Sicherer Rückhalt beim 1. FC Köln: Timo Horn - © © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA
Sicherer Rückhalt beim 1. FC Köln: Timo Horn - © © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA
2. Bundesliga

Timo Horn vom 1. FC Köln im Interview: "Ich hänge extrem am FC"

Köln - Der 1. FC Köln liegt auf Kurs direkter Wiederaufstieg. Ganz zufrieden aber ist man in der Domstadt dennoch nicht, denn im heimischen Rhein-Energie-Stadion tun sich die Kölner noch schwer. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Torwart Timo Horn über den besonderen Druck in den Heimspielen, über die offensive Ausrichtung der Mannschaft und die Auswirkung auf sein Torwart-Spiel und über seine Entscheidung, mit dem Verbleib beim FC eigene Ambitionen zunächst zurückzustellen.

bundesliga.de: Herr Horn, nach neun Spieltagen ist der FC Tabellenführer und damit im Plan in Sachen direkter Wiederaufstieg. Und doch ist man wohl nicht rundum zufrieden...

Timo Horn: Nein. Nach dem letzten Spiel sicher nicht, die Niederlage gegen Duisburg kam doch sehr unerwartet. Nach der englischen Woche mit der optimalen Ausbeute von neun Punkten hat wohl jeder damit gerechnet, dass wir auch den MSV schlagen. Wenn man aber einen Tag erwischt, an dem einem die Dinge, die sonst selbstverständlich sind, nicht so leicht von der Hand gehen, kann man ein solches Spiel auch mal verlieren. Andererseits ist nicht allzu viel passiert, wir sind weiterhin Tabellenführer. Trotzdem sind wir uns darüber im Klaren, dass wir mit solchen Leistungen nicht dauerhaft oben bestehen.

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bundesliga.de: Auswärts hat der FC keinen einzigen Punkt abgegeben, zuhause von 15 möglichen Punkten aber nur sieben geholt. Warum tut man sich im Rhein-Energie-Stadion so schwer?

Horn: Die Mannschaften, die hierherkommen, versuchen in erster Linie defensiv gut zu stehen, um dann vielleicht über einen Konter zum Erfolg zu kommen. Wir selbst machen uns vielleicht noch zu großen Druck, weil jeder erwartet, dass wir ein Spiel, wie gegen Duisburg, klar dominieren und auch mal 3:0 gewinnen. Damit zurechtzukommen, das ist wahrscheinlich die größte Herausforderung. Eher eine Kopfsache also und weniger eine Frage der Taktik. Es muss einfach in unsere Köpfe, dass wir zu Hause kontrollierter auftreten, und dieses Selbstverständnis müssen wir uns in den kommenden Heimspielen erarbeiten.

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"Wenn wir die Abläufe optimieren, werden wir unser Ziel, den direkten Wiederaufstieg, ganz sicher erreichen." Timo Horn

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bundesliga.de: Wie schwierig war es zu Beginn, die Vorstellungen von Markus Anfang umzusetzen?

Horn: Zu Beginn, in der Vorbereitung, ist uns das nicht leichtgefallen. Viele Dinge, die Markus Anfang sehen möchte, sind völlig konträr zu dem, was unsere vorherigen Trainer wollten. Unser Spiel war bisher eher auf Risikovermeidung ausgelegt, vorne mit einem großen Stürmer, der in der Lage war, die langen Bälle festzumachen und abzulegen. Im Laufe der Vorbereitung haben sich die Automatismen allmählich eingestellt, das konnte man von Testspiel zu Testspiel gut an den Ergebnissen ablesen. Und wenn wir die Abläufe jetzt weiter optimieren, werden wir unser Ziel, den direkten Wiederaufstieg, ganz sicher erreichen.

Mein Herz hat mir relativ früh gesagt: 'Du musst das jetzt durchziehen, egal, ob das im ersten Moment ein sportlicher Rückschritt sein mag'" Timo Horn

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bundesliga.de: "Noch mal angreifen": Damit meinen Sie Ihre eigenen Ambitionen in Sachen Nationalmannschaft, die Sie mit der Entscheidung, mit dem FC in die 2. Bundesliga zu gehen, zunächst hinten angestellt haben...

Horn: Ich bin dann 26 und im besten Torwartalter. Es gibt bei uns in Deutschland viele gute Torhüter, aber nur wenige, die über eine komplette Saison hinweg nur zwei, drei Fehler in ihrem Spiel haben. Fehlervermeidung ist nun mal das oberste Ziel als Torwart, wenn man patzt, ist der Ball meist im Tor. Es ist entscheidend, mental auf den Punkt genau da zu sein. Ich denke, das ist eine Stärke von mir.

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bundesliga.de: Wie schwer mussten Sie für diese Entscheidungsfindung mit sich selbst ringen?

Horn: Das war ein Prozess. Irgendwann im Laufe der vergangenen Rückrunde war ja abzusehen, dass es wohl in die 2. Bundesliga gehen wird. Ich habe dann versucht, meinen Kopf einmal auszuschalten – denn der hätte möglicherweise etwas Anderes gesagt – und nur auf mein Herz zu hören. Und das hat mir bereits relativ früh gesagt: „Du musst das jetzt durchziehen, egal, ob das im ersten Moment ein sportlicher Rückschritt sein mag“. Und tatsächlich hat es sich dann gut und richtig angefühlt, zu bleiben und meinen Vertrag noch mal um ein Jahr zu verlängern. Diesen Schritt habe ich bis heute nicht bereut.

bundesliga.de: Wie reagieren die Fans auch heute noch, knapp ein halbes Jahr später, auf diese Entscheidung?

Horn: Für die Fans war das sicherlich sehr wichtig, weil ihnen ein solcher Schritt die Identifikation mit ihrem Verein und den Spielern leichter macht. Und es ist in der Tat bis heute so, dass ich immer noch sehr positives Feedback bekomme. Selbst außerhalb von Köln, wenn man auf Reisen oder in einer anderen Stadt zu Besuch ist, spürt man, dass die Menschen den Schritt von Jonas (Hector; d. Red.), mir, Högi (Marco Höger; d. Red.) deutschlandweit positiv wahrgenommen haben. Es ist schön, als Beispiel dafür zu gelten, dass auch in der heutigen Zeit solche Entscheidungen noch möglich sind. Man darf es aber auch keinem Spieler übel nehmen, wenn er nach einem Abstieg weiter Bundesliga spielen möchte und die eigene sportliche Karriere in den Vordergrund stellt. Trotzdem wäre es schön, wenn der eine oder andere in Zukunft einen ähnlichen Schritt in Erwägung ziehen würde.

bundesliga.de: Kann sich jemand, der so in dieser Stadt verortet ist wie Sie, überhaupt vorstellen, jemals wegzugehen?

Horn: Ich möchte keine Floskeln von mir geben, sondern authentisch bleiben und die Dinge so darstellen, wie ich sie selbst auch empfinde. Und deshalb kann ich einen solchen Schritt irgendwann nicht ausschließen. Aber es wäre ein Schritt, der mir sehr schwer fallen würde. Ich bin hier, in dieser Stadt, tief verwurzelt, und ich hänge ganz extrem am FC. Nicht nur, weil ich heute hier Spieler bin, sondern weil ich schon immer auch großer Fan dieses Vereins bin. Und das wird immer so bleiben, selbst dann, wenn ich irgendwann einmal eine Zeitlang woanders spielen sollte. Hier und jetzt aber fühlt es sich hundertprozentig richtig an, dass ich geblieben bin.

Das Gespräch führte Andreas Kötter