Köln - Die Arbeit gegen Antisemitismus ist ein wichtiger Bestandteil des sozialpädagogischen Wirkens mit Fußballfans. Wie der Sport als völkerverbindendes Element genutzt werden kann, erlebten 15 Anhänger des 1. FC Köln bei ihrer siebentägigen Reise nach Israel.

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„Das Thema ist bei uns immer präsent“ - mit diesen Worten leitet Nina Brunnenberg, Mitarbeiterin des sozialpädagogischen Fanprojekts in Köln, ihre Arbeit im Kampf gegen Antisemitismus ein. Regelmäßige Aktionswochen in Zusammenarbeit mit Fangruppierungen, Fahrten zu Gedenkstätten wie in Bergen-Belsen oder Dachau sowie Vorträge von renommierten Experten: Mit einem umfangreichen Programm wird versucht, sich dieser Problematik zu nähern und dabei Vorurteile abzubauen. „Wir wollen das Thema aufrechterhalten, wir wollen es in die Köpfe der jungen Fans bringen“, betont Brunnenberg. Den Fußball nutzen, um gesellschaftlich relevante Fragestellungen der Zielgruppe näherzubringen: Ein Konzept, das Früchte trägt.

 Zusammentreffen mit Fans von Beitar Jerusalem

In diesem Kontext ist auch die von PFiFF, dem „Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur“, geförderte Reise nach Israel zu sehen. Mit 15 Teilnehmern, allesamt aus Ultra-Gruppierungen, startete die Kölner Delegation Anfang Oktober 2017 während einer Länderspielpause in Richtung Tel-Aviv und Jerusalem. Neben der kulturellen Erkundung des Landes standen vor allem Begegnungen mit fußballbegeisterten Israelis auf dem Programm: So kam es direkt zu Beginn zu einem Treffen mit Fans von Beitar Jerusalem, mit denen die kölsche Gruppe das Spiel des israelischen Spitzenteams gemeinsam in einer Kneipe verfolgte. Waren die Teilnehmer am Anfang noch etwas zögerlich, mischten sich die FC-Anhänger mit zunehmendem Spielverlauf unter die Beitar-Fans. Fußball als verbindendes Element, das Verständigung ermöglicht: „Es gab viel Austausch untereinander, sie haben zusammengesessen und sich angeregt über vieles unterhalten“, schildert Brunnenberg: „Das war ja auch unser Ziel, Möglichkeiten für Kontakte zu schaffen.“

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Das galt auch für den Gesprächstermin beim israelischen Fußballverband in RamatGan, wo im Vorlauf der Besichtigung des Ramat-Gan-Stadions, das bis 2014 als Nationalstadion Israels diente, knapp zwei Stunden über Themen wie die Arbeit von Fanprojekten gesprochen wurde. Highlights der Reise waren für die engagierten Anhänger aus der Domstadt auch ein Spielbesuch mit den Fans des recht jungen Vereins Beitar Nordia Jerusalem sowie der Vortrag eines Vertreters von Hapoel Katamon, eines fangeführten Zweitligisten. „Zu hören, wie Fans einen eigenen erfolgreichen Verein aus der Taufe gehoben haben und das Ganze mittlerweile funktioniert, hat die Teilnehmer schon mächtig beeindruckt“, erklärt die Sozialpädagogin.

Teilnehmer tief beeindruckt von Land und Leuten

Das galt ebenso für den Besuch des Holocaust-Museums sowie das Zeitzeugengespräch in BeitTerezin, einer Gedenkstätte zum KZ Theresienstadt. Dort fanden in der „Liga Theresienstadt“ Fußballspiele statt, von denen der Zeitzeuge unter anderem eindrücklich erzählte. Für viele der Teilnehmer sei es das erste Zeitzeugengespräch gewesen. „Alle waren mucksmäuschenstill und aufmerksam. Man hat gemerkt, wie sie ins Nachdenken kamen“, so Brunnenberg. Ein beeindruckendes wie bedrückendes Erlebnis, das – geht es nach der Mitarbeiterin des sozialpädagogischen Fanprojekts in Köln – wie die gesamte Reise nachhaltig Wirkung zeigen soll. „Alle waren durchweg begeistert von dem Land und der Kultur, der Herzlichkeit der Menschen dort in Israel“, erklärt sie und unterstreicht: „Viele haben danach berichtet, dass es sicherlich nicht das letzte Mal war, dass sie Israel besucht haben“, sagt Brunnenberg. Diese Vielzahl an Eindrücken, die sich bei dem reichhaltigen Programm der siebentägigen Reise ergeben haben, müssten erst einmal verarbeitet werden. Im obligatorischen Nachtreffen wollen die Teilnehmer ihre Eindrücke noch einmal festigen und auch in einer Broschüre festhalten.

Gebannt lauschen die Teilnehmer den Geschichten eines Zeutzeugen über seine Erlebnisse im KZ Theresienstadt
Gebannt lauschen die Teilnehmer den Geschichten eines Zeutzeugen über seine Erlebnisse im KZ Theresienstadt © Fanprojekt Köln

Doch auch die Kontakte nach Israel sollen nicht abreißen: „Es wäre schön, wenn wir den Kontakt vertiefen könnten. Es ist unser Plan, auch israelische Fans nach Köln einzuladen, um die erlebte Gastfreundschaft erwidern zu können“, skizziert die Sozialpädagogin die nächsten Schritte, um das in Israel Erlebte auch nach Köln bringen zu können. Ein Plan dabei: Regisseurin Maya Zinshtein, die den Teilnehmern ihren Film „Forever Pure“ (handelt von den Konflikten um die Beitar-Ultragruppe „La Familia“), vorführte, soll für eine Vortragsreise nach Deutschland kommen, um ihr Werk auch hierzulande vorzustellen. Doch auch vor Ort bleibt das Thema Antisemitismus weiterhin präsent für die Arbeit des sozialpädagogischen Fanprojekts in Köln: Ein Besuch des Anne-Frank-Hauses in Amsterdam ist ebenso in Planung wie eine Reise nach Auschwitz – auch die Aktionswoche gegen Antisemitismus im Oktober steht wieder ins Haus. Die Erlebnisse auf der siebentägigen Reise nach Israel könnten dabei eine gewichtige Rolle spielen.

Thomas Reinscheid

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