Mit seiner energischen Körpersprache motiviert Kimmich auch seine Mitspieler - © imago images / Sven Simon
Mit seiner energischen Körpersprache motiviert Kimmich auch seine Mitspieler - © imago images / Sven Simon
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Joshua Kimmich überragt bei Bayern München und im DFB-Team

Köln - Deutscher Meister, zweitbester Vorlagengeber und auch im "Team of the Season" ist er – natürlich – vertreten. Hinter Joshua Kimmich liegt eine überragende Saison. Seine vierte Spielzeit in Diensten des FC Bayern München brachte dem 24-Jährigen die vierte Meisterschaft und den nächsten Schritt in der clubinternen Hierarchie. Kimmich ist eine prägende Figur beim Rekordmeister - und immer mehr auch im Spiel der Nationalmannschaft.

Auch diese Auszeichnung ließ sich Joshua Kimmich nicht entgehen: Neben Torschützenkönig Robert Lewandowski steht er als einer von zwei Spielern des FC Bayern München im "Team of the Season". "Natürlich" will man fast sagen, hat man sich in München wie in Fußball-Deutschland doch längst an die Top-Leistungen von Bayerns Nummer 32 gewöhnt. Diese eine Statistik beeindruckt dann aber doch: In der abgelaufenen Saison bereitete Kimmich 13 Tore vor, einzig Dortmunds Außenstürmer Jadon Sancho (14) liegt in dieser Wertung vor ihm. Dabei ist Kimmich "hauptberuflich" Abwehrspieler. Der Rechtsverteidiger überragt fast beiläufig.

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Im DFB-Team als Mittelfeldspieler im Einsatz

Im DFB-Team kommt Kimmich zuletzt im häufiger als defensiver Mittelfeldspieler zum Einsatz - und überzeugte zum Abschluss einer langen Saison bei den Siegen gegen Weißrussland und Estland auch dort einmal mehr als Antreiber mit viel Übersicht. Dass er in beiden Partien jeweils noch einen Treffer vorbereitete, versteht sich beinahe von selbst.

Egal wo also, Kimmich liefert auf höchstem Niveau mit einer Selbstverständlichkeit, die an seinen prominenten Vorgänger im Bayern- und Nationalmannschaftstrikot erinnert: Philipp Lahm prägte Bayerns Viererkette über ein Jahrzehnt, führte das Team 2013 als Kapitän zum historischen Triple und wurde insgesamt acht Mal Deutscher Meister. Kimmich feierte gerade seine vierte Meisterschaft. Rein theoretisch könnte er noch vor Vollendung seines 30. Lebensjahrs den gerade aufgestellten Rekord von Franck Ribery einstellen, der als einziger Spieler neun Mal die "Schale" holte.

Kimmich gegen Sancho – die Top-Vorbereiter der Bundesliga im direkten Duell - 2019 DFL

"Kimmich ist ein Mentalitätsspieler"

Derlei Fantastereien würde der 42-fache Nationalspieler selbst umgehend zurückweisen. Der Junge aus Rottweil ist nicht so weit gekommen, weil er seinen Träumen nachhängt. Kimmich visiert Ziele an und verfolgt sie mit Disziplin und Vehemenz. Eiserner Siegeswille und permanente Leistungsbereitschaft ließen den 1,76 m kleinen Rechtsfuß schon in der Jugend herausragen. Groß geworden in der Nachwuchsabteilung des VfB Stuttgart, wechselte er 2013 als A-Jugendlicher zu RB Leipzig, hatte als Stammspieler im zentralen Mittelfeld erheblichen Anteil am Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga. "Tiki-Taka mit zwei Kontakten ist da nicht, da lernt man Männerfußball", beschreibt er seine Zeit in den unteren Profi-Spielklassen.

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2015 zeichnete Matthias Sammer für seinen Transfer zum Deutschen Rekordmeister verantwortlich: "Joshua Kimmich ist ein Mentalitätsspieler", hebt der frühere Bayern-Sportvorstand eine entscheidende Stärke des gelernten "Sechsers" hervor. Eine Qualität, die ihn in Sammers Augen für die höchsten Spielerämter in Fußball-Deutschland qualifiziert: "Er wird früher oder später Kapitän, ein Führungsspieler bei den Bayern und auch bei der Nationalmannschaft." Nachdem er die "Lahm-Lücke" als Rechtsverteidiger ebenso geräuschlos wie selbstverständlich geschlossen hat, wäre mit der "Binde" an Kimmichs Oberarm auch der zweite Teil der in ihn gesetzten Hoffnungen als Nachfolger des Weltmeister-Kapitäns erfüllt.

Im DFB-Team spielt Kimmich oft im Mittelfeld - Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Gnabry: "Manchmal sage ich zu ihm: 'Jetzt fahr' mal runter!'"

Dass Kimmich kein offizielles Amt benötigt, um auch in jungen Jahren voranzugehen, belegt er mit jedem Spiel und jeder Trainingseinheit, und zwar lautstark: "Man sollte keine Angst davor haben, einem Jerome Boateng oder Thomas Müller etwas sagen zu wollen, oder Arjen Robben mal nach hinten zu holen." Die Kollegen akzeptieren und beherzigen die Kommandos des 24-Jährigen, lassen sich von Kimmichs Entschlossenheit mitreißen. "Er ist immer bei 200 Prozent“, erzählt Serge Gnabry, Kimmichs Kumpel seit Jugendtagen: "Manchmal sage ich zu ihm: 'Junge, jetzt fahr mal wieder 'nen Gang runter." Dass Kimmich diesen Rat grundsätzlich beherzigt, darf bezweifelt werden, denn er will immer mehr und immer weiter. Beim FC Bayern wird man sich drüber freuen.

Tim Wichmann