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Der letzte Akt: Der VfB Stuttgart und Union Berlin treffen sich in der Relegation

Köln - Es gibt Nachschlag! Nach 34 Spieltagen ist eine der wichtigsten Entscheidung im deutschen Profifußball noch offen: Der VfB Stuttgart und der 1. FC Union Berlin ermitteln in Hin- und Rückspiel der Relegation den letzten Bundesliga-Teilnehmer 2019/20.

Der Jubilar brachte die Situation auf den Punkt: "Wir haben uns vor der Saison natürlich nicht vorgestellt, dass wir in die Relegation müssen. Jetzt sind wir froh, dass es den Weg gibt", bilanzierte Christian Gentner, der beim 0:0 auf Schalke sein 500. Pflichtspiel als Profi bestritt. Seine nächsten beiden werden dem Kapitän, wenn er in einigen Jahren auf seine Laufbahn zurückblickt, in ähnlich intensiver Erinnerung sein wie seine beiden Meistertitel mit Wolfsburg (2009) und dem VfB (2007): Zwölf Jahre nach der bislang letzten von fünf Meisterschaften und drei nachdem man letztmals den Gang in die 2. Bundesliga antreten musste, kämpft der Traditionsclub um seine Erstklassigkeit.

Das 0:0 auf Schalke hat keine Auswirkungen mehr: Der VfB muss "nachsitzen" - Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Bilanz und Willig machen Stuttgart Mut

Statistik und Trend sprechen dabei klar für den VfB: Seit Wiedereinführung der Relegationsspiele 2009 setzte sich in zehn Jahren acht Mal der Bundesliga-Vertreter durch, seit 2012 (Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC) entschied kein Zweitligist den Vergleich in Hin- und Rückspiel für sich.

>>> Video: Stuttgart sichert sich den Relegationsplatz

Aber die Schwaben haben auch selbstgemachte Argumente für den Klassenverbleib durch "Nachsitzen": Unter Willig holte das Team um Weltmeister Ron-Robert Zieler sieben Punkte aus vier Spielen – nur Wolfsburg und Leverkusen (jeweils neun) holten mehr Zähler im Endspurt. Dreimal hielt die mit 70 Gegentoren drittschwächste Abwehr der Liga dabei sogar die Null. Die Form stimmt, die Überzeugung auch: "Wir glauben total an uns“, sagt Interimstrainer Nico Willig, der schon bei Amtsantritt den Kampf um den "Relegationspokal" ausrief. Nun steht seine Mannschaft vor dem entscheidenden Schritt.

Reichel und Co. kämpfen in Bochum bis zum Schluss, kommen aber nicht über ein Remis hinaus - Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Union will erstmals in die Bundesliga

Der Gegner des VfB kristallisierte sich erst in den letzten Minuten des 34. Spieltags heraus. Der 1. FC Union Berlin konnte durch ein 2:2 nach 0:2-Rückstand in Bochum nicht mehr am zweitplatzierten SC Paderborn vorbeiziehen, der seinerseits in Dresden verlor (1:3). "Das ist natürlich ärgerlich, wenn man so ein Comeback hinlegt", trauerte Torschütze Joshua Mees der Chance auf den direkten Aufstieg hinterher. So groß der Frust unmittelbar nach Abpfiff war, so schnell richteten die  Hauptstädter den Blick aber auch nach vorn. Logisch, denn: Union kann erstmals in seiner Vereinsgeschichte in die Bundesliga aufsteigen.

>>> 2:2! Union verpasst direkten Aufstieg in Bochum

Das Team von Urs Fischer ging bis zum 18. Spieltag ungeschlagen durch die Saison und stellte nach schließlich fünf Niederlagen mit nur 33 Gegentoren die mit Abstand beste Abwehr der 2. Bundesliga. In beiden Top-Ligen holten zudem nur Borussia Dortmund und der FC Bayern München noch mehr Punkte aus Heimspielen als die Unioner (38). Angesichts dieser Stärken tat dem Berliner Selbstvertrauen letztlich auch der verpasste Direkt-Aufstieg keinen Abbruch: "Wir nehmen nicht viel Negatives mit", bekräftigte ein optimistischer Kapitän Christopher Trimmel, ehe Teamkollege Mees Chance und Bedeutung der letzten beiden Spiele zusammenfasste: "Für uns geht es darum, Geschichte zu schreiben."

>>> Alle Informationen rund um die Relegation

Das Hinspiel steigt am kommenden Donnerstag in Stuttgart, vier Tage später wird das Bundesliga-Starterfeld für die neue Saison "An der Alten Försterei" komplettiert. Beide Spiele kannst du wie gewohnt im Live-Ticker von bundesliga.de verfolgen.

Tim Wichmann