Simon Terodde und Bakary Jatta könnten beim Zweitliga-Auftakt den Unterschied ausmachen - © DFL Deutsche Fußball Liga
Simon Terodde und Bakary Jatta könnten beim Zweitliga-Auftakt den Unterschied ausmachen - © DFL Deutsche Fußball Liga
2. Bundesliga

Kracher zum Saisonstart der 2. Bundesliga: Der FC Schalke 04 empfängt den Hamburger SV

Direkt am 1. Spieltag kommt es zu einem absoluten Highlight in der 2. Bundesliga: Der FC Schalke 04 empfängt am Freitagabend zum Saisonauftakt den Hamburger SV. Beide Clubs zählen zu den Aufstiegs-Favoriten. bundesliga.de schaut auf das Top-Spiel voraus.

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In der vergangenen Saison stieg der FC Schalke 04 zum vierten Mal nach 1981, 1983 und 1988 in die 2. Bundesliga ab. 1991 stieg S04 das letzte Mal in die Bundesliga auf und hielt sich dort 30 Jahre. 2021/22 peilen die „Knappen“ den direkten Wiederaufstieg an. Dass diese Mission nicht ganz einfach wird, weiß der Gegner im Auftaktspiel nur zu gut: Der Hamburger SV versucht seit dem Abstieg 2018 in die Bundesliga zurückzukehren - drei Mal wurden die Hanseaten allerdings Vierter und verpassten somit den Aufstieg jeweils nur knapp.

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Was beide Teams gemein haben: einen (neuerlichen) Umbruch ob der verpassten Saisonziele der vergangenen Saison. Zehn externe Spieler hat Schalke bislang verpflichtet, deren sechs der HSV. Zudem verließen gleich 19 Spieler Königsblau, die Rothosen haben derzeit sieben Abgänge zu verzeichnen. Einer dieser Spieler, der die Hanseaten im Sommer verlassen hat, ist ein Hoffnungsträger der Gelsenkirchener: Simon Terodde. Der 33 Jahre alte Stürmer ist die personifizierte Tor-Garantie in der 2. Bundesliga, erzielte dort bereits 142 Treffer. Drei Mal wurde der Sturmtank Torschützenkönig der 2. Bundesliga, sowohl der VfB Stuttgart (2017, 25 Terodde-Tore), als auch der 1. FC Köln (2019, 29 Terodde-Treffer) schafften es dank dem Neuner zurück in die Bundesliga.

Das frühe Wiedersehen

In der vergangenen Saison netzte Terodde 24 Mal für den HSV ein - Torschützenkönig wurde aber Serdar Dursun (Darmstadt, 27 Treffer). Nun trifft der 1,92 Meter große Stürmer direkt am 1. Spieltag auf seinen Ex-Club. Und ist schon wieder in Torlaune: In den ersten beiden Testspielen der Schalker gegen unterklassige Gegner traf Terodde jeweils dreifach. Beim 3:2-Erfolg gegen Vitesse Arnhem aus der niederländischen Eredivisie steuerte der Goalgetter zwei weitere Tore zum Schalker Erfolg bei der Generalprobe vor dem Saisonstart bei. In diesem Testspiel agierten die Gelsenkirchener im vom Trainer Dimitrios Grammozis favorisierten 3-5-2.

Terodde im Sturm sowie Danny Latza und Victor Palsson im Mittelfeld bilden zusammen mit Abwehrspieler Malick Thiaw und Keeper Ralf Fährmann (fehlt gegen den HSV wegen eines positiven Coronatests) den Mannschaftsrat, eine erfahrene Achse bei S04. Zudem verpflichtete S04 auch noch Dominick Drexler vom 1. FC Köln, der dort zusammen mit Terodde 2019 aufstieg. Gepaart mit jungen Eigengewächsen aus der zurecht hochgelobten Knappenschmiede, aus der Größen wie die Weltmeister Mesut Özil, Manuel Neuer, Benedikt Höwedes und Julian Draxler oder auch Leroy Sane vom FC Bayern hervorgingen, soll die Mission direkter Wiederaufstieg gelingen. "Wir wollen natürlich dominant spielen, gerne selbst den Ball haben und versuchen, viele Torchancen zu kreieren. Darauf liegt unser Hauptaugenmerk", gibt Grammozis den Ton an.

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Bei den Schalkern werden die Außenbahnspieler nicht nur gegen den HSV, sondern die gesamte Saison über, eine gewichtige Rolle spielen: Sie sollen Terodde und den physisch starken und schnellen Stürmer Marius Bülter füttern. Thomas Ouwejan (links) sowie Reinhold Ranftl (rechts) sollen und werden die beiden Angreifer immer wieder mit Flanken suchen. "Ich glaube, ich habe in der vergangenen Saison in Österreich die meisten Flanken geschlagen", sagt Ranftl, der vom Linzer ASK kam. Der Österreicher möchte Terodde helfen "vielleicht wieder Torschützenkönig" zu werden. "Ich hoffe auf einige Assists. Simon steht meistens dort, wo ein Stürmer stehen muss." Netzt Schalkes neuer Neuner 13 Mal ein, stellt er einen neuen Torrekord in der 2. Bundesliga auf und überholt Dieter Schatzschneider, der auf 154 Treffer in der 2. Bundesliga kam.

Wieder vereint auf Schalke: Dominick Drexler und Simon Terodde - Fotostand / Wundrig via www.imago-images.de/imago images/Fotostand

Viertes Jahr, vierter Trainer: Im Purzelbaum nach oben?

Dem neuen, starken Flügelspiel der Schalker wird der HSV wohl vermehrt durch Angriffe übers Zentrum antworten: Tim Walter, der neue Trainer der Rothosen setzt vermehrt auf Ballbesitz und das Spiel durch die Mitte. Unter dem 45-Jährigen, der seit dem Abstieg der Hanseaten vor vier Jahren nach Hannes Wolf, Dieter Hecking und Daniel Thioune als vierter Trainer in die vierte HSV-Saison in der 2. Bundesliga startet, agierte der Mitfavorit auf den Aufstieg in der Vorbereitung oft im 4-3-3 oder 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld.

Mit Jonas Meffert, den Walter bereits bei Holstein Kiel trainierte, und Ludovit Reis setzt Walter auf zwei technisch starke und ballsichere Spieler im Zentrum. Der aktuell noch angeschlagene Sonny Kittel sowie David Kinsombi (spielte ebenfalls unter Walter in Kiel) und Jeremy Dudziak kämpfen als ebenfalls passsichere Zentrums-Akteure um die restlichen Plätze im Mittelfeld. Auch der neue Kapitän Sebastian Schonlau steht für spielerische Lösungen im Aufbau.

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Teroddes Abgang zu Schalke soll durch mehrere Spieler geschultert werden: Zum einen durch Robert Glatzel, der dank seiner spielerischen und physischen Voraussetzungen (1,93 Meter Körpergröße) ein starker Wandstürmer sein kann. Neben Glatzel, der von Cardiff City verpflichtet wurde und in der Rückrunde zwei Treffer und einen Assist zum sensationellen Klassenverbleib des 1. FSV Mainz 05 in der Bundesliga beisteuerte, könnten entweder Manuel Wintzheimer, oder der schnelle Bakery Jatta zum Zuge kommen - im 4-3-3 gar beide. Vor allem Jatta, eigentlich Rechtsaußen, überzeugte in der Vorbereitung als zweite Spitze: "Baka hat richtig viele tiefe Läufe gemacht und das umgesetzt, was wir immer wieder eingefordert haben", lobte Coach Walter seinen Schützling in einer Medienrunde.

Um den Spielern des HSV - unabhängig von der Formation oder Aufstellung - mehr Sieger-Mentalität einzuimpfen, gibt es unter Walter immer wieder kleine Strafen für die Verlierer bei Trainingsspielchen. Beinahe jeden Tag kommt es zu Purzelbäumen, Huckepacktragen oder zum "Arschschießen" wie in der Kreisklasse. "Diese Maßnahmen sind sind für die Siegermentalität zuträglich, denn ich kann sagen: Seine Strafen nerven schon", gesteht Jonas Meffert.

Fördern und Fordern: Tim Walter coacht Ludovit Reis und Bakery Jatta - Oliver Ruhnke via www.imago-images.de/imago images/Oliver Ruhnke

"Wir wollen eine neue Identität auf den Platz bringen: mehr Intensität und Mut. Meine Spieler sollen wieder zum Spaß zurückfinden", sagt Walter vor dem Spiel auf Schalke. Der Coach verspüre eine große Vorfreude bei seinen Mannen und auch sich selbst. "Wir wissen was auf Schalke auf uns zukommen wird und wovor wir gewappnet sein müssen." Wieder vor Zuschauern spielen zu können sei "ein schönes Gefühl." Durch die hochkarätig besetzte 2. Bundesliga soll Druck von Walter und seinem Team abfallen: "Wenn man aufs Papier schaut, sind die Schalker und Bremen die Aufstiegs-Favoriten. Die Schalker verfügen über eine enorme Physis, viel Körpergröße und strahlen bei Standards viel Gefahr aus." Davor habe man laut Walter "Respekt - aber definitiv keine Angst."

Egal wie das Topspiel am Freitagabend endet, für beide Mannschaften geht es direkt anspruchsvoll weiter: Am 2. Spieltag muss Schalke zu Holstein Kiel, das in der vergangenen Saison Dritter wurde und in der Relegation an Köln scheiterte. Danach geht es für Königsblau gegen Erzgebirge Aue weiter. Die Rothosen haben am 2. Spieltag den Aufsteiger Dynamo Dresden zu Gast und am 3. Spieltag steht das nächste große Highlight an: das Hamburger Stadtderby gegen den FC St. Pauli.

In dieser Saison geht es in der 2. Bundesliga, die vor großen Traditions-Clubs nur so strotzt, Schlag auf Schlag. Schalke gegen den HSV wird ein würdiger Auftakt werden.