Heidenheim - Zugegeben, es war ein Elfmeter, aber dass er weiß, wo das Tor steht, bewies Marc Schnatterer in seinem ersten Spiel für den 1. FC Heidenheim schon nach 32 Minuten. Am 16. August 2008 war das. Regionalliga Süd. Der Gegner: SC Pfullendorf. Sechs Jahre sind seither vergangen, Schnatterer schießt immer noch seine Tore für Heidenheim, nur eben zwei Spielklassen höher, in der 2. Bundesliga.

Beim Aufsteiger ist Schnatterer die Führungs- und Identifikationsfigur schlechthin. Gemeinsam mit Trainer Frank Schmidt ist er das unbestrittene Aushängeschild des Vereins. Der 28-Jährige unterschrieb Ende September einen Vertrag, der ihn buchstäblich ins Fußball-Rentenalter begleitet – bis 2020! "Wir haben in den vergangenen Jahren mit diesem Verein schon Großartiges erreicht. Dennoch bin ich überzeugt, dass unser Weg noch nicht zu Ende ist", erklärte Schnatterer damals.

Gescheitert und zurückgekommen

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Seine eigene Karriere schien derweil schon zweimal in einer Sackgasse zu enden. Zunächst als Nachwuchsspieler beim VfB Stuttgart, wo er nach der D-Jugend nicht mehr den Anschluss schaffte und stattdessen zu seinem Heimatverein TSV Bönnigheim zurückging. Von dort gelang ihm über den SGV Freiburg der Schritt zur Reserve des Karlsruher SC. Doch auch bei den Badenern gelang ihm der erhoffte Durchbruch nicht. Schnatterer war dem KSC zu schmächtig, konnte seine Stärken nicht ausspielen, weil er meist im defensiven Mittelfeld aufgeboten wurde. Der Traum vom Profifußball schien geplatzt.

Doch dann kam Heidenheim. Zur Saison 2008/09 wechselte Schnatterer zum Club von der Schwäbischen Ostalb. Trotz seines Treffers beim Debüt lief es anfangs durchwachsen, aber Schnatterer bekam das Vertrauen der Verantwortlichen, blühte auf und schaffte mit Heidenheim den Aufstieg in die 3. Liga. Auch in dieser Spielklasse behauptete er sich und wurde zur prägenden Figur des Vereins, den er mit seinen Toren schließlich im letzten Sommer in die 2. Bundesliga schoss.

"Ich weiß, wo ich hingehöre"

Auch dort ist er der Ausnahmekönner in einem starken Mannschaftsgefüge. Schnatterer kam in allen zwölf Partien zum Einsatz und war an zwölf von 21 Treffern der Heidenheimer beteiligt (sechs Tore, sechs Vorlagen). Immer wieder sucht der technisch starke Offensivspieler Mann-gegen-Mann-Situationen. 33 von 52 Dribblings entschied er dabei für sich.

Inzwischen haben auch namhaftere Clubs als der 1. FC Heidenheim festgestellt, dass es da in der Nähe von Ulm einen trickreichen, laufstarken und torgefährlichen Mittelfeldspieler gibt. Zu spät, denn Schnatterer hat sein Glück endlich gefunden und will das nicht mehr missen. "Es gab in der Vergangenheit natürlich verschiedene Möglichkeiten für mich, aber ich weiß, wo ich herkomme und hingehöre. Das ist ganz klar der FCH", ließ er wissen. Die Fans in Heidenheim dürfen sich also noch auf viele Tore ihres Lieblings freuen - mindestens bis 2020.

Stefan Schinken