Frankfurt - Kevin Trapp ist beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) kein Unbekannter. Sechsundzwanzigmal hat er das Trikot mit dem Bundesadler schon getragen, von der U 18 (viermal), der U 19 (fünfmal), der U 20 (sechsmal) bis zur U 21 (elfmal) war er immer fester Bestandteil der jeweiligen Junioren-Nationalmannschaften.

Nun klopft der Torwart der Frankfurter Eintracht an das Tor der "richtigen" Nationalmannschaft. Mit seiner überragenden Leistung beim Heimspiel gegen den FC Schalke 04 könnte er am letzten Samstag einen großen Schritt getan haben. Denn auf der Tribüne saß mit Andreas Köpke der Torwarttrainer der Nationalmannschaft, der dem Bundestrainer sicher nur Gutes berichtet haben wird. "Ich will darüber nicht groß reden", sagt Trapp, "aber jeder weiß, dass es mein großer Traum wäre, einmal Nationalmannschaft zu spielen."

In kürzester Zeit zurück zur Bestform

In den vergangenen Jahren haben zwei schwere Verletzungen verhindert, dass der in Kaiserslautern bei Gerry Ehrmann ausgebildete Keeper seinem Traum schon ein Stück näher gekommen ist. Erst hat er sich im Frühjahr 2013 die Mittehand gebrochen, ausgerechnet bei einem Werbetermin des DFB. Trapp musste damals schweren Herzens die Teilnahme an der U 21 Europameisterschaft in Israel absagen. Und im letzten Herbst, genau am 23.September, hat er sich beim Heimspiel gegen Mainz 05 einen Riss des Syndesmosebandes im rechten Fuß zugezogen. Erst mit Beginn der Rückrunde ist er wieder ins Frankfurter Tor zurückgekehrt und hat innerhalb kürzester Zeit seine Bestform wieder erreicht.
 
Beim 2:2 in Augsburg war er Frankfurts Bester, hatte mit glänzenden Paraden verhindert, dass die Eintracht "nur" einem 0:2-Rückstand hinterherlaufen musste. "Kevin hat uns im Spiel gehalten", hatte Vorstandschef Heribert Bruchhagen gelobt. Gegen Schalke am letzten Samstag war Trapp das der Garant für das von allen bei der Eintracht so sehnlichst erwartete "zu Null". Hinterher gab es wahre Lobeshymnen. "Trapp war Frankfurts Bester", sagte der Schalker Trainer Roberto di Matteo (Stimmen). "Trapp war einfach Klasse", formulierte Bruchhagen diesmal. "Es gibt Spiele, da bringt der Torwart drei Punkte, heute war so eins", sagte Finanzvorstand Axel Hellmann. "Weltklasse", jubelte Aufsichtsrat Philipp Holzer. Und Trainer Thomas Schaaf gab seiner Nummer eines die Note eins. "Er ist ein Torwart der mitspielt, einer, der da ist, wenn es eng wird", sagte Schaaf, "wir sind froh, dass wir ihn haben".

Kevin Trapps Saison-Statistiken: Mit 38 gehaltenen Torschüssen - trotz Verletzung! - ist der Torhüter der große Rückhalt bei Eintracht Frankfurt.

Der 24 Jahre alte Keeper zeichnete sich einmal mehr vor allem in sogenannten „eins-zu-eins“-Situationen aus, rettete gegen Christian Fuchs, Marco Höger und Eric Maxim Choupo-Moting mit größtem Einsatz. "Da hat er Kopf und Kragen riskiert", sagte Hellmann bewundernd. Der so Gelobte blieb bescheiden. "Ich spreche generell nicht über meine Leistung, das sollen andere tun", sagte Trapp, "aber es wurde in jedem Fall mal Zeit, dass wir zu Null gespielt haben." Trapp überzeugte nicht nur in den direkten Duellen oder auch bei Paraden gegen Weitschüsse, er zeigte einmal mehr, dass er dem Ideal des modernen Torwartspiels, personifiziert vom Münchner Manuel Neuer, immer näher kommt. Er ist ein "mitspielender" Torwart, einer, der weit vor seinem Tor retten kann, dem es auch gelingt, gute Pässe zu schlagen.

Bis 2019 bei der Eintracht 

Trapp ist ein Profi, der die Verantwortung sucht und sie mit dem Kapitänsamt von Trainer Thomas Schaaf auch bekommen hat. "Er ist das Gesicht der Eintracht", sagte Sportdirektor Bruno Hübner. Trapp ist ein Mann der reiflichen Überlegung, Schnellschüsse sind nicht sein Ding. So gesehen war seine vorzeitige Vertragsverlängerung um drei Jahre bis zum Sommer 2019 für die Eintracht eine richtungweisende Entscheidung. "Ich habe viele Dinge in meine Entscheidung einfließen lassen", sagte Trapp, "ich bin überzeugt von den Perspektiven des Klubs und habe vollstes Vertrauen zu den handelnden Personen bei der Eintracht. Wenn ich durch Frankfurt laufe, sehe ich das Potential, das diese Stadt hat. Das Stadion, die Fans, das Umfeld sind einfach sensationell", sagte er, "für mich ist das genau die richtige Plattform."

Auch ein Signal des Bundestorwarttrainers hat ihn bestärkt, in Frankfurt zu bleiben. Köpke, einst ebenfalls bei der Eintracht zwischen den Pfosten, hatte vor Kurzem erst erklärt, dass man auch über die Eintracht in die Nationalmannschaft kommen könne. "Es spricht nichts dagegen", hatte Köpke gesagt und Trapp damit die Vertragsunterschrift noch etwas leichter gemacht.
 
Bei der Eintracht sind sie darüber glücklich. "Mit dieser Unterschrift haben wir eindrucksvoll bewiesen, dass wir in der Lage sind, unsere Leistungsträger zu halten", sagte Manager Hübner. Nach Alexander Meier, Stefan Aigner und Bamba Anderson war Trapp schon der dritte, der einen neuen langfristigen Vertrag unterzeichnet hat. Carlos Zambrano und Bastian Oczipka sollen nun die nächsten sein.

Josef Schmitt