Dortmunds Derbysieger jubeln vor der "Grauen Wand" - © BVB/A.Simoes.
Dortmunds Derbysieger jubeln vor der "Grauen Wand" - © BVB/A.Simoes.
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Gelber Jubel vor ungewohnter Kulisse - Borussia Dortmund feiert Derbysieg gegen den FC Schalke

Das Revierderby fand unter ungewöhnlichen Umständen und endete mit dem höchsten Dortmunder Sieg seit über einem halben Jahrhundert. Dementsprechend ausgelassen jubelten die Spieler des BVB vor der leeren Südtribüne.

Der Derby-Jubel vor dem Heiligtum der BVB-Fans war das perfekte Schaubild eines historischen Spieltags. Wo sich sonst 25.000 Fans auf dem Monument der Fußball-Stimmung vor Ekstase überschlagen hätten, mit fliegenden Bierbechern und Triumphgeschrei, da reihten sich Mats Hummels und Erling Haaland, Raphael Guerreiro und Roman Bürki ganz brav mit Hygiene-Abstand auf - dann warfen sie gemeinsam die Arme in die Luft - eine angemessene, gefühlvolle Geste gegenüber ihren Anhängern.

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"Es war eine spontane Aktion, da wird man erfinderisch", berichtete der überragende BVB-Nationalspieler Julian Brandt nach dem 4:0 (2:0) gegen Schalke 04, dem höchsten Dortmunder Derbysieg seit 1966: "Ich selbst hatte nicht mehr die Kraft, noch zu unserer Südtribüne zu gehen."

Fußballerisch nüchtern betrachtet hatte die Borussia ihren Erzrivalen wie nie in den vergangenen 54 Jahren aus dem Stadion gefegt und ihre Ambitionen auf den Meistertitel unterstrichen. "4:0 gegen Schalke - das ist schon ganz okay", sagte der quietschvergnügte Lucien Favre.

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Auf dem Weg zum Fernsehinterview jonglierte der BVB-Trainer lachend eine Wasserflasche in der Hand, das Ende der Hotel-Quarantäne war gekommen: "Ich freue mich sehr", sagte er, selbstverständlich über das Ergebnis, ja. Besonders aber auf seine Ehefrau Chantal.

"Wir wussten, dass es eigentlich nichts anderes ist als das Spiel, das wir als Kinder gespielt haben", berichtete Torhüter Bürki: "Das Resultat macht nun auch die Zuschauer vor dem Fernseher glücklich." Viele von ihnen prosteten sich in halbvollen Kneipen, in denen die Bilder der 66er-Ikonen wie Aki Schmidt und Hoppy Kurrat an den Wänden hängen, aus der Ferne zu.

Julian Brandt überragt im Derby mit zwei Assists und einem vorletzten Pass - getty images

Die Schalker verließen das Stadion und die Gelsenkirchener Pilsstuben mit hängenden Köpfen. Das Vorhaben, den BVB wie im Vorjahr aus dem Titelrennen zu kegeln, schlug auf drastische Weise fehl. Mit dem wunderbaren Dortmunder Blitzfußball nach Balleroberung waren die spielerisch unterlegenen und ängstlichen Königsblauen heillos überfordert. Sie wurden überrollt.

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Und das vor den Augen der Fußball-Welt: Frankreichs Weltmeister Kylian Mbappe und Zlatan Ibrahimovic schauten zu, Englands Fußball-Ikone Gary Lineker entdeckte bei Twitter wie Lukas Podolski sogar den Uralt-Gag von "Schalke 0:4" für sich.

"Ich glaube, dass die Spieler sehr beeindruckt waren", vermutete Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, der sich "ein bisschen geprügelt" fühlte. Warum, wo es doch diesmal keine 80.000 brüllenden Zuschauer gab, das wusste er selbst nicht so genau: "Die haben nicht so frei aufgespielt wie normal. Das ist das Derby, da muss man kämpfen! Das hat gefehlt."

Lucien Favre feiert seinen zweiten Derbysieg als BVB-Trainer, den ersten im eigenen Stadion - MARTIN MEISSNER/POOL/AFP via Getty Images

Der BVB brauchte keinen großen Kampf. Seine spielerische Überlegenheit schien sich ohne Zuschauer noch deutlicher zu zeigen. Erling Haaland (29.), zweimal Raphael Guerreiro (45. und 63.) und Thorgan Hazard (48.) trafen mit den vor Spielbeginn desinfizierten Bällen.

Favre fand alles "sehr, sehr komisch", war jedoch glücklich darüber, dass der Rechtsverteidiger endlich mal in Ruhe mit dem Linksverteidiger kommunizieren konnte: Seine taktischen Anweisungen waren somit womöglich präziser umzusetzen. Den Fußball schien Favre sehr vermisst zu haben - noch eine halbe Stunde nach Abpfiff leitete er mit Mund-Nasen-Schutz engagiert das Kreis-Spielchen der Reservisten.