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Fünf Gründe, warum RB Leipzig gegen Paris Saint-Germain gewinnt

Am 18. August trifft RB Leipzig im Halbfinale der Champions League auf PSG. Nach dem Coup gegen Atletico Madrid wollen die Sachsen gegen Neymar und Co. ins Finale einziehen.

Von diesem Schock konnte sich Neymar noch recht schnell erholen. In einem Instagram-Video wird der Superstar von Paris Saint-Germain beim Verlassen seines Hotelzimmer von Teamkollege Thiago Silva fast zu Tode erschreckt. Nachdem er panisch zusammenfährt und seinem Landsmann ein paar nicht so nette Worte entgegenbrüllt, kann er danach schnell wieder lachen. Der Dienstagabend könnte für den Brasilianer und sein Team dagegen ein nachhaltiger Schock werden, denn: RB Leipzig plant den nächsten CL-Coup! Nach dem 2:1-Coup gegen Atletico Madrid will die Mannschaft von Julian Nagelsmann auch PSGs Titelträume zerstören und selbst ins Finale einziehen - einiges spricht dabei für die Sachsen!

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1) Bank-Trümpfe: Nagelsmann hat die Qual der Wahl

"Für Emil tut es mir leid", sagte Julian Nagelsmann nach dem Halbfinaleinzug. Für das Duell mit Atletico hatte sich der Coach im offensiven Mittelfeld gegen Emil Forsberg und für Dani Olmo entschieden: "Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen". Um beim Stand von 1:1 die defensive Stabilität zu erhöhen, brachte er dann nicht Forsberg, sondern Tyler Adams. Der 21-jährige US-Amerikaner erzielte kurz vor Schluss das Siegtor, ließ Nagelsmanns Plan perfekt aufgehen und unterstrich, dass Leipzigs Kader auch in der Breite höchsten Ansprüchen genügt. Wohl dem, der es sich leisten kann, Patrick Schick oder eben Adams erst in der Schlussphase zu bringen - und einen Forsberg sogar ganz auf der Bank zu lassen. Gegen einen Gegner mit technischerem Fokus könnten Forsbergs Qualitäten nun wieder gefragt sein. So oder so: Nagelsmann hat die Qual der Wahl - von allen Schwierigkeiten im Leben eines Fußballtrainers ist das die schönste.

2) Abwehrgigant Upamecano

Für den am Boden sitzend reklamierenden Diego Costa hatte der "Man of the Match" nur einen mitleidigen Blick übrig. Dayot Upamecano, 21 Jahre alt, machte Costa, dem spanischen CL-Finalisten von 2014, gleich im ersten Zweikampf klar, dass für ihn und Atletico an diesem Abend nichts zu holen sein würde. "Da waren die Claims abgesteckt", sagte Trainer Nagelsmann nach dem Spiel stolz über den "Boss-Auftritt" seines Abwehrchefs. Mit einem überragenden Auftritt mit 92% angekommener Pässe, 82% gewonnener Zweikämpfe und einer handvoll heroischer Rettungsaktionen in letzter Linie verdiente Upamecano sich die offizielle UEFA-Auszeichnung und wurde anschließend international gefeiert. Die englische Fußball-Legende Gary Lineker etwa twitterte während des Spiels: "Highlight des Spiels bisher ist es, dem überragenden Dayot Upamecano zuzuschauen." Der Franzose stehe vor einer großen Zukunft. Die beginnt für den 1,86 m großen "Abwehr-Bullen" nun mit dem Duell gegen seine Landsmänner ...

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Upamecano machte gegen Atletico und Diego Costa ein überragendes Spiel - Peter Schatz/Peter Schatz / Pool

3) Franzosen-Bonus

"Deutschland gegen Frankreich" lautet die Überschrift der beiden Halbfinals Leipzig gegen Paris und Bayern gegen Lyon. Im Fall von RB spiegelt das das Verhältnis aber nicht ganz wider: Mit Upamecano, Christopher Nkunku, Nordi Mukiele und dem verletzten Ibrahima Konaté stehen vier Franzosen auf Seiten der "Deutschen". Nkunku wechselte erst vor einem Jahr von PSG in die Bundesliga, verpasste in dieser CL-Saison kein einziges Spiel. Der Vorteil, die Absprachen des Gegners in seiner Muttersprache zu verstehen, dürfte sich zwar eher nicht ergeben, da bei PSG nach der erwarteten Rückkehr von Angel di Maria, Marco Verratti und Kylian Mbappé in die Startelf mit letzterem und Innenverteidiger Presnel Kimpembe zunächst vermutlich nur zwei Franzosen auf dem Feld stehen werden. Dass ganz Fußball-Frankreich das Spiel sehen wird, dürfte aber ein kräftiger Motivationsschub für die RB-Franzosen sein, die sich allesamt für ihr erstes A-Länderspiel empfehlen wollen.

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4) Nagelsmann gegen den "Lehrmeister"

Im Halbfinale, in dem erstmals in der Geschichte des Wettbewerbs drei Trainer der gleichen Nationalität stehen, kommt es zum Duell "Meister gegen Lehrling" zwischen PSG-Coach Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann. Tuchel, vor rund 13 Jahren Nagelsmanns Trainer in der zweiten Mannschaft des FC Augsburg, erkannte als erster das Trainer-Potenzial im von Verletzungen geplagten Spieler Nagelsmann: "Thomas sagte zu mir, ich solle doch Trainer werden, wenn ich nicht mehr spielen könne. Er glaube, dass ich talentiert sei dafür, durch die Art und Weise, wie ich ticke und wie ich spreche." Wie richtig Tuchel mit seiner Einschätzung lag, wird ihn in dieser Woche weniger freuen: Ausgerechnet sein einstiger Lehrling steht nun zwischen ihm und dem in Paris so ersehnten ersten Einzug ins CL-Finale.

Die Bilanz der bisherigen Trainer-Begegnungen (zwei Siege für Tuchel, ein Unentschieden) spricht dabei zwar für den "Meister". Nagelsmann sagt dazu: "Zu Hoffenheimer Zeiten haben wir gegen Tuchels Dortmund immer gut gespielt, aber selten gewonnen." In der Tat ging Nagelsmanns Team in diesen Duellen drei Mal in Führung, brachte sie aber jeweils nicht ins Ziel. "Das soll sich jetzt mal ändern", gibt der 33-Jährige vor, der Tuchels "gute Idee von Fußball" aus nächster Nähe studiert hat und, im Vergleich zu den früheren Duellen, auf die verblüffende Abgezocktheit bauen kann, die seine Truppe gegen Atletico gezeigt hat.

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5) Anführer Sabitzer

Leistungsträger ist er schon lange, doch in dieser Saison ist Marcel Sabitzer bei RB zur Schlüsselfigur geworden. "Der Hauptgrund, warum er derzeit anders wahrgenommen wird", erklärt Nagelsmann, "ist, dass er mehr Tore schießt und vorbereitet. Er macht das sehr gut." So lauten die lobenden Worte von Trainer Julian Nagelsmann über Marcel Sabitzer, der sich im Laufe dieser Saison als Vertreter von Kapitän Willi Orban zu einem echten Führungsspieler entwickelt hat. Vor allem in den internationalen Spielen drehte der Österreicher auf: Kein Leipziger erzielte in dieser Saison mehr Champions-League-Tore (vier) und gab mehr Vorlagen (zwei) als Sabitzer. Unvergessen: Sein traumhafter Außenrist-Halbvolley zum 2:1-Sieg in der Gruppenphase gegen Zenit St. Petersburg. Auch im Viertelfinale gegen Atletico war der Österreicher Dreh- und Angelpunkt, bereitete das 1:0 mit einer Musterflanke auf Torschütze Dani Olmo vor. "Ich habe mir immer mehr Torgefahr aus dem Mittelfeld gewünscht. Marcel setzt das perfekt um und ist dadurch für uns ein wichtiger Spieler."