Der SV Werder spielte zuletzt dank großer Entschlossenheit drei Mal in Folge zu Null - © Anke Waelischmiller/SVEN SIMON/SVEN SIMON/ Anke Waelischmiller/
Der SV Werder spielte zuletzt dank großer Entschlossenheit drei Mal in Folge zu Null - © Anke Waelischmiller/SVEN SIMON/SVEN SIMON/ Anke Waelischmiller/
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Optimismus nach Mini-Serie: Werder Bremen will "im Tunnel bleiben"

Im Fußball kann es manchmal ganz schnell gehen - im positiven wie im negativen Sinn. Nach dem 1:4 beim Bundesliga-Neustart gegen Bayer Leverkusen war die Luft im Abstiegskampf an der Weser schon sehr dünn. Drei Spiele und sieben Punkte später steht die Kohfeldt-Truppe zwar immer noch auf Platz 17, hat das rettende Ufer jetzt aber wieder in unmittelbarer Schlagdistanz. Gelungen ist dies vor allem dank einer kaum für möglich gehaltenen Stabilität in der Defensive.

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59 Gegentore musste der SV Werder Bremen an den ersten 26 Spieltagen hinnehmen und hatte damit die mit fünf Toren Vorsprung schlechteste Bilanz aller Bundesliga-Clubs. Und das, obwohl die Bremer ein Spiel weniger absolviert hatten als die Konkurrenz. Umso erstaunlicher, dass Werder nun drei Mal in Folge zu Null spielen konnte und unter anderem die starke Offensive von Borussia Mönchengladbach praktisch über 90 Minuten fest im Griff hatte.

Drei Partien in Serie ohne Gegentor war den Hanseaten zuletzt vor über sechs Jahren unter Robin Dutt gelungen. Positiver Nebeneffekt: Sowohl der 1. FSV Mainz 05 als auch der SC Paderborn sind mittlerweile bei der Anzahl der Gegentore an Werder vorbeigezogen.

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Kohfeldt versprüht positive Energie

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Dabei hat Florian Kohfeldt am Personal eigentlich nicht viel geändert, aber das Team tritt mit einer neuen Entschlossenheit auf und ist so derzeit nur schwer auszuspielen. Auffällig ist dabei aber nicht nur die Rolle der Spieler auf dem Platz. Immer wieder waren beim 1:0-Erfolg auf Schalke die Anfeuerungen und der Applaus der Ersatzspieler zu hören. Eine Kerze im Mittelfeld? "Gut, weiter", hallt es von der Bremer Bank. Ein verunglückter Pass? "Egal, der nächste sitzt!"

Bei Werder Bremen ist nicht nur Trainer Florian Kohfeldt lautstark an der Außenlinie im Einsatz und das scheint die Elf Akteure auf dem Platz mehr Sicherheit zu geben. Sinnbildlich dafür steht die Entwicklung von Marco Friedl, der sich in kurzer Zeit vom Notnagel zur Stütze auf der linke Abwehrseite entwickelt hat. Noch gegen Leverkusen wirkte der junge Österreicher häufig nicht gefestigt, aber die letzten drei Partien waren vermutlich Friedls stärkste im Bremer Dress. Das sah offensichtlich auch Florian Kohfeldt so, denn obwohl der etatmäßige Linksverteidiger Ludwig Augustinsson sich rechtzeitig vor der Partie im Ruhrgebiet wieder fit meldete, behielt Friedl seinen Platz in der Startelf. Mit seiner Leistung gab er seinem Trainer Recht.

Bittencourt zweimal Siegtorschütze

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Die defensive Stabilität wäre allerdings deutlich weniger Wert, wenn Leonardo Bittencourt nicht zwei Mal ein ganz feines Füßchen bewiesen hätte. Sowohl in Freiburg als auch auf Schalke traf der Offensivspieler äußerst sehenswert zum Sieg. Im Breisgau packte er mit rechts aus 20 Metern den Hammer aus, im Ruhrgebiet wählte er aus ähnlicher Distanz mit links die ganz feine Klinge. Solche Glanzlichter gab aus Bremer Sicht aber noch nicht häufig genug. "Ich glaube, dass wir es spielerisch noch besser machen können", erklärte Bittencourt, "aber die sieben Punkte waren extrem wichtig."

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Schon am Mittwoch bekommen die Bremer die nächste Chance zu mehr spielerischen Highlights. Im Nachholspiel gegen Eintracht Frankfurt soll dabei die zuletzt gezeigte totale Fokussierung erneut zu Punkten führen. "Am Mittwoch haben wir eine große Chance im Nachholspiel. Vor dem Schalke-Spiel haben wir über den Tunnel gesprochen, und da sollten wir tunlichst drin bleiben“, betont Trainer Florian Kohfeldt. Schließlich hat die Eintracht gerade am Wochenende ihre eigene Durststrecke mit einem Sieg in Wolfsburg beendet.

Frankfurt? Erinnerungen an 2016

Mut machen dürfte den Bremern aber auch ein Blick in die jüngere Historie, denn vielleicht das wichtigste Spiel der jüngeren Clubgeschichte fand ebenfalls im Weserstadion gegen Eintracht Frankfurt statt. Am 34. Spieltag der Saison 2015/16 benötigte der SV Werder einen Sieg gegen die Hessen, um die Relegation zu vermeiden. In der 88. Minute grätschte Innenverteidiger Papy Djilobodji den Ball mit letzter Konsequenz aus einem Meter über die Linie und sicherte so den direkten Klassenerhalt, der anschließend auf dem Rasen wie eine Meisterschaft gefeiert wurde.

Mit dabei übrigens Florian Kohfeldt, der damals Co-Trainer von Viktor Skripnik war. Eine rauschende Bremer Feier wird es Mittwochabend unabhängig vom Ausgang der Partie nicht geben. Dafür wäre die Lage selbst nach einem Sieg noch zu kritisch. Aber das Licht am Ende des Tunnels könnte wieder ein Stückchen heller strahlen.