Köln - Im zwölften Spiel des Jahres 2015 hat es nun auch den Karlsruher SC erwischt. Beim FC Erzgebirge Aue verloren die Badener mit 1:3 (Spielbericht) und verpassten damit den Sprung auf Platz 2. Doch noch immer kann der KSC aus eigener Kraft mindestens den Relegationsplatz erreichen. Voraussetzung dafür: ein Sieg im Topspiel am Montag gegen Darmstadt 98 (Vorschau). Vor dem Hit spricht KSC-Torjäger Rouwen Hennings, der schon 15 Mal einnetzte, im Interview mit bundesliga.de über seine Ziele und die kommenden Aufgaben.

bundesliga.de: Rouwen Hennings, wie gut haben Sie den Rückschlag der ersten Niederlage des KSC im Jahr 2015 in Aue am letzten Sonntag verdaut?

Rouwen Hennings: Wir haben das Spiel direkt am nächsten Tag analysiert und hatten danach einen freien Tag. Da hat sich jeder noch einmal seine Gedanken gemacht. Jetzt gilt die volle Konzentration dem Spiel gegen den SV Darmstadt 98. Es geht ja jetzt Schlag auf Schlag weiter, wir sollten uns auch nicht so lange mit dem Aue-Spiel beschäftigen.

"Kein guter Tag von uns"

bundesliga.de: Trotz der Niederlage in Aue kann der KSC es weiterhin aus eigener Kraft wieder gerade biegen und mit einem Sieg gegen Darmstadt wieder in die Top 3 zurückkehren.

Hennings: Genau. Die Niederlage war zwar ärgerlich, vor allem die Art und Weise. Wir haben kein gutes Spiel gemacht. Jetzt wollen wir das Spiel gegen einen direkten Konkurrenten besser gestalten.

bundesliga.de: Wo lag vor allem das Problem in Aue? Die vielen Unentschieden des KSC in diesem Jahr - sieben in zwölf Partien - sprechen auch dafür, dass die Mannschaft Probleme hat, selbst das Spiel gegen defensive Gegner zu machen. Oder hat die Mannschaft einfach einen schlechten Tag erwischt?

Hennings: Es war eine Mischung aus beiden. Aue hat das Spiel sehr eng gemacht, wir hatten zu wenig Tempo in unseren Aktionen. Das haben wir schon deutlich besser gemacht, auch gegen Gegner, die ebenfalls tiefer standen. Es war kein guter Tag von uns.

bundesliga.de: Sie dagegen sind in der Rückrunde leistungsmäßig förmlich explodiert und haben allein im Jahr 2015 schon zwölf Tore gemacht. Sind Sie derzeit in der Form Ihres Lebens?

Hennings: So ein Torquote hatte ich vorher tatsächlich noch nicht. Ich hoffe, dass es die letzten drei Spiele so weiter geht.

bundesliga.de: Was sind die Gründe dafür?
Hennings: Da kommen einige Sachen zusammen. Ich bin verletzungsfrei und habe die Vorbereitung komplett absolviert. Ich habe auch meinen Vertrag verlängert. Das hat mir weitere Sicherheit gegeben. Durch die gute Leistungen habe ich dann das Selbstvertrauen bekommen, das man als Stürmer braucht.

"Dürfen uns nicht aus der Ruhe bringen lassen"

bundesliga.de: Sie sprechen Ihre Vertragsverlängerung bis 2017 an. Was war ausschlaggebend für den neuen Vertrag?

Hennings: Ich fühle mich sehr wohl in Karlsruhe und sportlich läuft es auch. Ich bin zum KSC gekommen, als er noch in der 3. Liga gespielt hat. Wir haben dann angefangen, hier etwas aufzubauen. Wir sind aufgestiegen, die letzte Saison war auch schon ziemlich gut. Und in diesem Jahr haben wir noch einmal einen draufgesetzt. Ich denke, dass die Entwicklung noch nicht zu Ende ist. Ich möchte gerne ein Teil davon sein. Der Verein will mehr und ich auch. Es macht Spaß.

bundesliga.de: Es sind noch drei Spiele zu spielen, Karlsruhe steht auf Platz 4, einen Punkt hinter Darmstadt, das am Montag in Karlsruhe gastiert. Wie schätzen Sie die Ausgangssituation ein?

Hennings: Die Chance ist immer noch riesengroß. Wir müssen am Montag von der ersten bis zur letzten Minute konzentriert zu Werke gehen und das Spiel so durchziehen, wie wir es können. Wir dürfen uns nicht aus der Ruhe bringen lassen und müssen unsere Stärken ausspielen. Dann bin ich mir sicher, dass wir gewinnen und danach auch unseren Platz verteidigen können.

bundesliga.de: Anschließend trifft der KSC noch auswärts auf Braunschweig und daheim auf die Münchener Löwen, zwei Teams, für die es ebenfalls noch um viel geht.

Hennings: Es wird für beide Gegner bis zum Schluss spannend bleiben. Das ist auch nicht schlecht.

"Haben uns im Laufe der Saison verbessert"

bundesliga.de: Die Ergebnisse der letzten Spieltage mit den Niederlagen von Darmstadt, Kaiserslautern und auch Karlsruhe zeigen, dass das Rennen spannend bleiben dürfte. Was spricht für den KSC?

Hennings: Wir haben uns im Laufe der Saison verbessert. Wir spielen einen ziemlich attraktiven Fußball und sind auch defensivstark. Das sind gute Grundvoraussetzungen, um Platz 2 oder 3 erobern zu können.

bundesliga.de: Dann würden Sie noch einmal in der Bundesliga auflaufen, in der Sie schon gespielt haben. Ist das noch Ihr großes Ziel?

Hennings: Mit Sicherheit. Man möchte schon Ziele erreichen. Und wenn man so kurz davor steht, dann will man das um jeden Preis.

bundesliga.de: Sie haben bislang 15 Tore erzielt und liegen auf Platz 2 der Torjägerliste. Ist es auch ein Ziel, in dieser Saison Torschützenkönig der 2. Bundesliga zu werden?

Hennings: Nicht wirklich. Das große Ziel der Mannschaft ist deutlich wichtiger. Ich möchte nicht Torschützenkönig werden und den Aufstieg verpassen. Ich würde es aber gerne mitnehmen, wenn der Aufstieg klappt.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski