Köln - Die Limoflasche dient als Spickzettel. Ein Blick auf den dort aufgeklebten Zettel und schon kann die Konversation losgehen. „Wie geht es dir?“ oder „Wie heißt du?“ – einfache deutsche Redewendungen sind auf dem Glasgefäß zu lesen. Aber das reicht, um die französischen Gäste zum Versuch, deutsch zu reden, zu animieren. Und sorgt auch bei ihren deutschen Altersgenossen für reichlich Spaß.

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Bereits seit mehr als 15 Jahren besteht eine Fanfreundschaft zwischen den Anhängern des 1. FC Kaiserslautern und des französischen Ligue 1 Clubs FC Metz. Um die Verbundenheit noch weiter zu vertiefen, gründete das Fanprojekt Kaiserslautern im Sommer 2016 das Projekt „tribunes sans frontières“. Ziel ist es, Sprachbarrieren zu überwinden und über Grenzen hinweg ins Gespräch zu kommen. Durch „„tribunes sans frontières“ , das durch den „Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur“ (PFiFF) der DFL Deutsche Fußball Liga unterstützt wird, sollen auch Vorurteile abgebaut und so gezielte Antidiskriminierungsarbeit betrieben werden.

Fanszenen von Metz und Kaiserslautern tauschen sich aus

Rund vier Mal jährlich stehen Treffen zwischen den deutschen und französischen Jugendlichen auf dem Programm. So besuchen sich die 14- bis 25-Jährigen, die zum größten Teil in der Ultra-Szene des FCK und des FC Metz aktiv sind, gegenseitig zumeist an Spieltagen, um gemeinsam ihre Mannschaften zu unterstützen. Zum Rahmenprogramm gehörten schon eine Stadtbesichtigung von Metz, ein Besuch auf dem Hambacher Schloss, um dort mehr über die deutsch-französische Geschichte zu erfahren, oder freundschaftliche Grillfeste.

Da in der Vergangenheit aufgrund fehlender Sprachkenntnisse oft Verständigungsprobleme herrschten, hat es sich „„tribunes sans frontières“  auch auf die Fahne geschrieben, die gegenseitige Kommunikation zu fördern. Hierzu wird ein deutsch-französisches Wörterbuch erstellt, in dem vor allem Begriffe aus dem Fußball, wie „Anpfiff“, „Vorbereitungsspiel“ oder „Stadionfest“ aufgegriffen werden.

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„Wir wollen die Leute einladen, sich mit der französischen Sprache und Kultur auseinanderzusetzen“, erklärt Christian Hirsch, der pädagogische Leiter des Fanprojektes. In regelmäßigen Vorbereitungstreffen erarbeiten die deutschen Jugendlichen das Wörterbuch, das zu jedem Besuch um mindestens zehn Begriffe erweitert wird. Nachzulesen sind die Vokabeln im Internet (http://www.fanprojekt-kl.de/tribuene-ohne-grenzen/vokabelliste), zudem soll auch noch ein Flyer gedruckt werden. „Die Jugendlichen sollen merken, dass es sich lohnt, Französisch zu lernen“, sagt Hirsch.

Austausch hat Freundchaften entstehen lassen

Und der Austausch trägt Früchte. Viele der Jugendlichen besuchen sich auch abseits der organisierten Treffen regelmäßig. Schließlich sind Metz und Kaiserslautern nur 140 Kilometer voneinander entfernt. „Es sind echte Freundschaften entstanden“, sagt Hirsch stolz.

So sehen die
So sehen die "Spickflaschen" der jungen Fans aus © Fanprojekt Kaiserslautern

Eingebettet ist „tribunes sans frontières“  in das Projekt „Barrieren überwinden – für eine Tribüne ohne Grenzen“, das das Fanprojekt Kaiserslautern bereits seit 2012 betreibt. Ziele sind die Förderung eines interkulturellen Austausches, die Vermittlung demokratischer Grundwerte sowie der Abbau von Vorurteilen und Feindbildern im Fußball und auf den Tribünen. Unter anderem hat das Fanprojekt 2016 den „Tribüne ohne Grenzen“-Preis ausgerufen, der im vergangenen Jahr bereits zum zweiten Mal verliehen wurde. Mit dem Preis sollen Gruppen und Initiativen unterstützt werden, die sich in der Antidiskriminierungsarbeit engagieren und mit ihrer Arbeit einen Beitrag zum Abbau von Barrieren und Grenzen leisten.

Tobias Schild

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