München - Die 51. Bundesliga-Saison endete mit einer rauschenden Meister-Party des FC Bayern München und Abstiegstränen beim 1. FC Nürnberg und Eintracht Braunschweig. Schalke 04 verteidigt den direkten Champions-League-Platz, Robert Lewandowski verabschiedet sich als Torschützenkönig von Borussia Dortmund und beim Dino Hamburger SV brennt noch Licht. Die Highlights des 34. Spieltags.

Pep Guardiola wusste, dass alle Fluchtversuche zwecklos sein würden. Schließlich will die gute alte Tradition fortgeführt werden. Furchtlos stellte er sich daher seiner Premiere und ließ die obligatorische Bierdusche tapfer über sich ergehen. "Es ist kalt, sehr kalt. Es brennt in den Augen. Aber ich freue mich über diese Tradition. Für einen Katalanen ist es etwas Besonderes", meinte er nach der "Gerstensaft-Attacke" durch Jerome Boateng und Javi Martinez. "Wir wollten alle, dass er nass wird und hatten Angst, dass er wegläuft", so Boateng über seine im Nachhinein unbegründete Sorge.

Guardiola lässt die Meisterschale fallen

Zuvor hatte Guardiola erstmals freilich auch Bekanntschaft mit der Meisterschale gemacht, die ihrerseits später kurz eine Begegnung mit dem Rasen der Allianz Arena hatte, als Guardiola das gute Stück im Überschwang der Gefühle fallen ließ (Bilder: Übergabe der Meisterschale). "Sie ist sehr schön, aber auch sehr schwer", so der Meister-Coach nach seinem kleinen Malheur. Eingeleitet hatte die Feierlichkeiten Altmeister Claudio Pizarro, der gegen den VfB Stuttgart in der Nachspielzeit das Tor des Tages erzielt hatte. Mit einem Sieg lässt sich der Erfolg doch umso schöner genießen, findet auch Arjen Robben. "Vor allem für die Fans ist das wichtig. Jetzt muss auch mal richtig gefeiert werden. Wir haben uns das nach einer super Saison verdient, das muss man genießen", sagte der Niederländer kurz bevor sich der Bayern-Tross auf den Weg zum Marienplatz machte (Protokoll der Meister-Sause). "Es ist eine gute Saison, ob es eine sehr gute wird, entscheidet sich am Samstag", richtete Kapitän Philipp Lahm zwischen Schale und Weißbier den Blick bereits auf das Pokalfinale gegen Dortmund. Toni Kroos versprach: "Bis dahin sind wir wieder topfit".

Lewandowski krönt sich zum Tor-König

Dortmunds Lewandowski hat seinem künftigen Teamkollegen Mario Mandzukic einen Titel bereits weggeschnappt und sich durch einen Doppelpack beim 4:0 bei Hertha BSC (Spielbericht) mit 20 Treffern die Torjägerkanone gesichert (Hintergrund: Der polnische Kanonier).  "Es war immer mein Ziel und ich bin sehr stolz. Ich muss mich bei der gesamten Mannschaft bedanken, denn ohne sie hätte ich das nicht geschafft", sagte der Pole, der sich im Berliner Olympiastadion für den Pokal-Showdown in einer Woche schonmal warmgeschossen hat.

Das große Finale im Abstiegskampf endete mit Niederlagen aller Beteiligten und dem daraus resultierenden Abstieg von Braunschweig und Nürnberg. Für die "Cluberer" geht es bereits zum achten Mal runter in Liga zwei - Rekord. Beinahe kampflos ergaben sich die Franken auf Schalke, das durch den 4:1-Sieg (Spielbericht) die direkte Qualifikation zur Champions-League perfekt machte, in ihr Schicksal.

Nilsson: "Sind verdient abgestiegen"

"Wir müssen klar sagen, dass wir verdient abgestiegen sind. Wir haben es einfach nicht hinbekommen", sprach Per Nilsson nach der bitteren Gewissheit im Interview Klartext. Die Aufmunterung der Schalker Fans, die eine enge Freundschaft zum "Club" pflegen, in Form von "der FCN steigt wieder auf"-Gesängen bleibt nur ein schwacher Trost.

Für Braunschweig ist das Abenteuer Bundesliga bereits nach einem Jahr wieder beendet. Beim 1:3 bei 1899 Hoffenheim (Spielbericht) verpassten es die Niedersachsen, sich doch noch auf Platz 16 zu schieben. "Es ist eine enorme Traurigkeit da. Aber wir haben halt zu wenig Punkte geholt", stellte Mirko Boland fest. "Ein großer Dank gilt unseren Fans, die uns dabei helfen, diesen traurigen Tag zu verdauen", meinte Torsten Lieberknecht, der bei dem "Versuch, Braunschweig in der 2. Bundesliga zu etablieren",  die Löwen vor einem Jahr überraschend in die Bundesliga geführt hatte.  

Kerzen brennen für den HSV

"Lachender" Dritter im Tabellenkeller ist der HSV, der sich trotz der 2:3-Niederlage beim 1. FSV Mainz 05 (Spielbericht) in die Relegation gerettet hat. Der Liga-Dino bekommt nun seine zwei Endspiele. Während im Stadion die Bundesliga-Uhr vorerst weitertickt, wird nach der völlig verkorksten Saison zumindest sportlich wieder alles auf null gestellt. Jeder wird wissen, worauf es in der "Verlängerung" ankommt. "In der Relegation sind wir Favorit. Das werden heiße Partien wie im Pokal", sagt Sportchef Oliver Kreuzer. Und Club-Idol Uwe Seeler wird wohl - wie beim Saisonfinale am Samstag -  jeweils wieder eine Kerze für seinen HSV anzünden. Auf das die Bundesliga-Flamme beim Traditionsverein auch nach 51 Jahren nicht erlischt.  

Markus Hoffmann