Serge Gnabry jubelt über sein Traumtor zum 1:0 - © Panoramic / POOL / imago images
Serge Gnabry jubelt über sein Traumtor zum 1:0 - © Panoramic / POOL / imago images
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FC Bayern München im Champions-League-Finale: Rechtsfuß Gnabry macht's mit links

3:0 im Halbfinale der Champions League – was sich vom Ergebnis her wie ein gemütlicher Abendspaziergang durch Lissabon liest, war für den FC Bayern München gegen Olympique Lyon ein hartes Stück Arbeit. Gerade in der Anfangsphase hatte der Rekordmeister Glück, nicht in Rückstand zu geraten. Dann änderte Serge Gnabry mit seinem Geniestreich in der 18. Minute die Statik des Spiels. Der 25-Jährige machte eine bärenstarke Partie und sorgte gemeinsam mit Robert Lewandowski für einen neuen Champions-League-Rekord.

Müller läuft und Gnabry trifft

Bis zu dieser Szene tat sich das Flick-Team schwer, Lücken in der Lyoner Abwehr zu finden. Dann forderte Serge Gnabry Thomas Müller gut hörbar über die Außenmikrofone auf, ins Zentrum zu ziehen. Mit diesem Laufweg band Müller einige Gegenspieler und Gnabry hatte etwas Platz auf Außen. Joshua Kimmich erkannte die Gelegenheit sofort und bereitete den Treffer mit einem eleganten Lupfpass vor.

Die Explosivität, mit der Gnabry den Ball mit einer fließenden Bewegung und in die Mitte zog, sucht weltweit ihresgleichen. Gleich sieben (!) Spieler von Lyon waren in der Nähe, konnten aber den ebenso wuchtigen wie präzisen Linksschuss nicht verhindern. Der Schuss war derart perfekt ausgeführt, dass Raphael Honigstein, der vielleicht bekannteste deutsche Sportjournalist im englischsprachigen Raum,  seine über 500.000 Follower auf Twitter daran erinnerte, dass der Bayern-Star eigentlich Rechtsfuß ist ("Gnabry is right-footed, by the way"). Ein Umstand, der sich aus diesem Tor wahrlich nicht ablesen ließ.

>>> Spielbericht: Bayern nach 3:0 gegen Lyon im Finale

Lewandowski und Gnabry übertrumpfen Ronaldo und Bale

Aber nicht nur in dieser Szene zeigte Gnabry seine bemerkenswerte Entwicklung zu einem der besten Flügelspieler der Welt. Das zweite Tor erzielte er nicht nur selbst, sondern leitete es erst mit einem Ballgewinn und einem starken Pass auf Perisic selbst ein. Nur beim dritten Tor hatte er seine Füße nicht mit im Spiel, denn da hatte er schon Feierabend und saß auf der Bank. Dennoch hatte auch das 3:0 durch Robert Lewandowski Auswirkungen auf Gnabry, denn damit sicherten sie sich schon jetzt den Titel des torgefährlichsten Sturmduos der Champions-League-Historie.

Für Lewandowski war es bereits der 15. Champions-League-Treffer in dieser Saison, Gnabry schraubte sein Konto gegen Lyon auf neun Treffer. Gemeinsam stehen sie somit bei 24 Toren in dieser Saison. Die bisherige Bestmarke hielten Cristiano Ronaldo und Gareth Bale, die 2013/14 23 Tore für Real Madrid erzielten.

Auch der Einzelrekord ist für Lewandowski noch in Reichweite: Ronaldo traf 2013/14 17 Mal. Mit einem Doppelpack im Endspiel könnte der polnische Torjäger also zum Portugiesen aufschließen. Den Titel des Torschützenkönigs hat er ohnehin schon so gut wie sicher, obwohl sein ärgster Verfolger auch noch im Wettbewerb ist. Auf Platz 2 folgt nämlich Teamkollege Gnabry, der allerdings gegen Paris mindestens einen Sechserpack schnüren müsste, um Lewandowski noch einzuholen. In diesem Fall würde der Weltklassestürmer sicher gerne auf seine dritte Torjägerkrone 2019/20 verzichten. Lewandowski war schon in Bundesliga und DFB-Pokal jeweils der erfolgreichste Schütze.

>>> Robert Lewandowski: Dreimal Torschützenkönig

Kimmich will notfalls auch im Sturm ran

Diese persönlichen Bestmarken spielen aber bei den Bayern unter Hansi Flick sowieso eine untergeordnete Rolle, denn der Erfolg der Mannschaft steht über allem. Und der unbedingte Wille, nach 2013 zum zweiten Mal das Triple zu holen, ist allgegenwärtig. Wer nach dem Schlusspfiff gegen Lyon große Jubelarien der Bayern erwartete, sah sich enttäuscht. "Es war weniger eine Feier in der Kabine, sondern mehr schon so, dass der Fokus auf dem Finale liegt", beschrieb Joshua Kimmich die Gefühlslage nach der Partie.

Nach der Einwechslung von Benjamin Pavard rückte der 25-Jährige wieder ins defensive Mittelfeld und nahm damit die Rolle ein, die er über weite Strecken der Saison gespielt hat. Auf die Frage, wo er denn im Finale lieber spielen würde, gab Kimmich zu Protokoll:  "Das ist mir ganz egal – Hauptsache, wir gewinnen. Solange wir am Ende dieses Ding in die Luft strecken, ist mir alles egal – auch wenn ich im Sturm auflaufe." Im Angriff hat Hansi Flick aber dank Robert Lewandowski und Serge Gnabry wirklich keinen Bedarf.