Alex Meier avanciert mit zwei Toren gegen Union Berlin zum Matchwinner - © imago/Matthias Koch
Alex Meier avanciert mit zwei Toren gegen Union Berlin zum Matchwinner - © imago/Matthias Koch
2. Bundesliga

Alex Meier endgültig auch beim FC St. Pauli der "Fußballgott"

Köln - Am Ende gab es Standing Ovations der 29.546 Zuschauer am ausverkauften Millerntor. Fast grenzte es schon an Huldigung, wie die Fans ihren heimgekehrten Sohn nach dessen erneutem Traumauftritt feierten. Zurecht, hatte Alex Meier doch den FC St. Pauli gerade mit seinem Tor zum 1:0-Sieg gegen den FC Ingolstadt geköpft und damit weiter im Aufstiegsrennen in der 2. Bundesliga gehalten. Und sich selbst mit nun vier Toren in fünf Einsätzen für die Hanseaten endgültig zum "Fußballgottes" gehievt.

In Frankfurt hat er diesen Titel ohnehin schon lange inne. Bei der Eintracht und in der Mainmetropole ist Alexander Meier unsterblich. 137 Tore in 379 Pflichtspielen haben dem Stürmer mit dem Zopf seinen Platz ganz oben im Olymp der Hessen eingebracht. Mit 36 Jahren ist er im Winter nun an seine alte Wirkungsstätte an der Elbe zurückgekehrt. Und hat gleich in seinen ersten Auftritten für den FC St. Pauli bewiesen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

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Nerven aus Stahl: Meier verwandelt den Elfmeter zum 3:2 gegen Union - imago/Jan Huebner

Meier: "Ich solle das mal machen"

Erstmals durfte Meier gegen den 1. FC Union Berlin in der Startelf der Kiezkicker ran, für die er von 2001 bis 2003 bereits gespielt und bei denen er einst sein erstes Bundesliga-Spiel bestritten hatte. Gegen die Eisernen tat sich Meier zunächst auch schwer, seine Mitspieler konnten ihn nur selten gut in Szene setzen. Bis zur 62. Minute - da nickte der 1,96 Meter große Stürmer eine von Marvin Knoll knallhart getretene Ecke zum zwischenzeitlichen 2:0 für die Hausherren ein. Es war sein erster Treffer für St. Pauli seit 5783 Tagen. Nachdem Union das Spiel jedoch binnen 86 Sekunden den Ausgleich geschafft hatte, sollte die wahrlich große Stunde Meiers schließlich in der vierten Minute der Nachspielzeit kommen.

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Nach einem Foul von Suleiman Abdullahi an Christopher Buchtmann zeigte Schiedsrichter Guido Winkmann auf den Elfmeterpunkt. "Eigentlich schießt ja Knolli die Elfer. Aber er hat gesagt, er sei müde und ich solle das mal machen", gab Meier nach der Partie zu Protokoll. Und er machte es. Kurzer Anlauf, platzierter Schuss flach rechts unten ins Eck - St. Pauli gewann mit 3:2.

Gegen den 1. FC Köln trifft Alex Meier zum 1:1 - Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Meier ist schon St. Paulis drittbester Torjäger

Doch damit noch nicht genug. Im Auswärtsspiel beim 1. FC Köln legte er einen weiteren Treffer nach, St. Pauli verlor dennoch 1:4. Und nun der gute Auftritt gegen den FC Ingolstadt. Meier rackerte bis zum Umfallen, gewann 20 Zweikämpfe. Kein anderer Spieler auf dem Platz setzte sich öfter im Duell Eins-gegen-Eins durch. Und er stand wieder einmal goldrichtig. In der 43. Minute kriegte er hinter einen Kopfball aus fünf Metern noch nicht genug Druck Doch beim zweiten Versuch war das Ding drin. Pass von Daniel Buballa von links in die Mitte, Meier drückt gleich aus elf Metern ab - und trifft zum 1:0.

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Für den Stürmer war es bereits das vierte Tor im fünften Einsatz für St. Pauli, dabei stand er vier Mal in der Startelf. Eine solche Quote hatte selbst Meier in seiner Karriere selten. Nach nur fünf Rückrundenspielen liegt Meier bereits in der internen Torjägerliste der Hanseaten auf Platz drei. Nur Christoph Buchtmann (fünf) und der verletzte Henk Veerman (sechs) haben öfter getroffen.

Auch gegen Ingolstadt ist Meier zur Stelle und erzielt den Siegtreffer - imago/Stefan Bösl

Hoffen auf weitere "göttliche" Eingebungen

Coach Markus Kauczinski kann sich genüsslich die Hände reiben. In der Winterpause einen 36-Jährigen zu holen, der zudem ein halbes Jahr vertragslos war und in der Vorsaison bei der Eintracht vor allem verletzungsbedingt gerade einmal drei Minuten gespielt hatte, war schließlich risikobehaftet. "Wir bekommen einen Angreifer mit sehr viel Erfahrung. Alex verkörpert einen Stürmertypen, den wir so noch nicht im Kader haben", hatte Kauczinki bei der Vorstellung Meiers gesagt, den er auch als Ersatz für den langzeitverletzten, bisher sechsfachen Torschützen Veerman geholt hatte.

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Nun aber hat Meier seine Verpflichtung schon gerechtfertigt. Die Hanseaten sind damit voll im Aufstiegsrennen dabei. Mit 40 Punkten rangiert St. Pauli einen Zähler hinter Union auf Platz vier, zum Zweiten Köln sind es auch nur zwei Punkte. Da geht noch was. Schließlich haben die St. Paulianer ja Alex Meier - und können weiterhin auf dessen "göttliche" Eingebungen hoffen.

Von Tobias Schild