
Stuttgart gegen Dortmund: Das Duell der starken Stürmer
Auf dem Papier wirken die Offensivreihen des VfB Stuttgart und von Borussia Dortmund höchst unterschiedlich - zumindest was die Torgefahr angeht. Doch ein genauerer Blick lohnt sich. Denn es treffen durchaus starke Stürmer aufeinander.
Bekanntlich sind Statistiken immer nur so gut, wie man sie lesen will. Soll heißen: Auf viele vermeintliche Gesetzmäßigkeiten, die man durch Zahlen belegen könnte, gibt es entweder Gegenbeispiele, die eine These schnell aushebeln können oder es kommt am Ende in der Praxis dann doch ganz anders, als es die Theorie vermuten lässt. So scheint der Blick auf die Offensivreihen im kommenden Duell des VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund vorab ein deutliches Gefälle abzuzeichen.
Die Schwaben offenbaren gerade in der vordersten Sturmreihe in der Liga noch erhebliche Ladehemmungen, während man bei den Borussen gerade von einem kongenialen Duo spricht, dass gefühlt an jedem Treffer in dieser Saison beteiligt war. Ergo dürfte der BVB am Samstagabend mit reichlich Rückenwind in Stuttgart antreten. Tore sind wahrscheinlich. Doch eben nicht nur für Dortmund. Denn der Schein der Torgefahr könnte durchaus trügen.

Dortmunder Stürmer in Torlaune
Wäre der BVB dieser Tage nicht von einem ungewöhnlichen Verletzungspech gebeutelt, man könnte in Dortmund wohl von einem ziemlich perfekten Saisonstart sprechen. Siege in der Champions League, im DFB-Pokal und eben auch die weiße Weste in der Liga: drei Spiele, drei Siege. So ein wenig könnte man gerade den Eindruck gewinnen, man weiß beim BVB nicht so recht wohin mit der Freude. Oder zumindest mit den Garanten dieser. Denn in der Liga hat der Erfolg zwei Namen. Serhou Guirassy und Fabio Silva räumen die Liga auf.
Erstaunlich: Gemeinsam liefen die beiden von Beginn an eher selten auf. Guirassy erzielte dabei schon vier Tore, bereitete zwei weitere vor, der Portugiese Silva hat den Schlüssel zum Tor nun offenbar ebenfalls gefunden, war bereits drei Mal selbst beteiligt, legte eine weiteren Treffer auf. Auch in der Liga ist das Duo top. Guirassy führt die Scorerliste mit vier Punkten gemeinsam mit vier weiteren Spielern an.

Kongeniales Duo
Silva ist in der Liga angekommen, hat nach drei Spieltagen genauso viele Tore wie in der gesamten vergangenen Liga-Saison erzielt. Dabei profitiert der Portugiese aber auch von seinem Nebenmann. Guirassy legte gleich beide Tore des 24-Jährigen auf, eine Tor-Co-Produktion hat es in der gesamten vergangenen Spielzeit nur einmal gegeben. Außerdem schafft der Zielstürmer seinem Mitspieler Räume, die Silva nun endlich auch zu nutzen weiß.
Und das zahlt sich aus. Silva hat seinen Sturmpartner in der Abschlusseffizienz deutlich überholt. Brauchte Guirassy für seine beiden Treffer zehn Abschlüsse, waren es bei dem Portugiesen gerade einmal drei. Dafür ist der Franzose der robuste Zielstürmer, der durch gewonnene Zwei- und Luftzweikämpfe Silva überhaupt erst in die gefährlichen Situationen bringt. So trotzen die beiden dem Verletzungspech in der Dortmunder Offensive.

Ladehemmungen beim VfB
Auf der anderen Seite stehen mit Deniz Undav, Dženan Pejčinović und Ermedin Demirović drei große Namen, die ebenfalls für ihre Torgefahr bekannt sind. Nur lässt diese gerade in der Liga in der neuen Spielzeit noch auf sich warten. In der Bundesliga hat sich einzig Demirović in die Scorerliste eingetragen. Das mit einem Treffer beim 4:1-Erfolg über den 1. FC Köln.
Ansonsten ist die Ausbeute mau. Von den sechs VfB-Großchancen führte keine zum Tor. Seit Mai hat beispielsweise Undav in der Liga nicht mehr für den VfB getroffen, in den jüngsten 13 Pflichtspielen gelangen ihm nur zwei Tore und am vergangenen Wochenende saß der 30-Jährige dann auch erstmals seit Februar nur auf der Bank.
VfB-Offensive bislang unter Wert?
Die Ausgangslage erscheint also ziemlich eindeutig. Scheint. Denn die VfB-Offensive weiß durchaus, wo das Tor steht. Demirović traf gleich drei Mal in der Champions League gegen Viking Stavanger, Pejčinović genauso oft in der ersten Pokalrunde bei Hansa Rostock. Auch in der vergangenen Spielzeit zeigte sich der VfB-Angriff extrem torgefährlich. Mit 71 Toren war Stuttgart hinter den Bayern das torgefährlichste Team der Liga.
Undav erzielte damals 19 Tore, landete damit auf Rang zwei der Torjägerliste, Demirović war zwölf Mal erfolgreich, immerhin Rang zwölf. Nach dem 3. Spieltag der aktuellen Saison erreicht Stuttgart auch den drittbesten xGoals-Wert der Saison. Der VfB ist also alles andere als ungefährlich.
Am Ende des Tages wird es ohnehin nur auf eine Statistik ankommen. Auf die an der Anzeigetafel und das nach dem Spiel - das wird nur schwer zu widerlegen sein.


