Dominanz und Effizienz im Abschluss: Der BVB war Samstag eine Nummer zu groß für die SGE - © Joosep Martinson / Getty Images
Dominanz und Effizienz im Abschluss: Der BVB war Samstag eine Nummer zu groß für die SGE - © Joosep Martinson / Getty Images
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Match-Facts-Analyse: Wie Borussia Dortmund Eintracht Frankfurt förmlich überrannte

Am 1. Spieltag der Bundesliga hat Borussia Dortmund im ersten Topspiel der Saison einen spektakulären Sieg gegen Eintracht Frankfurt geholt. Vor allem Erling Haaland überragte, auch gegen den Ball. Die Match-Facts-Analyse zeigt, warum der BVB die SGE förmlich überrannte.

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Eintracht Frankfurt hatte gegen Borussia Dortmund einiges gut zu machen: Die Hessen unterlagen in der ersten Runde des DFB-Pokals mit 0:2 beim Drittligisten SV Waldhof Mannheim - und das zum Debüt von Oliver Glasner auf der Bank der SGE. Der BVB gab sich wiederum keine Blöße, siegte im ersten Spiel unter Trainer Marco Rose mit 3:0 bei Wehen Wiesbaden. Alle drei Treffer erzielte der Torgarant Erling Haaland.

Beide Trainer stehen für aggressives und hohes Pressing und schnelles, direktes offensives Umschalten nach Ballgewinn - die RB-Schule, durch die beide Coaches in Salzburg gingen. Warum Rose und sein BVB den eigenen Spielstil besser umsetzen konnten - das zeigt die Analyse der Match-Facts powered bei AWS auf.

Seit Anfang des letzten Jahres kooperieren die DFL Deutsche Fußball Liga und Amazon Web Services unter anderem im Bereich der Datenanalyse. Im Rahmen der Zusammenarbeit wurde die Liveverarbeitung von Daten zu innovativen Statistiken, den Bundesliga Match Facts powered by AWS, intensiviert: "Angriffszonen", "Realformation: Trends" und "Most Pressed Player" sind die neuesten Match Facts, bereits zuvor wurden "Torwahrscheinlichkeit und xGoals", "Realformation" und "Speed Alarm" eingeführt.

Der fleißige Hazard und rechts und schnelle Konter durchs Zentrum mit Haaland prägten das Dortmunder Spiel - Frankfurt hingegen überlud die linke Seite extrem - IMAGO / Revierfoto

Das schnörkellose und wegen der wenig gespielten Kontakte begeisternde Umschalten, das Rose vorschwebt, war am Samstagabend beim BVB schnell und mehr als deutlich zu sehen: Die Treffer zum 1:0 und 2:1 entstanden jeweils nach Hochgeschwindigkeitskontern durchs Zentrum. Beide Male trieb Erling Haaland den Ball mit Tempo durch die Mitte des Spielfeldes und lieferte erst für Marco Reus und dann für Thorgan Hazard den Assist. Beim 3:1 eroberte der 1,94 Meter große Goalgetter einen langen zweiten Ball, den Gregor Kobel sehr präzise auf Reus spielte, zurück und lief Gegenspieler Stefan Ilsanker einfach davon. Das Spielgerät versenkte Haaland dann höchstselbst eiskalt. Speed Alarm: Mit 35,94 km/h wurde der Norweger gemessen - er war mit Abstand der schnellste Mann auf dem Feld und für die SGE schlicht nicht zu verteidigen. Beim 4:1 durch Giovanni Reyna hatte der Norweger seine Füße ebenfalls wieder im Spiel, das 5:1 machte der 21 Jahre alte Norweger dann wieder selber.

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Haaland kommt nun auf 62 Pflichtspiel-Tore in 61 Einsätzen für den BVB - ein Fabelwert. Auch die fünf erzielten Treffer im ersten Saisonspiel der Schwarz-Gelben sind eine Top-Ausbeute: 2,71 Tore hätte Dortmund nach der xGoals-Wertung erzielen können - der BVB agierte also äußerst effizient (2,29 Treffer mehr als eigentlich an Chancen bzw. Abschlüsse erspielt wurden). Die Treffer der Dortmunder fielen in der ersten Halbzeit zwar durchs Zentrum, die Haupt-Angriffszone war aber die rechte Seite mit Hazard: 48 Prozent der Offensivaktionen wurden über diese Seite ausgespielt und nur 21 Prozent durch die beiden Zentrumszonen. Weil die Borussen zur Halbzeit-Pause aber bereits mit zwei Toren führten, kamen sie mit weniger Breite im Spiel zurück auf den Platz, agierten kompakter. Die rechte Zone war mit 37 Prozent zwar immer noch die dominanteste der vier, 37 Prozent der Angriffe erfolgten darüber, aber 45 Prozent liefen in der Offensive fortan durchs Zentrum.

Nach der Pause agierte der BVB kompakter mit Führung im Rücken, Hazard rückte ein und die Borussen griffen vermehrt durchs Zentrum an - IMAGO / Moritz Müller

Vor allem am mehr ins Zentrum gerückten Hazard lässt sich in der Realformation erkennen, dass der BVB im zweiten Durchgang mit weniger Breite agierte. Dadurch machte es Dortmund der SGE schwerer in die gefährliche Zone des Spielfeldes zu kommen: Das Zentrum, dort wo die Tore stehen. Insgesamt nur 18 Prozent der hessischen Angriffe gingen durch die Mitte. Nicht nur der sonst links rauf und runter rennende Filip Kostic kam über diese Seite: Auch Aymen Barkok und Daichi Kamada überluden im ersten Durchgang auf links und sorgten so für keine gute Raumaufteilung in der Hälfte der Borussen. Zur Halbzeit nahm Glasner sowohl Barkok, als auch Kamada vom Feld. Der für den Japaner gekommene Neuzugang Jens Petter-Hauge agierte positionsgetreuer, blieb hauptsächlich auf der rechten Zehnerposition und machte das Eintracht-Spiel so etwas breiter.

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"Nach dem Seitenwechsel haben wir es deutlich besser gemacht. Wir haben umgestellt und waren auch nach vorne gefährlich", sagte Glasner. Weil in der ersten Halbzeit beim BVB sehr viel über rechts ging, war Hazard auch der Most Pressed Player im ersten Durchgang: Der Belgier wurde oft gesucht und war deswegen 23 Mal unter Gegnerdruck. Nach 90 Minuten stellte sich dies ganz anders dar: Der auf der Acht spielende Reyna fand, unabhängig von seinem Treffer zum 4:1,  besser ins Spiel und nahm mehr gestalterischen Einfluss. 41 Mal stand der 18 Jahre alte US-Amerikaner unter Gegnerdruck.

Äußerst auffällig und häufig gesucht in der zweiten Halbzeit: Giovanni Reyna, der dadurch oft unter Gegnerdruck geriet - IMAGO / RHR-Foto

Entscheidend für den überzeugenden Sieg der Borussia war vor allem auch die starke Arbeit gegen den Ball. Einer, der diese Gier nach dem Ballgewinn wie kein zweiter am Samstag verkörperte war Haaland: Der Norweger gewann 22 seiner Zweikämpfe und damit mit Abstand die meisten von allen Akteuren auf dem Feld. 125 Duelle entschied der BVB für sich (57 Prozent), nur 95 konnte die SGE gewinnen. Das starke Pressing und Gegenpressing der Dortmunder Borussia sorgte folgerichtig für viele Ballgewinne und somit viel Ballbesitz: Über die gesamte Partie kam der BVB nie unter den Durchschnittswert von 60 Prozent.

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Extremes Tempo in die Tiefe, die bessere Raumaufteilung - garniert mit Zweikampfstärke, Effizienz im Abschluss und einem überragenden Haaland: "Meine Mannschaft hat vor 25.000 Fans ein gutes Spiel gemacht. Ich freue mich unglaublich", sagte Rose strahlend ins Sky-Mikrofon.

Mit so einer Leistung könnte es schon am bald den ersten Titel der Saison für die Dortmunder geben: "Dienstag können wir uns mit der stärksten Mannschaft Deutschlands messen", blickte Rose schon auf das Duell gegen den FC Bayern München im Supercup (20:30 Uhr) entgegen. Das nächste Spiel der Frankfurter ist am Samstag (15:30 Uhr): Es geht gegen den FC Augsburg, der am ersten Spieltag ebenfalls verlor: mit 0:4 gegen Hoffenheim.