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1. FC Union Berlin: Geht es sogar in die Champions League?

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Der 1. FC Union Berlin spielt das dritte Jahr in der Bundesliga. Nach dem souveränen Klassenverbleib im ersten Jahr und dem Einzug in die Europa Conference League im zweiten sind die Köpenicker jetzt wieder drauf und dran, sich für den Europapokal zu qualifizieren.

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Nach dem 2:1-Erfolg in Gladbach grüßen die Eisernen sogar erstmals in ihrer Historie am Ende eines Spieltags von einem Champions-League-Platz. Im Pokal qualifizierten sie sich durch ein 3:2 im Derby gegen Hertha für das Viertelfinale - es läuft derzeit einfach.

In der sehr erfolgreichen vergangenen Saison war der 1. FC Union Berlin nach 20 Spieltagen Neunter und hatte 29 Zähler auf dem Konto. Diese Bilanz ist 2021/22 zum gleichen Zeitpunkt noch besser: Nach dem Erfolg gegen Gladbach kommen die Köpenicker auf satte 34 Punkte und sind Vierter - das ist die beste Punkte-Ausbeute und Platzierung in Unions Bundesliga-Historie.

Die Eisernen sind wieder mitten im Rennen um die Europapokalplätze und beenden erstmals einen Spieltag auf einem Champions-League-Platz: Die Berliner trennt nur ein Punkt vom Dritten aus Leverkusen. Eine große Stärke Unions ist der Kampfgeist. Im Spiel gegen die Borussia holten die Hauptstädter den Sieg erst in der Schlussphase auch dank ihres großen Willens. "Aktuell zeichnet uns aus, dass wir nur wenige Chancen brauchen, um ein Tor zu erzielen. Das hat uns heute geholfen, besonders weil Gladbach spielerisch überlegen war. Trotzdem stehen wir am Ende mit drei Punkten da, wir haben gerade einen guten Lauf", sagte Grischa Prömel nach dem Spiel.

Ebenfalls ein Trumpf ist ihre Erfahrung. Gegen die TSG Hoffenheim spielte Union am 19. Spieltag mit seiner ältesten Startelf in der dreijährigen Bundesliga-Geschichte des Vereins: 30,1 Jahre war das Team durchschnittlich alt. Der Club-Rekord aus der Vorwoche gegen Leverkusen (30,0) wurde also direkt nochmal ausgebaut. Das älteste Team der Bundesliga-Geschichte stellte am 21. Spieltag 2007/08 Arminia Bielefeld mit einem Altersschnitt von 31,5 Jahren. Also gibt es noch etwas Luft nach oben bei den Berlinern.

Old but Gold: Mit viel Erfahrung geht es auch in dieser Saison weit nach oben für die Köpenicker - Revierfoto via www.imago-images.de/imago images/Revierfoto

"Gibt nicht jung oder alt, sondern nur gut oder schlecht"

Mit einem Durchschnittsalter von 29,1 Jahren traten die Köpenicker gegen Gladbach an. Dass hohes Alter aber keinen Abbruch bei der Qualität eines Spielers bedeuten, wusste schon die Trainer-Legende Otto Rehhagel: "Es gibt keine jungen und alten Spieler, sondern nur gute und schlechte." Beispielsweise sind Unions Top-Vorbereiter jenseits der 30 Jahre angesiedelt: Niko Gießelmann (30) und Max Kruse (33) sind mit je fünf Assists in dieser Kategorie die besten des Teams. Kruse überragte zudem gegen die "Fohlen" jüngst mit einem Doppelpack.

Zudem wurden bei den Berlinern nur drei Spieler an allen 20 Spieltagen immer eingesetzt:  Andreas Voglsammer (30), Genki Haraguchi (30) und Robin Knoche (29), der im Mai 30 wird. Letztgenannter ist einer von nur zwei Feldspielern, die 2021/22 noch keine Bundesliga-Minute verpasst haben. Die Erfahrung zahlt sich aus: Die Mannschaft weiß um ihre Stärken und bleibt während der 90 Minuten fokussiert und ruhig. Das zeigte auch das Spiel gegen Gladbach, als Kruse erst spät in der 84. Minute den Siegtreffer erzielte.

Champions League? Pokalsieg? Alles scheint möglich!

Mit den Kräften müssen die Berliner trotz des hohen Alters aber nicht haushalten - im Gegenteil: Mit im Schnitt 117,8 gelaufenen Kilometern pro Partie sind die Köpenicker das Team, das in den 20 Spielen bisher am drittmeisten gelaufen ist. Gegen Gladbach liefen sie sogar knapp vier Kilometer mehr als die Konkurrenz (116,7 FCU, 112,8 BMG).

Wille, Laufstärke, Ruhe sowie Beständigkeit bei den Aufstellungen mit einer erfahrenen Achse: Das sind allesamt Faktoren, warum Union auch in dieser Saison wieder um Europa mitkämpfen kann. Das Team von Urs Fischer ist wie sonst nur Bielefeld seit fünf Bundesliga-Spielen ungeschlagen und holte daraus elf Punkte (drei Siege, zwei Remis).

Erneuter Einzug in den Europapokal - ja vielleicht sogar in die Champions League? Oder ein Pokaltriumph im Berliner Olympiastadion? Die möglichen Saisonziele der Eisernen mögen sich ambitioniert anhören, sind aber keineswegs unrealistisch...

Max Kruse und Genki Haraguchi: Die Ü30-Assist-Crew - Norbert SCHMIDT via www.imago-images.de/imago images/Norbert Schmidt