Der Schlüssel zum Spitzenspiel zwischen St. Pauli und dem SV Werder liegt in der Offensive - © DFL
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2. Bundesliga

Die Effizienz des FC St. Pauli oder die Wucht des SV Werder Bremen: Wer setzt sich durch?

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Es ist das absolute Spitzenspiel des 29. Spieltags der 2. Bundesliga: Der FC St. Pauli empfängt den SV Werder Bremen - oder anders ausgedrückt: Der Tabellendritte empfängt den Spitzenreiter. Dennoch ist die Euphorie in beiden Lagern ein wenig gebremst, denn sowohl die Hamburger als auch die Bremer haben am vergangenen Wochenende Boden auf die Konkurrenz eingebüßt. Wer findet jetzt im direkten Duell zurück in die Spur?

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"Die Niederlage tut weh. Das wird sie auch morgen noch, ab Montag muss es dann weitergehen. Wir haben nächste Woche ein richtig geiles Heimspiel gegen Bremen und da wollen wir gewinnen", gab der Ex-Bremer Luca Zander nach St. Paulis 0:1-Niederlage in Rostock die Marschroute für die Woche vor. Ärgern ja, aber dann wieder Kopf hoch und Brust raus. Im direkten Duell hat man nun schließlich direkt wieder die Chance, am SV Werder Bremen vorbeizuziehen.

Auch die Bremer waren nach dem vermeidbaren 1:1 gegen Sandhausen unzufrieden, aber Ole Werner legte den Fokus sofort auf die positiven Aspekte. "Ich glaube, vor einem halben Jahr hätte noch niemand die Prognose gewagt, dass wir jetzt in einer sehr guten Ausgangsposition zum FC St. Pauli fahren", so der 33-Jährige, der in Bezug auf das Spiel am Samstag anfügte: "Wir freuen uns sehr darauf. Auswärtsspiel, absolutes Spitzenspiel, es ist auch immer eine ganz besondere Atmosphäre dort."

Mit seiner Einschätzung hat der Bremer Coach sicherlich Recht. Bei seiner Amtsübernahme Ende November 2021 lagen die Bremer lediglich auf Rang zehn der Tabelle. Der Rückstand auf Tabellenführer St. Pauli betrug stolze zwölf Zähler. Nun mit einem Vorsprung von einem Punkt am Millerntor anzutreten, ist ein Zeugnis der starken Entwicklung unter dem neuen Trainer. Das Remis gegen Sandhausen verdeutlichte aber die größte Schwäche der Bremer in dieser Saison: Sie brauchen zu viele Möglichkeiten für ein Tor.

St. Pauli vor allem bei Kontern gefährlich

Aus 21 Torschüssen mit einem kombinierten xGoals-Wert von 2,34 machten die Werderaner nur einen einzigen Treffer. Es war nicht das erste Mal, dass die Hanseaten ein besseres Ergebnis wegen mangelnder Präzision im Abschluss verpassten. Der xGoals-Saisonwert der Bremer ist mit 62,4 der höchste der Liga, trotzdem erzielte der SVW lediglich 52 Treffer. Die Abschlusseffizienz von -10,4 wird nur von Hannover und Aue unterboten. Ganz anders der FC St. Pauli, der auf einen xGoals-Wert von 53,6 kommt und 53 Tore erzielte. Die Effizienz ist das größte Plus der Mannschaft von Timo Schultz am kommenden Samstag.

Besonders gefährlich sind die Kiezkicker dann, wenn sie kontern können. Neun Kontertore sind der Bestwert aller Zweitliga-Clubs. Das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil St. Pauli bislang erst 27 Mal nach einem Tempogegenzug zum Abschluss kam. Jeder dritte Torabschluss nach einem Konter führte bei St. Pauli zu einem Treffer - ein unglaublicher Wert. Zum Vergleich: Werder Bremen gab nach Kontern 42 Torschüsse ab, machte daraus aber nur sechs Tore.

Ähnlich sieht es bei Flanken aus. Bei den Hamburgern führte jede 22. Flanke aus dem Spiel zu einem Tor (Bestwert in der 2. Bundesliga), bei den Bremern nur jede 49. (Platz acht in der 2. Bundesliga). Diese Effizienz schlägt sich auch in den allgemeinen Statistiken nieder. St. Pauli benötigte bislang im Schnitt 7,6 Torschüsse für einen Treffer und führt auch in dieser Kategorie das Feld an. Bei Werder klingelt es bislang hingegen jeweils nach 9,8 Torschüssen.

Bremen hat das gefährlichste Sturmduo

Die Bremer kompensieren die schwächere Bilanz durch enorme Produktivität. Nur der FC Bayern München gab aus den ersten beiden Ligen mehr Torschüsse ab als der SV Werder (482). Zudem hat Ole Werner das gefährlichste Sturmduo der 2. Bundesliga in seinen Reihen: Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug kommen gemeinsam auf 31 Saisontreffer und zwölf Vorlagen. Die "häßlichen Vögel" - wie Füllkrug das Bremer Angriffspaar selbstironisch getauft hat - haben schon manchen Gegner ordentlich gerupft.

Aber auch St. Pauli hat viel Qualität im Offensivspiel. Guido Burgstaller und Daniel-Kofi Kyereh sind kein Sturmduo im klassischen Sinne, kommen aber gemeinsam dennoch auf 27 Treffer und 15 Vorlagen. Damit haben sie nur einen Scorerpunkt weniger als die Bremer Vögel gesammelt. Welche der beiden Offensiven am Samstag den besseren Tag erwischt, dürfte im Sechs-Punkte-Spiel zwischen Hamburger Effizienz und Bremer Wucht den Ausschlag geben.