Köln - Lange sah es so aus, als müsse der SV Darmstadt 98 das Schicksal vieler anderer Traditionsclubs teilen, die vor allem in den siebziger und achtziger Jahren in der Bundesliga gespielt haben. Bis 2011 dümpelten die „Lilien“ - in den Spielzeiten 78/79 und 81/82 noch Bundesligist - nach wenigen Aufs und vielen Abs in der viertklassigen Regionalliga herum, ehe der kaum zu ahnende Durchmarsch in die 2. Bundesliga begann.

Aber was heißt Durchmarsch? Gleich zwei Mal standen die Hessen mit anderthalb Beinen über dem Abgrund - ohne Netz und doppelten Boden. In der Drittliga-Saison 2012/13 waren die Lilien sportlich schon abgestiegen, nur der Lizenzentzug für die Offenbacher Kickers rettete das Team von Dirk Schuster, der Ende Dezember 2012 als Cheftrainer übernommen hatte.

Das Drama am Grünen Tisch wurde ein Jahr später noch übertroffen vom Drama auf der Bielefelder Alm. Als Dritter der 3. Liga hatte Darmstadt die Relegationsspiele gegen Arminia Bielefeld aus der 2. Bundesliga erreicht. Die 1:3-Heimniederlage im Hinspiel senkte die Aufstiegschancen der 98er vor dem Rückspiel praktisch in den Promillebereich. Doch Elton da Costas Tor zum 4:2 in der Nachspielzeit der Verlängerung machte das Darmstädter Wunder und den Aufstieg perfekt.

"Geschlossenheit macht uns stark"

Und wundert es daher tatsächlich, dass sich der krasse Außenseiter Darmstadt 98 aktuell als Tabellendritter in der Nähe der Tabellenspitze der 2. Bundesliga herumtreibt? Die Gründe für den Höhenflug sind natürlich auch handfester Natur. Ein Trainer Dirk Schuster, der ein Team geformt hat, das das altmodische Musketier-Motto "Einer für alle, alle für einen“ auf dem Rasen lebt. "Die Geschlossenheit im gesamten Kader macht uns stark, darüber müssen wir immer wieder kommen", sagt Schuster.

Und es gibt in Dominik Stroh-Engel einen Torjäger, der immer mal den Unterschied macht. Der 1,95-Meter-Mann hat acht Saisontore selbst gemacht, ungezählte Bälle als Anspielstation in der Spitze "festgehalten“ und hinten im eigenen Strafraum ohne Ende abgeräumt. Im heimischen Merck-Stadion am Böllenfalltor sind die Lilien kaum zu schlagen, lediglich Fortuna Düsseldorf siegte beim bislang besten Heimteam der Hinrunde.

"Unheimliche Emotionen, wahnsinniger Lärm"

"Es ist schön, dass Darmstadt sich von ganz unten wieder hochgearbeitet hat“, meint Erik Meijer, langjähriger Profi in der Bundesliga und 2. Bundesliga und heute Experte für Sky. Heute Abend muss sich Darmstadt aber auswärts beweisen und das an exponierter Stelle. Auf dem Betzenberg wird das Duell mit dem FCK angepfiffen, der als Tabellenvierter die Lilien überholen möchte. 

"Ich kenne den Betzenberg aus meiner eigenen Zeit. Da kommen unheimliche Emotionen, wahnsinniger Lärm, eine sensationelle Atmosphäre auf dich zu. Die Frage ist, wie Darmstadt damit umgeht. Die Qualität haben sie, sich spielerisch gegen Kaiserslautern durchzusetzen. Aber auf dem Betzenberg spielst du auch gegen die Fans. Deshalb sehe ich Lautern auch gegen Darmstadt im Vorteil“, so Meijer.

Selbst wenn Meijer Recht behalten sollte: Von kleineren Rückschlägen hat sich Darmstadt in den letzten Jahren immer erholt. Und auswärts geht in großen Spielen auch immer was. Man frage nur Elton da Costa.

Interview mit Kevin Stöger vor dem Duell

Die Vorschau auf das Spiel Kaiserslautern vs. Darmstadt 98