Zusammenfassung

  • Von den 18 Bundesliga-Trainern gewann noch keiner die Deutsche Meisterschaft.

  • Insgesamt gibt es bislang 26 verschiedene Meistertrainer.

  • Wir stellen die heißesten Kandidaten auf die Premiere als Meistercoach vor.

Köln - Mit Jupp Heynckes hat sich zum Ende der vergangenen Saison der letzte noch aktive Meistertrainer aus der Bundesliga verabschiedet. Von den 18 aktuellen Cheftrainern konnte noch keiner die Bundesliga-Meisterschale in die Luft recken. Gleichzeitig bedeutet das auch: Zum Ende dieser Saison wird es auf jeden Fall einen neuen Meistertrainer geben!

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Viele legendäre Trainer hat die Bundesliga seit Gründung 1963/64 erlebt. 26 davon durften seitdem die Meisterschale in die Luft recken - am häufigsten übrigens Udo Lattek: sechsmal mit dem FC Bayern München (1972, 1973, 1974, 1985, 1986, 1987) und zweimal mit Borussia Mönchengladbach (1976, 1977). Ihm folgen Ottmar Hitzfeld mit sieben Titeln, Jupp Heynckes und Hennes Weisweiler mit je vier und Pep Guardiola, Felix Magath sowie Otto Rehhagel, die je dreimal die Schale stemmen durften. Wer nach dieser Saison als 27. Trainer in diesen illustren Kreis aufgenommen wird, lässt sich freilich schwer prognostizieren.

Kovac in der Pole Position

Die besten Chancen dürfte naturgemäß Niko Kovac mit dem FC Bayern haben. Der neue Coach des Rekordmeisters knüpft bislang nahtlos an die Leistungen seiner Vorgänger Heynckes, Ancelotti und Guardiola an. Mit dem Supercup hat er in diesem Jahr schon seinen ersten Titel eingefahren, nach zwei Spieltagen grüßt der FCB zudem wieder von der Tabellenspitze. Als DFB-Pokalsieger 2018 mit Eintracht Frankfurt hatte sich Kovac ohnehin auch vor seinem Engagement bei den Bayern in Frankfurt schon Meriten erarbeitet. Neben Dieter Hecking (2015 mit dem VfL Wolfsburg) und Ralf Rangnick (2011 mit Schalke) ist er damit einer von nur drei aktuellen Bundesliga-Trainern, die mit dem DFB-Pokal schon einen anderen großen Titel in Deutschland gewonnen haben.

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Video: Bayern wagt mit Kovac den Umbruch

Auch wenn Kovac das Wort "Meisterschaft" seit Beginn seines Engagements an der Isar so explizit nie in den Mund genommen hat, weiß er natürlich um die Ansprüche der Bayern. "Ich weiß, wie man hier denkt und wie man hier erfolgreich sein muss. Mein gesamtes Trainerteam und ich sind dementsprechend darauf vorbereitet", sagte er bei seiner Vorstellung in München. Seine 17 Trainerkollegen versuchen, den größten Titel im deutschen Profifußball für gewöhnlich verbal noch klarer zu umschiffen. Einzig Julian Nagelsmann wagte es vor Saisonbeginn erstmals, zumindest ein bisschen in die Offensive zu gehen: "Ich strebe immer nach dem Maximalen und das ist der Meistertitel", sagte der Chefcoach der TSG 1899 Hoffenheim. Später relativierte er jedoch, dass man lediglich "alles probieren" wolle. "Wenn man Dritter geworden ist, was soll man einer Mannschaft denn sonst sagen?", meint Nagelsmann.

Rangnick oder Nagelsmann?

Kaum zu glauben, aber der 31-Jährige ist nicht nur der jüngste Bundesliga-Cheftrainer aller Zeiten, mittlerweile gehört er sogar zu den dienstältesten Coaches. Seit Februar 2016 trainert er 1899, nur Pal Dardai von Hertha BSC (seit Februar 2015) und Freiburgs Christian Streich (seit Dezember 2011) sind noch länger bei ihrem aktuellen Club im Amt als Nagelsmann. Unter ihm holte die TSG in 84 Partien 143 Punkte – nur Bayern und der BVB waren in diesem Zeitraum erfolgreicher. 2016/17 führte Julian Nagelsmann seinen Club erstmals in der Vereinshistorie in den Europapokal, die Saison 2017/18 beendete er mit der erstmaligen Qualifikation für die Champions League sogar noch ein Stück weiter oben. Klar, dass der TSG-Trainer nun an die erste Meisterschaft denkt, auch wenn diese sicherlich einem echten Husarenstreich gleichkommen würde.

"Wenn man Dritter geworden ist, was soll man einer Mannschaft denn sonst sagen?" Julian Nagelsmann (Trainer TSG Hoffenheim)

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In Hoffenheim ist es Nagelsmanns vorerst letzte Chance auf die Meisterschaft, so viel steht jetzt schon fest. Zum Ende der laufenden Saison wird er die Kraichgauer verlassen und ein neues Engagement bei RB Leipzig in Angriff nehmen. Dort beerbt er dann Ralf Rangnick, der in dieser Saison interimsweise neben seinem Job als Sportdirektor ebenfalls das Traineramt der Sachsen übernommen hat. Auch Rangnick, der als Cheftrainer zuvor bereits zweimal den FC Schalke 04 und zudem die TSG 1899 Hoffenheim, Hannover 96 und den VfB Stuttgart in der Bundesliga gecoacht hat, blieb der Gewinn der Deutschen Meisterschaft bislang verwehrt. Mit Hannover (2002), Hoffenheim (2008) und Leipzig (2016) gelang ihm neben seinem DFB-Pokalsieg mit Schalke (2011) allerdings gleich dreimal der Aufstieg in die Bundesliga. Die aktuelle Saison als Erster abzuschließen wäre für den 60-Jährigen sicherlich die Krönung seiner Trainerlaufbahn und der perfekte Abschied aus diesem Amt, bevor er kommendes Jahr den Staffelstab an Nagelsmann weitergibt und in seine alleinige Rolle als Sportdirektor zurückkehrt.

Favre hat Meistererfahrung aus der Schweiz

Neben Kovac, Nagelsmann und Rangnick ist natürlich auch der neue Chefcoach von Borussia Dortmund, Lucien Favre, ein heißer Kandidat auf den Titel des nächsten Meistertrainers. Seit Saisonbeginn hat der Schweizer den Posten des Cheftrainers bei Schwarz-Gelb inne, die ersten beiden Spiele dieser Saison schon mit eingerechnet, kommt er mit der Empfehlung von 103 Siegen in 230 Bundesliga-Spielen als Trainer nach Dortmund. Dies entspricht einer Siegquote von 45 Prozent und kann sich durchaus sehen lassen. Einzig Domenico Tedesco (50%) und Julian Nagelsmann (46%) weisen eine noch bessere Quote auf als der 60-Jährige. Favre kennt sich in der Bundesliga bestens aus, trainierte hier von Sommer 2007 bis Ende September 2009 Hertha BSC. 2008/09 spielte er mit der Hertha sogar lange Zeit um den Titel mit, wurde am Ende Vierter und zog damit ins internationale Geschäft ein. Nach dieser Spielzeit wurde er zum Trainer der Saison gewählt.

Video: Das System Favre - der BVB setzt auf die eigenen Stärken

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Anschließend prägte er viereinhalb Jahre lang überaus erfolgreich eine Ära bei Borussia Mönchengladbach (von Februar 2011 bis September 2015). In Deutschland konnte Favre noch keinen Titel gewinnen. Wie es sich anfühlt, Meister zu werden, kennt er jedoch aus seinem Heimatland. Mit dem FC Zürich wurde er 2006 und 2007 Schweizer Meister. Zudem gewann er 2001 mit Servette Genf und 2005 mit dem FC Zürich den Schweizer Pokal. Zeit also, auch in Deutschland mal eine Trophäe zu holen. Die Meisterschaft gleich in seiner Debütsaison beim BVB? Bei den Fans darf träumen erlaubt sein. Favre selbst und auch die Offiziellen des BVB wiegeln bei dieser Frage aber ab. "Wir haben keine Titelträume, sondern eine realistische Erwartungshaltung. Ein Neustart braucht Geduld – die haben wir!", stapelt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke tief.

Folgt Hecking auf Lattek?

Zumindest in den Dunstkreis der potenziellen Meistertrainer gehören in dieser Saison auch Dieter Hecking von Borussia Mönchengladbach und – trotz des verpatzten Saisonstarts – auch Domenico Tedesco vom FC Schalke 04 und Heiko Herrlich von Bayer Leverkusen – wenigstens sofern beide es schaffen, das Ruder nach den beiden Auftaktniederlagen schnell wieder rumzureißen. Wie bereits erwähnt, hat Tedesco die aktuell höchste Siegquote aller Bundesliga-Trainer, führte Schalke in seiner Premierensaison sofort zur Vizemeisterschaft und weckte bei den Königsblauen so Hoffnungen auf eine erfolgreiche Ära und vielleicht sogar die erste Meisterschaft seit dann über 60 Jahren. Herrlich hingegen gab schon bei seiner Vorstellung unterm Bayer-Kreuz zu Beginn der vergangenen Saison ein klares Statement ab: "Nach oben gibt es keine Grenzen." Worte, an denen er sich wird messen lassen müssen.

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"Nach oben gibt es keine Grenzen" Heiko Herrlich (Trainer Bayer Leverkusen)

Nach Friedhelm Funkel ist Hecking der erfahrenste aktuelle Bundesliga-Trainer (386 Partien) und konnte in seiner Karriere bereits große Erfolge feiern. 2015 holte er mit dem VfL Wolfsburg den DFB-Pokal, wurde Vizemeister, gewann den Supercup und wurde zum Trainer des Jahres gewählt. In Wolfsburg sammelte er auch internationale Erfahrung, unvergessen bleibt zum Beispiel 2016 der 2:0-Erfolg im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den späteren Sieger Real Madrid. Mönchengladbach ist die sechste Station von Hecking als Trainer im Profifußball. Sowohl seine erste Meisterschaft als Trainer als auch die erste Meisterschaft Gladbachs seit 1977 unter Udo Lattek wäre am Saisonende wohl aber eine faustdicke Überraschung.

Dennis-Julian Gottschlich und Tobias Anding (deltatre)

Video: Ovo meets Tedesco - Einblicke in die Halbzeitansprache