Köln - Nach dem 1:1-Unentschieden in Hannover (Spielbericht) am letzten Wochenende schöpft der VfB Stuttgart wieder neuen Mut im Abstiegskampf. Vor dem eminent wichtigen Spiel gegen den direkten Mitkonkurrenten Hertha BSC am Freitagabend spricht VfB-Keeper Sven Ulreich im Interview mit bundesliga.de über die schwere Situation, positive Anzeichen und den kommenden Gegner.

bundesliga.de: Sven Ulreich, wie bewerten Sie mit ein paar Tagen Abstand den Auftritt des VfB in Hannover und das Unentschieden? Haben Sie Fortschritte gegenüber den Partien zuvor gesehen?

Sven Ulreich: Wir haben nach der Niederlage eine Woche zuvor gegen Borussia Dortmund (Spielbericht) eine gute Reaktion gezeigt. Wenn wir nach unserem Führungstreffer konsequenter agieren und ein zweites Tor nachlegen, dann können wir sogar drei Punkte mitnehmen.

"Wir dürfen keinen Millimeter nachgeben"

bundesliga.de: Bei seinem Dienstantritt erklärte Huub Stevens bereits, dass es in diesem Jahr noch schwerer werden würde, den Klassenerhalt zu packen als im Vorjahr. Sehen Sie das auch so?

Ulreich: Die Tabelle zum jetzigen Zeitpunkt zeigt, dass noch eine ganze Reihe von Teams in den Kampf um den Klassenerhalt involviert ist. Es wird deshalb wahrscheinlich bis zum 34. Spieltag spannend bleiben.

bundesliga.de: Was spricht für den Klassenerhalt des VfB? Welche Anzeichen machen Ihnen Mut?

Ulreich: Wir arbeiten im Training gut und bereiten uns akribisch auf die Spiele vor. Vielleicht fehlt uns nur ein entscheidender Moment auf dem Platz, um das Blatt zu unseren Gunsten zu wenden. Wir müssen dranbleiben und dürfen keinen Millimeter nachgeben.

bundesliga.de: Sie haben beim VfB bereits einige Höhen und Tiefen erlebt. Ist dies aktuell die schwierigste Situation, die es zu meistern gilt?

Ulreich: Auch in der vergangenen Saison war es sehr schwierig die Liga zu halten. Gemeinsam mit unseren Fans haben wir es geschafft. Jede schwierige Phase bringt aber neue Herausforderungen mit sich, so auch dieses Mal.

bundesliga.de: Auswärts konnte Stuttgart bislang überzeugen, daheim wurden aber acht von elf Partien verloren, zuletzt gegen zugebenermaßen sehr starke Gegner wie Mönchengladbach, den FC Bayern sowie Dortmund. Warum bleiben die Resultate zuhause aus?

Ulreich: Das ist schwer zu sagen. Wir spielen gerne vor unseren eigenen Fans und wollen mit ihnen zusammen möglichst schon gegen Hertha BSC (Vorschau) einen Erfolg feiern.

"In unserer Situation gibt es keine einfachen Spiele"

bundesliga.de:Am Freitag trifft der VfB auf Hertha BSC. Bei einem Sieg würde die Mannschaft den Rückstand auf die Berliner bis auf zwei Punkte verringern. Bei einer Niederlage wäre Hertha acht Punkte weg. Hat dieses Spiel bereits vorentscheidenden Charakter für den weiteren Saisonverlauf?

Ulreich:
Nein, denn anschließend sind immer noch 30 Punkte zu vergeben. Aber natürlich wollen wir die Berliner mit einem Sieg näher an uns heranziehen.

bundesliga.de: Wie stark sind die Berliner einzuschätzen?

Ulreich: Berlin hat durch den Last-Minute-Erfolg gegen Augsburg Selbstvertrauen getankt. In unserer Situation gibt es keine einfachen Spiele. Wir werden alles aus uns herausholen müssen, um den Platz als Sieger verlassen zu können.

bundesliga.de: Ist es ein Vorteil, dass der VfB in vier der letzten fünf Saisonspiele auf direkte Konkurrenten trifft?

Ulreich: Das werden wir erst wissen, wenn wir diese Partien gespielt haben.

bundesliga.de: Könnten Sie sich Stand heute auch zum Saisonende mit dem Relegationsplatz 16 anfreunden?

Ulreich: So weit denke ich überhaupt noch nicht. Der Fokus liegt einzig auf dem Heimspiel gegen Hertha BSC.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski