Bottrop - Den Spitznamen verdankte er seinem typischen Watschelgang. Durch seine trickreiche Spielweise, seinen unnachahmlichen Torriecher und seine lockeren Sprüche wurde er in den 70er Jahren zum Publikumsliebling und Bundesliga-Original. Willi "Ente" Lippens erzielte in 242 Bundesligaspielen für Rot-Weiß Essen und Borussia Dortmund 92 Tore. bundesliga.de traf den heute 66-Jährigen, dessen einstiger Dialog mit einem Schiedsrichter heute legendär ist.

"Damals habe ich mich geärgert, weil ich 14 Tage gesperrt wurde. Im Nachhinein war es das Beste, was mir passieren konnte", sagt Willi Lippens in seiner typisch verschmitzten Art.

"Ich verwarne Ihnen"

In einem Regionalliga-Spiel 1965 gegen Herne antwortete er auf die Aussage des Unparteiischen "Herr Lippens, ich verwarne Ihnen" mit den Worten "Herr Schiedsrichter, ich danke Sie", worauf ihn der Mann in schwarz kurzerhand wegen Beleidigung vom Platz stellte.

Ein Vorfall, der nicht nur Lippens' aktive Karriere beeinflusste, sondern auch positive Auswirkungen auf die Zeit danach hatte, denn heute betreibt er in Bottrop mit seiner Familie ein gut laufendes Restaurant mit dem Namen - natürlich - "Ich danke Sie". Hier begrüßt er ab und zu auch alte Weggefährten aus seiner großen Zeit bei Rot-Weiß Essen wie Manfred Burgsmüller oder Dieter Bast.

Auf viel Geld verzichtet

Lippens spielte von 1965 bis 1976 und 1979 bis 1981 für RWE, unterbrochen von Engagements bei Borussia Dortmund und Dallas Tornado. Bis heute ist er mit 434 Ligaeinsätzen und 233 Treffern Rekordspieler und -torschütze für Essen. Trotz vieler Angebote aus dem In- und Ausland blieb er "seinem" Verein lange treu. "Ich hätte früh zu Hertha BSC, Ajax Amsterdam oder Paris wechseln und dort viel mehr Geld verdienen können, aber ich war immer sehr bodenständig und habe daher darauf verzichtet. Der Torschrei der Fans an der Hafenstraße war einfach das Größte."

In Essen war er der "König", wie er sagt. "Wenn ich dort über die Straße gegangen bin, sind 200 Leute hinter mir her gelaufen." Kein Wunder, denn mit seinen scheinbar unerschöpflichen Tricks brachte Lippens seine Gegenspieler ("nur Hermann Gerland konnte mich stoppen") reihenweise zur Verzweiflung. Er machte nie das, was man erwartete. "Was nützt es denn, wenn ich aufs Tor schieße, wenn ich schon vorher weiß, dass der Ball nicht reingehen kann? Da schlage ich lieber noch einen Haken und suche eine Lücke", beschreibt er seine unnachahmliche Spielweise, für die ihn die Fans an der Hafenstraße bis heute verehren. Noch ein bekannter Spruch von ihm: "Ich habe nie eine Torchance überhastet vergeben. Lieber habe ich sie vertändelt".

Kopfballtor im Handstand

Bereits in der Jugend zeigte sich, dass in ihm eine starke Persönlichkeit heranwuchs. "Ich habe mich nie in eine Schablone pressen lassen und bin oft angeeckt", erinnert er sich an die Kindheit in Kleve, wo der Sohn eines Niederländers und einer Deutschen aufgewachsen ist.

Aus dieser stammt auch die von ihm bestätigte Anekdote, dass er in einem Jugendspiel, um endlich einmal ein Kopfballtor zu machen, den Ball im Handstand mit der Stirn über die Linie beförderte.

"Angeborene Körpertäuschungen"

Mit 19 kam er nach Essen und zeigte schnell, dass er die nötige Ernsthaftigkeit besitzt, sich auf professionellem Niveau durchzusetzen. "Aufgrund meines Laufstils war so mache Körpertäuschung sozusagen angeboren. Das habe ich natürlich ausgenutzt", sagt er schmunzelnd.

Allerdings habe er immer Show und Zweckmäßigkeit miteinander verbunden. Tore schoss er wie am Fließband ("vor dem Tor war ich einfach cool") und avancierte Mitte der 70er Jahre neben Gerd Müller zum gefährlichsten Angreifer der Bundesliga.

"Mit mir wäre Holland Weltmeister geworden"

Eine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft blieb ihm indes verwehrt. Bundestrainer Helmut Schön wollte ihn haben, doch Lippens' Vater war dagegen, dass sein Sohn die holländische Staatsbürgerschaft aufgibt.

Da er als "Deutscher" von den Mitspielern der "Elftal" nicht akzeptiert wurde, absolvierte er 1971 lediglich ein Spiel im Oranje-Trikot. "Mit mir wäre 1974 Holland und damit nur ein Deutscher Weltmeister geworden", sagt er noch heute selbstbewusst.

"Einmal noch vor 80.000 spielen"

Dennoch bereue er nichts. "Ich hatte eine tolle Karriere und habe das Erlebnis Bundesliga in vollen Zügen genossen". Wenn er allerdings einen Wunsch frei hätte "wäre ich heute am liebsten nochmal 28 und würde gerne vor 80.000 in Dortmund spielen".

Aktuell erfreut sich Lippens an der spannenden Bundesliga-Saison, fiebert neben seinem früheren Verein BVB aber auch mit Rot-Weiß Essen, das aktuell in der Regionalliga West spielt. Die Entwicklung der Bundesliga sieht er sehr positiv. "Man kann die Zeiten nicht vergleichen. Heute ist alles mehr Business. Durch die tollen Stadien hat die Liga einen großen Boom ausgelöst".

Auch Rot-Weiß Essen steht dem in nichts nach und baut derzeit ein neues Stadion, in dem eine Tribüne nach Willi "Ente" Lippens benannt werden soll. Der 66-Jährige spielt selbst noch einmal pro Woche in der Halle und schaut ansonsten seinen Enkeln beim Kicken zu. Der neunjährige Paul habe sogar etwas von Opas Genen geerbt. "Der Laufstil erinnert doch sehr an mich".

Markus Hoffmann