Köln - In Kooperation mit dem FC Bayern München und 1860 München hat das Fanprojekt München, das mit seinen Abteilungen "rot" und "blau" die Fanszenen beider Vereine betreut, das Projekt „In Farben getrennt – in Erinnerung vereint“ ins Leben gerufen. Anhänger beider Clubs werden über die Geschichte des Nationalsozialismus informiert und unternehmen eine Gedenkstättenfahrt nach Ausschwitz. Der Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur (PFiFF) der DFL Deutsche Fußball Liga unterstützt die Münchner Initiative. Im Interview stellen Thomas Emmes vom Fanprojekt "rot" und Christian Exner vom Fanprojekt "blau" das Programm vor, sprechen über eine prägende Gedenkstättenfahrt nach Ausschwitz und erläutern die Pläne für die Zukunft.

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bundesliga.de: Guten Tag Herr Exner, guten Tag Herr Emmes. Sie leisten mit ihrem Projekt „In Farben getrennt – in Erinnerung vereint“ Erinnerungsarbeit mit Fans des FC Bayern und von 1860 München. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Christian Exner: Die Idee schwirrte schon länger in unseren Köpfen herum, weil es in beiden Clubs Fans gibt, die in diesem Bereich sehr engagiert sind. Ein grundsätzliches Interesse war also bereits vorhanden. Der eigentliche Startschuss war dann eine von der DFL organisierte Fahrt nach Ausschwitz. Diese war so eindrucksvoll, dass wir den Wunsch hatten, etwas Ähnliches auch mit beiden Fanszenen in München auf die Beine zu stellen.

bundesliga.de: Erklären Sie doch einmal, wie Sie die Umsetzung von der Idee bis zum Projektbeginn realisiert haben.

Thomas Emmes: Wir haben uns viele Gedanken gemacht, denn die Umsetzung einer Gedenkstättenfahrt muss man sensibel angehen. Wir wollten die Teilnehmer so gut wie möglich vorbereiten. Zunächst haben wir uns überlegt, welche Partner wir dafür mit ins Boot holen. Gemeinsam mit der Initiative "!Nie wieder" der Evangelischen Versöhnungskirche der KZ-Gedenkstätte Dachau und dem Münchner NS-Dokumentationszentrum haben wir dann jeweils zwei Studientage mit beiden Fanszenen geplant.

Video: So lief der Aktionsspieltag "Strich durch Vorurteile

bundesliga.de: Was wurde an diesen Studientagen vermittelt?

Exner: Der erste Studientag wurde vom NS-Dokumentationszentrum durchgeführt und befasste sich vor allem mit der Frage, wie der Nationalsozialismus überhaupt an die Macht kommen konnte. Der zweite Studientag in Dachau beleuchtete neben der Geschichte des Dachauer KZs auch speziell die Historie der beiden Münchner Clubs. Das weckte bei den Teilnehmern ganz besonderes Interesse.

bundesliga.de: War es schwierig, "rot" und "blau" bei den Planungen unter einen Hut zu bekommen?

Emmes: Aufgrund der Rivalität führen wir für beide Fanszenen separate Studientage und Gedenkstättenfahrten durch. Im Fanprojekt sehen wir uns aber als Kollegen, auch wenn der eine für die Bayern und der andere für die Löwen zuständig ist. Wir arbeiten Hand in Hand.

"Es ist auf jeden Fall der Wunsch, dass sich daraus etwas für die Zukunft bildet." Thomas Emmes

bundesliga.de: Die Löwenfans haben bereits Ausschwitz besucht. Wie hat sich die Gruppe zusammengesetzt und wie waren die Reaktionen?

Exner: Grundsätzlich wollten wir das Angebot für alle Fans öffnen, aber mindestens 17 oder 18 Jahre sollten die Teilnehmer schon alt sein. So hat sich eine bunt gemischte Gruppe von 17 Leuten gebildet, die während der Studientage und der Reise richtig zusammengewachsen ist. Der Besuch von Ausschwitz war sehr bewegend und hat die Fans noch weiter zusammengeschweißt. Das Feedback war ausgesprochen positiv.

bundesliga.de: Wie sieht das beim FC Bayern aus?

Emmes: Aus der Bayern-Fanszene haben wir 24 Teilnehmer, mit denen wir auch die Fahrt am 23. März antreten wollen.

>>> zum Artikel über den Besuch in Ausschwitz auf fcbayern.com

bundesliga.de: Das Projekt ist zunächst einmal auf ein Jahr angelegt. Gibt es bereits Pläne für die Zukunft?

Emmes: Es ist auf jeden Fall der Wunsch, dass sich daraus etwas für die Zukunft bildet.

Exner: Ich würde für die blaue Gruppe sagen, dass da bereits etwas entsteht. Wir haben bereits Nachfragen von Fans bekommen, die beim nächsten Mal unbedingt dabei sein wollen. Das nötige Interesse ist also da.

Das Gespräch führte Florian Reinecke

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