Zusammenfassung

  • Lucien Favre ist der Neuanfang bei Borussia Dortmund zunächst geglückt

  • Der Schweizer Trainer sieht allerdings noch viel Arbeit vor dem BVB

  • Spieler wie Verantwortliche loben den akribischen Arbeiter an der Seitenlinie

Dortmund - Vor dem Beginn der neuen Bundesligasaison gab es einige Fragezeichen, wie der geplante Neustart bei Borussia Dortmund tatsächlich gelingen würde. Nach dem 4:1-Sieg über Leipzig und dem Sprung auf Platz eins sind zumindest einige davon verschwunden. Dabei macht der Auftakterfolg bereits deutlich, wie positiv sich die Arbeit von Lucien Favre auswirkt – auf dem Platz, in den Köpfen der Spieler und im Umfeld.

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Viel wurde nach dem Dortmunder Sieg über Axel Witsel, Thomas Delaney und Co. gesprochen, die den BVB dank ihrer Präsenz im Mittelfeld auf Anhieb besser gemacht haben. Sebastian Kehl war es da wichtig, das Ganze richtig einzuordnen. "Natürlich bringt jeder Spieler seine persönliche Qualität und Mentalität mit, dazu haben sie eine gewisse Reife, das konnte man sehen – aber natürlich brauchen sie auch eine taktische Vorgabe, die ihnen der Trainer mitgegeben hat", stellte der neue Leiter der Lizenzspielerabteilung klar.

Video: Dortmunder Neustart mit Favre, Witsel & Co.

4-3-3-Formation beim BVB

Lucien Favre ist der Schlüssel für den Erfolg, das wollte auch Kehl noch einmal betonen. Der neue Coach hat dem Team in der Vorbereitung gleich mehrere Systeme eingeimpft; gegen Leipzig lief die Dortmunder Elf in einer 4-3-3-Formation auf und spiegelte – wenn auch nach erheblichen Anlaufschwierigkeiten – dann doch schon einiges von dem wider, was der Trainer sehen will: taktische Disziplin und Geduld, sicheres Positions- und Passspiel, geordneten Spielaufbau. Wildes Offensivspektakel ohne Absicherung wie unter Peter Bosz oder Sicherheitsfußball a la Peter Stöger gehören der Vergangenheit an.

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"Es gibt viele Sachen zu korrigieren, viele taktische Sachen. Darüber brauchen wir jetzt nicht zu sprechen, das dauert Stunden" Lucien Favre (Borussia Dortmund)

Favre als Korrektiv und Mahner

Dabei fungiert Lucien Favre nicht nur als taktischer Tüftler, sondern auch als Korrektiv und Mahner. Zufriedenheit kennt der akribische Perfektionist kaum und wird so nicht müde, viel Geduld und beständige Arbeit einzufordern. "Es gibt viele Sachen zu korrigieren, viele taktische Sachen. Darüber brauchen wir jetzt nicht zu sprechen, das dauert Stunden", meinte der Schweizer nach der Partie gegen Leipzig vor allem mit Blick auf den Spielbeginn, als der BVB vogelwild agiert und kaum Zugriff gefunden hatte. Und prompt in Rückstand geraten war.

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Ist bei seinem Auftakt als Dortmunds Trainer nicht mit allem zufrieden: BVB-Coach Lucien Favre
Ist bei seinem Auftakt als Dortmunds Trainer nicht mit allem zufrieden: BVB-Coach Lucien Favre © imago / DeFodi

In der Verfassung und mit dem Personal der vergangenen Saison hätte dies auf dem Platz zu einer allgemeinen Verunsicherung geführt, die für die Borussia kaum ein gutes Ende gefunden hätte. Weil Favre der Mannschaft aber einen Plan an die Hand gegeben hat, hat er ihr auch neues Selbstvertrauen und den Glauben an die eigene Stärke zurückgegeben. So konnten die Dortmunder das Spiel drehen und wie schon beim Pokalerfolg in Fürth jede Menge Moral beweisen.

Favre findet die Mittelfeld-Mischung

Zur brutalen Effektivität an diesem Tag - vier Tore aus sieben Chancen – trugen auch die guten Standards bei, unter Favre in den letzten Wochen herausgehobener Bestandteil des Trainings. Außerdem hatte der Trainer für das Mittelfeld mit Axel Witsel und Thomas Delaney sowie Mo Dahoud eine Mischung gefunden, die zusammen vielversprechend agierte.

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Die Neuzugänge sorgten für die Ruhe und körperliche Präsenz, die in der Vorsaison oft gefehlt hatte. "Die Körperlichkeit hat uns ein Stück weit geholfen. Wir waren robust, wir waren in den Kopfballduellen da", analysierte Sebastian Kehl zufrieden. Dahoud sah auch er dazu als ideale Ergänzung: "Mo bringt mit seiner Quirligkeit, Wendigkeit und seinen technischen Fähigkeiten noch einmal Elemente mit, die die anderen beiden nicht haben."

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"Der Plan des Trainers beginnt zu funktionieren, ein paar Rädchen finden ineinander", stellte Kehl am Ende zufrieden fest und betonte auch noch einen weiteren Aspekt, der auf dem Weg zurück zu alter Stärke von großer Bedeutung ist: "Insgesamt ist ein Aufbruch zu spüren, die Fans stehen wieder hinter uns."

Der Plan des Trainers beginnt zu funktionieren. Insgesamt ist ein Aufbruch zu spüren! Sebastian Kehl (Leiter der Lizenzspielerabteilung bei Borussia Dortmund)

Glaube an bessere Zeiten zurückbringen

Den Schulterschluss mit den Fans vollziehen, auf Anhieb wieder den Glauben an bessere Zeiten zurückbringen und im Umfeld Euphorie entfachen – das ist Lucien Favre mit dem ersten Bundesliga-Auftritt in Dortmund tatsächlich gelungen. Die Aufbruchstimmung auf den Tribünen gipfelte nach dem Schlusspfiff gegen Leipzig in der Tabellenführung und Zehntausende skandierten glücklich "Spitzenreiter, Spitzenreiter, hej, hej". Lucien Favre dürfte sich da schon mit der detaillierten Problemanalyse beschäftigt haben.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte