
Saïd El Mala im Interview: "Noch gar nicht richtig realisiert"
Saïd El Mala gehört aktuell zu den großen Hoffnungsträgern beim 1. FC Köln – und hat sich mit seinen Leistungen erneut für die deutsche Nationalmannschaft empfohlen. Im Bundesliga-Interview spricht der Offensivspieler über seinen rasanten Aufstieg, die gestiegenen Erwartungen in Köln, das besondere Verhältnis zu seinem Bruder Malek und das anstehende Duell mit Bayer 04 Leverkusen.
Bundesliga: Wie hast du erfahren, dass du erneut für die Nationalmannschaft nominiert wurdest? Und warst du nach deinen letzten Auftritten überrascht über die erneute Einladung?
Saïd El Mala: Normalerweise bekommt man einen Anruf vom Bundestrainer. Ich glaube, der kam am Dienstag. Ich habe ihn zuerst nicht gesehen und dann zurückgerufen. Ich habe mich gefreut, dass er sich entschieden hat, mich wieder mitzunehmen. Das zeigt mir, dass ich etwas richtig mache. Ich freue mich darauf, nächste Woche wieder dabei zu sein, und werde alles geben.
Meiner Meinung nach waren meine ersten beiden Länderspiele nicht so gut. Deshalb hätte ich es auch verstehen können, wenn ich nicht wieder nominiert worden wäre. Aber ich glaube, dass ich zuletzt einige gute Leistungen gezeigt habe, und das ist das, was zählt. Das hat er wahrscheinlich auch gesehen. Deshalb freue ich mich sehr darüber.
Bundesliga: Wie erlebst du den großen Hype um deine Person bei den Kölner Fans?
Saïd El Mala: Ich glaube, ich fange langsam an zu realisieren, wie extrem das Ganze ist, aber so richtig angekommen ist es bei mir noch nicht. Ich glaube, es ist schon außergewöhnlich, weil es so etwas in Köln wahrscheinlich schon länger nicht mehr gegeben hat. Das macht mich glücklich. Ich mag es und liebe es, wenn Kinder zu mir kommen – egal, ob beim Training oder privat. Für die Kinder nehme ich mir immer Zeit. Es macht mich einfach glücklich, dass ich für junge Kinder, die zu mir aufschauen, so ein Vorbild sein kann. Das ist wirklich cool.
Bundesliga: Mit dieser Rolle kommt auch eine gewisse Verantwortung. Spürst du die besonders, seit du die Nummer zehn trägst?
Saïd El Mala: Zu 100 Prozent. Das ist schon eine große Verantwortung. Gerade jetzt nach dem Wechsel der Rückennummer ist es noch einmal etwas anderes, das merkt man definitiv. Aber ich glaube, dass die Erwartungen auch vorher schon sehr, sehr hoch waren. Ich komme damit gut klar. Ich versuche, das nicht zu nah an mich heranzulassen und einfach das zu machen, was ich liebe: Fußball spielen – am besten mit einem freien Kopf. Natürlich funktioniert das nicht immer, aber ich glaube, ich bekomme das ganz gut hin.
Natürlich ist die Nummer zehn etwas Besonderes. Wenn man schaut, welche großen Namen diese Nummer hier schon getragen haben, möchte man sie natürlich auch gut repräsentieren. Bei einem so großen Verein ist es keine Selbstverständlichkeit, diese Nummer tragen zu dürfen. Aber ich habe mich darauf vorbereitet und denke, dass ich es bislang ganz ordentlich gemacht habe.

Bundesliga: Konntet ihr den besonderen Moment mit deinem Bruder Malek inzwischen verarbeiten?
Saïd El Mala: Ja, eigentlich schon am Tag danach. Aber natürlich war dieser Moment einmalig. Vor dem Spiel hätte ich mir wahrscheinlich nicht vorstellen können, dass so etwas passiert. Ich wusste aber zu 100 Prozent, dass seine Chance irgendwann kommen würde.
Ob wir dann gemeinsam auf dem Platz gestanden hätten oder nicht, wäre für mich gar nicht so entscheidend gewesen. Aber dass wir zusammen auf dem Platz sein konnten und dann auch noch sein erstes Tor und seinen Einsatz feiern konnten, war natürlich großartig.
Meine Mutter hatte am nächsten Tag keine Stimme mehr. Sie hat mich angerufen und ich habe gefragt: "Mama, was ist passiert?" Sie meinte: "Ich habe zu viel geschrien." Das ist natürlich schön. Die Familie war da. Ich freue mich extrem für Malek. Ich glaube, das habe ich inzwischen oft genug gesagt. Jeder hier hat sich für ihn gefreut, weil man sieht, wie hart er arbeitet. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis er sein Tor macht und seine Chance bekommt.
Bundesliga: Deine Mutter war also auch im Stadion. Wer hat sich über Maleks Tor mehr gefreut – du oder er?
Saïd El Mala: Natürlich war Mama da. Sie sind immer dabei. Die Menschen, die wir lieben, sind immer da, auch auswärts. Natürlich war es für sie wunderschön, so etwas von der Tribüne aus zu erleben.
Ich würde sagen, ich habe mich mehr gefreut. Aber natürlich war er auch sehr, sehr glücklich. Für mich war das so ein Moment, in dem ich kurz dachte: "War das gerade wirklich Malek?" Dann habe ich es gesehen und es war schon ziemlich unglaublich.
Bundesliga: Wer von euch war als Kind anstrengender? Und wer ignoriert heute eher den Familien-Gruppenchat?
Saïd El Mala: Ich war schon ein ziemliches Problemkind, würde ich sagen – sowohl in der Schule als auch zu Hause. Ich habe viel Quatsch gemacht und allen zu Hause immer wieder Kopfschmerzen bereitet. Malek war eher der Ruhige. Aber ich glaube, inzwischen bin ich ein bisschen ruhiger geworden.
Den Familienchat ignoriert definitiv Malek. Zu 100 Prozent. Ich sage ihm immer: "Kannst du auch mal etwas reinschreiben oder wenigstens deine Meinung sagen?" Aber bei solchen Sachen ist er sehr ruhig.

Bundesliga: Bedient er sich dafür bei deinen Klamotten und bestimmt die Musik im Auto?
Saïd El Mala: Er bedient sich gerne an meinem Kleiderschrank, weil wir dieselbe Größe tragen. Und wenn er bei mir mitfährt, gibt es bei Spotify inzwischen diese Funktion, bei der man sich mit dem eigenen Handy zu einer Playlist dazuschalten kann. Dann macht er immer seine Musik an.
Bundesliga: Was war euer lustigstes gemeinsames Erlebnis?
Saïd El Mala: Da könnte ich einige nennen. Die Frage ist nur, ob ich die erzählen möchte. Es gibt schon ein paar Momente, die Malek und ich zusammen erlebt haben, aber ich glaube, es ist besser, diese Geschichten nicht zu erzählen. Der Moment, den wir jetzt gerade gemeinsam erlebt haben, war aber natürlich auch schön.
Bundesliga: Was ist der größte Unterschied zwischen euch beiden?
Saïd El Mala: Ich glaube, Malek ist schüchterner. Das merkt man auch daran, dass eigentlich jeder, der uns zum ersten Mal kennenlernt, zu mir sagt, dass mein Bruder zurückhaltender ist. Aber wenn man ihn das zweite, dritte oder vierte Mal trifft, merkt man, dass er eigentlich ganz anders ist. Ich bin gegenüber fremden oder anderen Menschen wahrscheinlich einfach offener.
Bundesliga: Gibt es auf der anderen Seite etwas, worin ihr euch besonders ähnlich seid?
Said El Mala: Nicht wirklich etwas, das niemand weiß. Wir sind uns eigentlich ziemlich ähnlich. Ich würde sagen, viele Dinge, die die Leute über mich wissen, treffen auch ziemlich gut auf ihn zu.
Bundesliga: Malek bezeichnet dich offenbar als etwas verpeilt. Stimmt das?
Saïd El Mala: Ja, manchmal bin ich wirklich verpeilt, weil ich nicht richtig zuhöre oder mit meinen Gedanken woanders bin. Dem kann ich schon zustimmen. Aber er selbst ist eigentlich gar nicht so verpeilt. Ich weiß gar nicht, warum er das gesagt hat. Aber damit kann ich leben. Alles gut.
Bundesliga: Welche fußballerische Qualität deines Bruders hättest du gerne selbst?
Saïd El Mala: Sein Pressing. Ich finde, dass er gegen den Ball wirklich sehr, sehr gut presst. Er läuft die Gegner sehr aggressiv an, gerade wenn man bedenkt, wie groß und lang er ist. Dazu hat er auch ordentlich Tempo. Deshalb ist sein Pressing für den Gegner wirklich unangenehm.

Bundesliga: Wie bereitet ihr euch auf das Duell mit Leverkusen vor und welche Bedeutung hat dieses Spiel für dich?
Saïd El Mala: Ich glaube, man bereitet sich darauf vor wie auf jedes andere Spiel. Am Ende ist es ein Bundesliga-Spiel, vielleicht mit einem etwas anderen Hintergrund. Ein kleines Rheinderby. Ist es ein Rheinderby? Man könnte es so nennen. Oder ein Nachbarschaftsduell. Nachbarschaftsduell ist besser.
Wir bereiten uns genauso vor wie immer. Wir arbeiten viel mit Videos und schauen uns alles an, genau wie vor jedem anderen Spiel. Der einzige Unterschied ist vielleicht, dass die Atmosphäre im Stadion am Spieltag noch einmal ganz anders sein wird. Die Fans wollen diesen Sieg unbedingt, genau wie wir. Und bei solchen Spielen kann es auf dem Platz dann auch etwas unangenehmer werden. Aber darauf sind wir vorbereitet.
Bundesliga: Liegt dir diese aufgeheizte Atmosphäre?
Saïd El Mala: Damit habe ich grundsätzlich kein Problem. Ich mag das sogar, weil das Spiel dann hitziger wird und mehr Tempo bekommt. Ich glaube, für die Fans ist es dann auch spannender zuzuschauen.
Wenn man sich einige Spiele oder einfach mich anschaut, sieht man, dass ich die Fans gerne mitnehme und auch sehr emotional bin. Ich glaube, das ist als Fußballer völlig normal, gerade bei solchen wichtigen Spielen. Auf dem Platz bin ich definitiv ein sehr emotionaler Mensch.
Bundesliga: Wie wird Malek deiner Meinung nach mit dieser besonderen Bundesliga-Atmosphäre umgehen?
Saïd El Mala: Ich würde sagen, dass Malek etwas ruhiger ist als ich. Er ist grundsätzlich ein ruhigerer Typ. Ich rede deutlich, deutlich mehr als er. Aber ich könnte mir vorstellen, dass sich das verändert, wenn er immer mehr Einsätze bekommt.
Ich glaube, bei der U 20 hat er auch schon ein paar Gelbe Karten für Dinge bekommen, die aus der Emotionalität heraus entstanden sind. Deshalb glaube ich schon, dass diese Seite von ihm auch in der Bundesliga noch zum Vorschein kommen wird. Da bin ich mir ziemlich sicher.
Bundesliga: Was kannst du von Rudi Völler lernen? Hast du dich mit seiner Karriere beschäftigt?
Saïd El Mala: Während der letzten Länderspielpause sind Rudi Völler und ich zusammen zurück nach Düsseldorf geflogen und haben uns ein bisschen unterhalten. Er hat mir einige Dinge erzählt. Natürlich kann man von jemandem wie ihm viel lernen.
Ich glaube, er ist für sehr, sehr viele Menschen ein großes Vorbild – vielleicht eher für die ältere Generation als für die jüngere. Ich selbst habe ihn nie live spielen sehen, aber natürlich liest und hört man viel darüber, was er erreicht hat. Deshalb kann man definitiv sehr viel von ihm lernen.
Er muss mir auch gar nicht all seine Erfolge erzählen, weil ich glaube, dass die hier in Deutschland sowieso jeder kennt. Wir haben uns einfach ein bisschen unterhalten, auch über private Dinge.