Kaiserslautern - Freitagabend, Flutlichtspiel, 36 013 Zuschauer, der Tabellenvierte der Zweiten Liga trifft auf den Dritten und Wunderkerzen erleuchteten die Westkurve vor dem Anpfiff:  Alles war angerichtet für ein Spitzenspiel zwischen dem 1. FC Kaiserlautern und dem SV Darmstadt 98 im Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg.

Doch der Aufsteiger aus Hessen erwies sich als pfiffiger und mutiger Spielverderber für die Pfälzer. Zwei Tage vor der Mitgliederversammlung, in der ein neuer Aufsichtsrat gewählt wird, konnte der 1. FC Kaiserslautern die Darmstädter nicht von Relegationsrang drei verdrängen. Nach dem fünften Remis in Serie überwog die Enttäuschung in der Pfalz, der FCK tritt seit Wochen auf der Stelle. "Heute muss ich mit dem Unentschieden zufrieden sein", sagte FCK-Trainer Kosta Runjaic: "Punkte haben wir in anderen Spielen liegenlassen."

Schwächstes Heimspiel der Saison?

Runjaic bemängelte die fehlende Kreativität im Spiel der Lauterer, sonst eine der Stärken, und sprach vom schwächsten Heimspiel der Saison. Das lag auch am hervorragend verteidigenden Gästeteam, das von einer stimmgewaltigen Anhängerschar unterstützt wurde. Darmstadts Trainer Dirk Schuster war dann auch mehr als nur „ein bisschen stolz“ auf seine Mannschaft. Die 98er halten sich durch das nicht unverdiente 0:0 in der Spitzengruppe und bleiben zwei Punkte vor den Lauterern.

98-Abwehrspieler Romain Bregerie war ganz überwältigt: "In so einem Stadion vor so einer Kulisse zu spielen, ist ein großer Moment im Leben eines Profifußballers, das war ein großer Kampf." In Darmstadt wächst nach diesem Achtungserfolg  die Euphorie nur noch mehr. Auch Präsident Rüdiger Fritsch sah in der Leistung und dem Ergebnis „eine Bestätigung für unseren Weg“: "Wer vor fast 40 000 Zuschauern in so einem Spiel so besteht wie wir, der ist definitiv in der Liga angekommen."

Darmstadt verteidigt geschickt und erfolgreich

Seit 14 Spieltagen überrascht der Aufsteiger Darmstadt 98 die Liga und es gibt keine Anzeichen, warum diese gewachsene Mannschaft das nicht weiter tun sollte. Mit Aggressivität, gutem Teamgeist und pflichtbewusstem Verteidigen macht es diese Mannschaft jedem Gegner schwer. "Vielleicht ist Darmstadt die derzeit am besten verteidigende Mannschaft der Liga", meinte Lauterns Coach Kosta Runjaic, der die "Lilien" ja einst vor dem Abstieg in die Oberliga bewahrt und stattdessen in die Dritte Liga gecoacht hatte. Seine aktuelle Lauterer Mannschaft hatte an diesem Tag zu viele Spieler, die trotz aller Bemühungen nicht ihre beste Form fanden.

Und weil Darmstadts Trainer Schuster seinen Spielern mit auf den Weg gegeben hatte, den FCK schon im Spielaufbau zu attackieren, taten sich die Lauterer schwer, ihre technisch guten Spieler im Mittelfeld ins Spiel zu bringen. Und hatten der deutsche U 21-Nationalspieler Amin Younes oder der österreichische U 21-Internationale Kevin Stöger dann doch mal den Ball, gelang ihnen kaum Konstruktives. Zumal die Darmstädter mit zunehmender Spieldauer immer weiter hinten die Räume geschickt zustellten und den ballführenden FCK-Spieler meist mit zwei Mann unter Druck setzten. In der ersten Halbzeit konnten sich die Lauterer deshalb nur drei in der zweiten Halbzeit nur zwei  Torgelegenheiten herausspielen.

Lauterns Fokus liegt jetzt auf St. Pauli

Darmstadt verteidigte die meiste Zeit, hatte aber in jeder Halbzeit eine sehr gute Tormöglichkeit. Aber in der 28. Minute köpfte Florian Jungwirth das Spielgerät nach Flanke von Holland aus acht Metern über das Tor. Und FCK-Torwart Tobias Sippel rettete nach Schüssen von Tobias Kempe und Marcel Heller gleich zwei Mal in Minute 65. 

FCK-Trainer Kosta Runjaic wollte mit seiner Mannschaft nicht zu hart ins Gericht gehen. Die Stabilität sei ja trotzdem da, der FCK habe auch gegen Darmstadt nicht großartig gewackelt. Die junge Mannschaft stecke in einem Entwicklungsprozess, Runjaic sagt:  "Wir machen weiter, wir gewinnen auch wieder Spiele, warum nicht nächste Woche in St. Pauli?" Um den Anschluss an die Spitze nicht weiter zu verlieren, wäre ein Sieg in Hamburg wichtig für den FCK. Darmstadt hat nächste Woche schon wieder ein Spitzenspiel und empfängt den KSC. Für Darmstadts Trainer Dirk Schuster ist dies ein ebenso besonderes wie das am Freitag für Kosta Runjaic. Als Spieler erlebte Schuster in Karlsruhe seine besten Zeiten.

Tobias Schächter