Sinsheim - Eintracht Braunschweig hat das "Wunder von Hoffenheim" verpasst und muss nach nur einem Jahr Bundesliga den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Am letzten Spieltag verlor die Mannschaft von Torsten Lieberknecht bei 1899 Hoffenheim 1:3 (0:1) - mit einem Erfolg hätten die Niedersachsen angesichts der Niederlagen der Konkurrenten den Relegationsrang 16 erreicht.

Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht bewahrt die Fassung und ist dankbar: "Man muss die ganze Saison sehen, wir sind sicherlich nicht heute abgestiegen. Es gab mehrere Knackpunkte in dieser Saison. Wir sind ein sehr gefestigter Verein und haben mit sehr wenigen Mitteln Großartiges erreicht. Das miterleben zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes. 

Eintracht verpasst Novum

Weil aber Sebastian Rudy (15.), Roberto Firmino (64.) und der ins WM-Aufgebot berufene Kevin Volland (70.) für Hoffenheim trafen und nur Jan Hochscheidt (88.) für Braunschweig erfolgreich war, setzte sich die Bundesliga-Tradition fort: Nie war es einem Team im Oberhaus bislang gelungen, am letzten Spieltag noch vom 18. auf den 16. Tabellenplatz zu springen.

Lieberknecht hatte einen Spieltag prophezeit, "an dem Geschichte geschrieben wird". Beide Mannschaften zunächst aber nur wenig Denkwürdiges. Die Braunschweiger, die im Vergleich zur Last-Minute-Niederlage am vergangenen Samstag gegen Augsburg (0:1) auf zwei Positionen verändert begannen, fanden gegen den sicher stehenden Defensivverbund der Gastgeber kein probates Mittel. Und auch die Hoffenheimer, die ohne ihre Offensivkräfte Anthony Modeste (Rotsperre) und Sven Schipplock (entzündeter Nerv) auskommen mussten, wirkten in der Anfangsphase ideenlos.

Rudy bringt 1899 in Front

Mit der ersten Chance gingen die Kraichgauer dennoch in Führung. Kapitän Andreas Beck hatte den Ball halbhoch in den Strafraum geflankt, Rudy schloss akrobatisch per Kopf ins lange Eck ab. Das Tor verlieh den Kraichgauern jedoch nur bedingt Aufschwung, vor allem dem unter der Woche von Bundestrainer Joachim Löw für den vorläufigen Brasilien-Kader nominierte Volland fehlte jegliche Bindung zum Spiel.

Erst nach einer knappen halben Stunde erhöhten die Gastgeber den Druck - und eröffneten ihrem Gegner dadurch teils aussichtsreiche Konterchancen. Am ehesten hatte dabei Karim Bellarabi (39.) den ersten Braunschweiger Liga-Treffer nach 361 Minuten auf dem Fuß - seinen Schuss von der Strafraumgrenze wehrte Jens Grahl im Hoffenheimer Gehäuse aber ohne größere Probleme ab.

Seitfallzieher-Traumtor von Firmino

Direkt nach Wiederanpfiff blieb ein Aufbäumen der Gäste aus. Ganz im Gegenteil: Hoffenheim erhöhte nochmals die Schlagzahl und drängte auf die Vorentscheidung. Den Schuss von Sejad Salihovic (54. ) klärte Ermin Bicakcic aber wenige Zentimeter vor der Torlinie.

Nach einer weiteren Drangperiode erzielte Firmino das längst überfällige 2:0. Die Flanke von Tobias Strobl veredelte der Mittelfeldspieler selbstverständlich auf die "brasilianische" Art und Weise: Mit einem Volleyschuss aus 15 Metern. Danach feierte auch Volland noch sein Erfolgserlebnis. 

Spieler des Spiels: Roberto Firmino

Roberto Firmino hatte die meisten Torschussbeteiligungen (sieben) und erzielte ein technisch exzellentes Traumtor zum 2:0.