
Das Rhein-Main-Derby – mit dem 1. FSV Mainz 05 als Favorit?
Der 1. FSV Mainz 05 ist eines von sechs Teams, das in dieser Bundesliga-Saison noch ungeschlagen ist. Die Nullfünfer haben sich seit der Übernahme von Trainer Urs Fischer immer besser eingespielt und am 2. Spieltag gegen den HSV ein Offensiv-Feuerwerk abgebrannt. Sind die Rheinhessen jetzt der Favorit im Rhein-Main-Derby mit Eintracht Frankfurt?
"Die Tretertruppe hat gezaubert!", schrieb Nadiem Amiri am Sonntag, nachdem sein 1. FSV Mainz 05 beim Hamburger SV gewonnen hatte. Ein Instagram-Post, der zahlreichen Teamkollegen Amiris ein Like und auch Kommentare wert war. Silvan Widmer, Sheraldo Becker oder auch Kacper Potulski feierten den Post fast so sehr, wie nach Abpfiff im Hamburger Volkspark den ersten Dreier der neuen Saison.
Der Hintergrund: In der Rückrunde trennten sich die Mainzer und der HSV mit 1:1, in einer intensiv geführten Partie, nach der Miro Muheim die Nullfünfer den Medien gegenüber als "Tretertruppe" bezeichnete.
Die Retourkutsche war Amiri jedoch nicht nur auf Instagram gelungen, sondern bereits zuvor auf dem Feld: Mit 5:0 waren die Rheinhessen über die Rothosen hinweg gefegt.

"Wenn wir so auftreten, können wir viele Spiele gewinnen!"
"Das war ein Auswärtssieg, wie man sich ihn wünscht", sagte Stefan Posch nach dem 5:0. "Wir haben kaltschnäuzig agiert, viel vertikal gespielt, nicht zu viel nach links oder rechts geschaut." Und damit bewiesen: Diese Mainzer sind unter Fischer nicht nur defensiv stark, aggressiv gegen den Ball und deswegen unangenehm zu händeln – sie sind auch durchaus spielstark und zielstrebig in der Offensive.
Beim 5:0 trafen alle Stürmer der Rheinhessen: Phillip Tietz netzte doppelt, zudem steuerten Becker und Ransford-Yeboah Königsdörffer je ein Tor zum Kantersieg bei. Die Brust ist bei den Mainzern richtig breit, die Nullfünfer strotzen vor Selbstvertrauen: "Wenn wir jede Woche so gut vorbereitet sind und so auftreten, können wir viele Spiele gewinnen", war sich Becker nach der Gala in Hamburg sicher.
"Wir haben fast alles richtig gemacht. Jetzt feiern wir ein bisschen und bereiten uns ab Mittwoch auf Frankfurt vor", gab Man of the Match Tietz nach dem 5:0 die Richtung vor.

Hütter: "In der Form geht das nicht"
Die Rheinhessen werden am Samstag auf eine Frankfurter Eintracht treffen, die ein wenig von der richtigen Richtung abgekommen zu sein scheint: Die ersten 70 Minuten der Saison bot die SGE eine starke Offensiv-Vorstellung und führte dank Dreierpacker Younes Ebnoutalib zwischenzeitlich mit 3:1 bei Union Berlin.
Doch dann verloren die Hessen in der Defensive den Faden: Die Zwei-Tore-Führung wurde verspielt, am Ende wurde es ein Punkt in der Hauptstadt. Und auch am 2. Spieltag wurde eine Führung verspielt: Jonathan Burkardt brachte Frankfurt schon nach sechs Minuten in Front, mit 1:0 ging es für die deutlich überlegene Eintracht in die Pause.
Um danach von furiosen Augsburgern vier Gegentreffer im zweiten Durchgang zu kassieren und mit 1:4 unterzugehen. "Diese zweite Halbzeit – in der Form geht das nicht. Vier Gegentore in einer Halbzeit, so etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte ein konsternierter Adi Hütter nach der Partie.

"Victory tastes good!"
Nach zwei Spieltagen hat Eintracht Frankfurt nun schon sieben Gegentreffer. In der vergangenen Saison mussten die Hessen 65 Gegentore hinnehmen – nur die Absteiger Wolfsburg und Heidenheim hatten mehr. "Grundsätzlich mache ich mir jetzt noch keine Sorgen", sagte SGE-Coach Hütter. "Wir müssen aber anfangen, zu gewinnen. Wir müssen stabiler werden." Ein gewisser Druck ist bei den noch sieglosen Hessen also da.
Und jetzt kommt es auch noch zum Rhein-Main-Derby mit den äußerst stabil auftretenden Mainzern, die als einziges Team der Bundesliga noch keinen einzigen Gegentreffer kassiert haben. Die Mainzer können durchaus als Favorit beim anstehenden Derby gesehen werden. Die Bundesliga-Bilanz zwischen Mainz und Frankfurt ist allerdings komplett ausgeglichen: Es gab elf Siege für die Nullfünfer, elf für die SGE sowie 14 Unentschieden.
Das letzte Duell entschieden die Mainzer mit 2:1 für sich, Paul Nebel war mit einem Doppelpack der Matchwinner. Einen süffisanten Instagram-Post gab es danach nicht von Amiri, denn er stand im März verletzungsbedingt nicht im Kader der Mainzer. Beim letzten Derbysieg, den Amiri auf dem Platz erlebte, postete er im Dezember 2024 die Caption: "Victory tastes good!" Ein Sieg, der ihm gut geschmeckt hat – und natürlich einige Likes und Kommentare seiner Mitspieler nach sich zog.