Harter Kampf um jeden Zentimeter: Der Hamburger Bakery Jatta und Bielefelds Cedric Brunner - © Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images
Harter Kampf um jeden Zentimeter: Der Hamburger Bakery Jatta und Bielefelds Cedric Brunner - © Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images
2. Bundesliga

Fünfkampf in der 2. Bundesliga: Das spricht für Bielefeld, HSV und Co.

In der 2. Bundesliga ist Spannung garantiert. Noch 16 Spieltage sind zu absolvieren, und allmählich kristallisiert sich eine Spitzengruppe heraus. Wer macht am Ende das Rennen? Spitzenreiter und Herbstmeister DSC Arminia Bielefeld? Oder die beiden ambitionierten Ex-Bundesliga-Clubs Hamburger SV und VfB Stuttgart? Oder zieht am Ende eines der Überraschungsteams vorbei? Denn auch der 1. FC Heidenheim 1846 und der FC Erzgebirge Aue haben berechtigte Hoffnung auf einen Aufstiegsplatz.

DSC Arminia Bielefeld (34 Punkte)

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Von der Euphorie um die Situation seines Teams lässt sich Uwe Neuhaus nicht anstecken. Der 60-Jährige wirkt stets beherrscht, manche nehmen ihn - zu Unrecht - sogar als etwas mürrisch wahr. Der gebürtige Hattinger aber stellt im Grunde eines dar: den Gegenpol zur herrschenden Stimmung in der ostwestfälischen Stadt, dessen fußballerischem Aushängeschild er vor rund einem Jahr neues Leben eingehaucht hat.

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Als Nachfolger von Jeff Saibene führte er das Team zunächst aus dem Tabellenkeller, und anschließend an die Tabellenspitze. Ein Zufall? Nein - das beweist die Statistik. Waren es in der Saison 2018/19 34 Punkte aus 18 Spielen als Arminia-Trainer, wiederholte er dieses Kunststück in dieser Spielzeit. Es ist die beste Ausbeute vor der Winterpause, Bielefeld geht als Top-Favorit auf den Bundesliga-Aufstieg in die verbleibenden 16 Partien.

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Bemerkenswert ist dabei insbesondere die unaufgeregte Konstanz, mit der es der einst abstiegsbedrohte DSC an die Spitze der 2. Bundesliga geschafft hat. Da ist zum einen der stets besonnene Neuhaus, der sich seiner Fähigkeit, ein Team zum Aufstieg zu führen, durchaus bewusst ist. Rot-Weiss Essen, Union Berlin und Dynamo Dresden führte er bereits in die 2. Bundesliga, nun hat er erstmals die Chance, mit einem Team in die Bundesliga aufzusteigen. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben: Das Team ist eingespielt, und insbesondere die Zugänge Joakim Nilsson, Marcel Hartel und Cebio Soukou schlugen ein. Dabei ist Bielefeld nicht nur ein ausgeprägt offensivfreudiges (35 Tore, nur Hamburg hat häufiger getroffen), sondern auch ein stabiles Team: Neuhaus hat von 38 Partien als Arminia-Coach lediglich sieben verloren.

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Hamburger SV (31 Punkte)

Der Hamburger SV startete fulminant in die Saison und untermauerte mit dem starken Auftakt die Aufstiegsambitionen. Zuletzt aber stotterte der Motor der Hanseaten. Kein Zufall, wie Trainer Dieter Hecking im Interview mit der Bild zuletzt sagte. Schließlich sei seine Elf, für die er seit dem vergangenen Sommer verantwortlich ist, nach einiger Zeit besser auszumachen und einzuschätzen. Und: "Die anderen Mannschaften machen ja auch Entwicklungsschritte. Wenn du einmal zeigst, dass du verwundbar bist, dann werden sie die Waffen, die andere gegen dich erfolgreich eingesetzt haben, auch einsetzen." Der Respekt werde mit jedem Punktverlust weniger, betonte der 55-Jährige zudem, das habe man zuletzt ein wenig gespürt. "Aber natürlich wollen wir den Lauf vom Beginn der Saison wieder aufleben lassen."

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Der HSV hat in der Winterpause Zeit, sich zu sammeln, neu zu sortieren. Und dabei zu schauen, welche Waffen er den Angriffen durch die Konkurrenz entgegenhalten kann. Einige brandgefährliche führen die Hamburger schließlich in den eigenen Reihen. Jeremy Dudziak etwa, der vom Stadtrivalen FC St. Pauli kam und sich bei seinem Trainer den - wohlgemerkt positiven - Ruf eines "Drecksacks", der fußballerische Akzente setzen kann, erarbeitet hat. Oder Bakery Jatta, der die Offensive des Tabellenzweiten immer wieder zu beleben wusste. Dann wäre da noch Adrian Fein, der als Leihgabe des FC Bayern zu brillieren wusste. Gegen ein Problem aber konnte niemand etwas unternehmen, auch nicht der erfahrene Hecking: Jan Gyamerah und Josha Vagnoman verletzten sich schwer. Dadurch konnte der HSV-Coach nur selten mit der gewünschten Viererkette auflaufen.

Die Bayern-Leihgabe ist der heimliche Chef: Adrian Fein brilliert beim Hamburger SV - via www.imago-images.de/imago images/Claus Bergmann

VfB Stuttgart (31 Punkte)

Die Trainer der ersten Beiden Zweitligisten verkörpern insbesondere Erfahrung und Kontinuität. Im Ländle hingegen setzt man auf frischen Wind. Zum einen ist der VfB Stuttgart seit Februar unter der Führung des Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger. Der ehemalige Nationalspieler installierte nach dem Abstieg Tim Walter als neuen Trainer, Ende des Jahres trat Pellegrino Matarazzo dessen Nachfolge an. Der ehemalige Co-Trainer der TSG 1899 Hoffenheim soll den Club zurück in die Bundesliga führen.

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"Wir wollen kurzfristig erfolgreich sein, unser fußballerisches Profil weiter schärfen und sicherstellen, dass die Tür zur Profimannschaft für unsere Jugendspieler auch in Zukunft offensteht", erklärte Hitzlsperger die Verpflichtung des 42-Jährigen, der neben der italienischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt.

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"Wir stehen gemeinsam vor Herausforderungen, die wir mit viel Optimismus und Vorfreude angehen werden", sagte Stuttgarts neuer Trainer über seine anstehende Aufgabe bei den Schwaben. 31 Punkte nach 18 Spielen sind auf den ersten Blick eine gute Ausbeute, zumal Hamburg ja punktgleich ist und ebenfalls aufsteigen will. Doch gleich hinter dem VfB lauert der 1. FC Heidenheim. Schafft Matarazzo in seiner ersten Saison als Profi-Trainer gleich den Bundesliga-Aufstieg? Es wird ein enges Rennen.

Zwei, die wissen, wo das Tor steht: Silas Wamangituka und Mario Gomez - Julia Rahn via www.imago-images.de/imago images/Pressefoto Baumann

1. FC Heidenheim 1846 (30 Punkte)

Wären Kontinuität, Vertrauen und Langfristigkeit die Faktoren, nach denen die Tabelle der 2. Bundesliga erstellt wird, dann rangierte der 1. FC Heidenheim 1846 mit großem Abstand auf Platz eins. Seit nunmehr zwölf Jahren ist Frank Schmidt Trainer des Teams, führte es von der Oberliga in den Profi-Bereich. Kommt tatsächlich noch mehr? Es gibt Zahlen, die dafür sprechen, dass sich der FCH am Ende tatsächlich ganz oben festsetzt. Das Schmidt-Team hat die beste Defensive der 2. Bundesliga (18 Gegentore), behielt zudem in acht Partien die Weiße Weste. Und die Anzahl der Partien der Verteidiger deutet an, mit welcher Kontinuität der Club in der Viererkette rechnen konnte. Marnon Busch absolvierte 17, Patrick Mainka 16 und Dauerbrenner Norman Theuerkauf gar 18 Spiele in dieser Saison.

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Doch nicht nur die erste Elf ist im Aufstiegskampf konkurrenzfähig. Bei der Jagd auf den VfB Stuttgart, den der FCH schon im ersten Spiel des neuen Jahres überholen kann, baut Trainer Schmidt auf einen breiten Kader, der nicht nur in den Spitzen hochkarätig besetzt ist. Das begünstigt zum einen einen ständigen Konkurrenzkampf, zum anderen kann der Coach flexibler auf Verletzungen reagieren. Und der Wahrheit die Ehre: Im Windschatten sind die Heidenheimer, die öffentlich nicht über Aufstiegsambitionen sprechen, in einer hervorragenden Position.

FC Erzgebirge Aue (29 Punkte)

Dirk Schuster wird sich manches Mal an die Saison 2014/15 erinnert haben. In dieser Spielzeit führte der gebürtige Chemnitzer des SV Darmstadt 98 überraschend in die Bundesliga. Fünf Jahre später könnte der 52-Jährige erneut einen derartigen Coup feiern. Denn den FC Erzgebirge Aue hatte bei der Aufstiegs-Prognose wohl kaum ein Experte auf der Rechnung. Nach dem 18. Spieltag hat das Schuster-Team alle Zweifler abgestraft. 29 Punkte hat Aue auf der Habenseite, 23 davon holte die Mannschaft im eigenen Stadion. Damit sind die Veilchen das beste Heimteam der 2. Bundesliga. Unverkennbar ist jedoch: In der Fremde hapert es noch ein wenig. Lediglich neun Punkte dürften den Club nicht vollends zufrieden stellen.

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Aber: Die Schuster-Elf hat zwei Hochkaräter zu Gast. Am 20. Spieltag kommt Arminia Bielefeld nach Aue - dann trifft ausgewiesene Heim- auf Auswärtsstärke. Am 24. Spieltag wiederum gastiert der Hamburger SV bei den Veilchen. Fallen etwa auch die Favoriten dem Überraschungsteam der 2. Bundesliga zum Opfer? Das würde die Spannung um ein Vielfaches erhöhen. Das gilt auch für den Moment, in dem Aue das Siegen auf fremden Plätzen für sich entdeckt.

Heidenheims Konstante: Trainer Frank Schmidt - Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de/imago images/Sportfoto Rudel