüngste Team der 2. Bundesliga stellt. Das passt ganz zu der Maxime von Markus Anfang, der die langfristige Entwicklung der Mannschaft an erste Stelle setzt - ohne sich kurzfristigem Erfolg zu verschließen. Das Spiel gegen den HSV wird da nach zwei mühelos wirkenden Erfolgen gegen die beiden Aufsteiger zum echten Prüftstein für die Bremer, denn auch der Nordrivale geht mit einem positiven Gefühl in die Derbywoche.

Gegen den SV Sandhausen erlebte das Team von Tim Walter eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. In einem deutlich überlegenen Spiel ließen die Hamburger erst reihenweise beste Chancen liegen, um dann nach einem Elfmetertor und einer Gelb-Roten Karte wie der sichere Sieger auszusehen. Als Sandhausen dann kurz vor Schluss den Ausgleich erzielte, hätten die HSV-Profis die Köpfe hängen lassen können, mobilisierten stattdessen aber noch einmal alle Kräfte und kamen in der Schlusssekunde noch zum 2:1-Siegtreffer. "Es ist enorm etwas abgefallen von uns", beschrieb Torschütze Moritz Heyer die Gefühlslage nach dem Siegtreffer.

Coach Tim Walter sah in dem späten Erfolg einen Schlüsselmoment, der Kräfte für die weiteren Aufgaben freisetzen könnte. Zunächst einmal schoben sich die Hamburger wieder zurück in die obere Tabellenhälfte, die sie einen Spieltag zuvor zum ersten Mal seit dem 1. Spieltag der Saison 2018/19 verlassen hatten. Mit einem Erfolg in Bremen würde man den Nordrivalen in der Tabelle wieder überholen und hätte den Anschluss an die Aufstiegsplätze hergestellt.

In der Bundesliga klappte dies gegen Bremen zuletzt nicht so gut, denn aus den letzten vier Nordderbys holte der HSV nur zwei Punkte. Den letzten Sieg gegen Werder gab es am 22. April 2016. Pierre-Michel Lasogga schnürte einen Doppelpack und Jaroslav Drobny parierte beim 2:1-Erfolg einen Elfmeter von Claudio Pizarro - es war von zehn Bundesliga-Elfern für Werder der einzige Fehlschuss des Peruaners. Jetzt müssen neue Helden der Rothosen her, denn von der Sieger-Elf von damals steht kein Spieler mehr im Kader. Allein Bakery Jatta hat bei den Hamburgern schon Nordderby-Erfahrung. Zweimal kam er in der Bundesliga gegen den SVW zum Einsatz - beide Partien gingen verloren. Bessere Erinnerungen hat da Werders Milos Veljkovic, der der erfahrenste Spieler der aktuellen Kader in diesem besonderen Duell ist.

Bei den letzten vier Aufeinandertreffen der ewigen Rivalen stand der Serbe jeweils über 90 Minuten auf dem Feld und fuhr mit Werder acht Punkte ein. Aber auch für Veljkovic bedeutet das Nordderby in der 2. Bundesliga Neuland. Dabei haben beide Clubs kein Interesse daran, dass aus einem Klassiker der Bundesliga-Geschichte ein Evergreen der 2. Bundesliga wird. Sie wollen dafür sorgen, dass es in näherer Zukunft ein 109. Bundesliga-Derby gibt. Zumindest der Sieger von Samstag hätte einen kleinen Schritt mit großer emotionaler Wirkung in diese Richtung getan.

Florian Reinecke