Zusammenfassung

  • Robert Lewandowski ist in der Torschützenliste derzeit "nur" auf Platz neun

  • Ist das die Chance, den Polen in dieser Saison vom Thron zu stoßen?

  • Wir stellen potenzielle Kandidaten vor

Köln - Wer holt die Torjägerkanone? Wird es wieder Robert Lewandowski von Rekordmeister FC Bayern München, der die Trophäe bereits dreimal hochstemmen durfte? Wenn ja, würde der polnische Nationalspieler in der Liste der häufigsten Titelträger Ulf Kirsten überholen. Dann hätte nur Gerd Müller (7) die Bundesliga-Saison häufiger als bester Torschütze abgeschlossen.

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Drei Treffer erzielte Lewandowski in den ersten sieben Spielen, er steht damit auf Rang neun der Bestenliste. Klar, mit der "Tormaschine" Lewandowski muss immer zu rechnen sein. Platz neun bedeutet aber auch: Acht Spieler haben sich schon vor ihn geschoben. Hat einer von ihnen das Zeug, den Bayern-Stürmer vom Thron zu stoßen?

Paco Alcacer (Borussia Dortmund)

Angenommen, 30 Tore reichten auch in dieser Saison für die Torjägerkrone – Paco Alcacer von Tabellenführer Borussia Dortmund hätte ein für einen Topspieler entspanntes Jahr vor sich. Hypothetisch, versteht sich. Denn die Hochrechnung besagt, dass der Spanier lediglich weitere 324 Minuten auf dem Platz stehen müsste, um die verbleibenden Treffer zum Erreichen der genannten Marke zu erzielen.

Video: Alcacers Dreierpack gegen Augsburg

Der 25-Jährige führt nach sieben Spieltagen und einem halben Dutzend Tore die Statistik an, und es wirkt nicht so, als sei das ein Strohfeuer. Denn Alcacer zeigte sich nicht nur bei seinem neuen Club besonders erfolgshungrig, sondern auch bei der Auswahl Spaniens. "Er ist im Moment gewaltig, weil er sich in einer Phase befindet, die Spieler nur selten erreichen", lobte Nationaltrainer Luiz Henrique und schloss an: "Was wir derzeit von ihm sehen, ist ein Wunder." Diese Worte könnten auch von Dortmunds Trainer Lucien Favre stammen. Der Schweizer wechselte den Angreifer beim Heimspiel gegen Augsburg ein – Alcacer erzielte drei Treffer und sicherte in letzter Sekunde per Freistoß den 4:3-Sieg. Wer soll diesen Mann bremsen?

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Ondrej Duda (Hertha BSC)

Sein Start in der Hauptstadt war schwierig. Als Duda im Sommer 2016 vom polnischen Erstligisten Legia Warschau zu Hertha BSC wechselte, warf ihn eine Verletzung der Patellasehne aus der Bahn. Etwas mehr als zwei Jahre später trifft er eine Aussage, die bei seiner durch Verletzungen und Sprachschwierigkeiten belasteten Vorgeschichte erstaunlich ist: "Ich bin jetzt endlich glücklich in Berlin." Und bei der Alten Dame sind sie glücklich, dass der slowakische Nationalspieler aufblüht: Fünf Tore hat er in den ersten sieben Runden schon geschossen.

Video: Ondrej Duda ist Herthas Spielmacher mit Torgefahr

Es gibt nur wenige Menschen, die sich einen Reim aus Dudas plötzlicher Leistungsexplosion machen können. Zum Vergleich: Dreimal lief er in seiner ersten Hertha-Saison auf, im zweiten Jahr waren es immerhin 24 Einsätze. Doch nicht einmal spielte er über die volle Distanz. Und jetzt? Berlins bester Torschütze glänzt nicht nur wegen seiner Ausbeute, sondern auch wegen seiner Beteiligung am Spiel. Der offensive Mittelfeldspieler verbucht die meisten Ballkontakte für sich, hat sich defensiv weiterentwickelt und ist taktisch gereift. Duda und die Hertha – das ist Liebe auf den dritten Blick. Die Konkurrenz ist gewarnt.

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Alassane Plea (Borussia Mönchengladbach)

Dieter Hecking hat das fehlende Puzzleteil seiner Wunschformation gefunden. Nicht bei wenigen Mannschaften war Borussia Mönchengladbach wegen der offensiven Wucht gefürchtet. Allein, es fehlte ein eiskalter Vollstrecker. Einer, der den Hauch einer Torchance nur erahnen musste, um zu treffen. Einer, der ein richtiger Neuner ist. Einer wie Plea eben.

Video: Alassane Plea - Mittelstürmer mit Torgarantie

Doch den 25-Jährigen lediglich darauf zu beschränken, wäre ungerecht. Plea ist kein Egoist, er arbeitet auch unermüdlich da, wo ihn eigentlich niemand sofort vermuten würde. "Ich bin ein Stürmertyp, der gern in die Tiefe geht, in die freien Räume", betont er. "Aber es macht mir natürlich auch Spaß, defensiv zu arbeiten, für die Mannschaft zu kämpfen und niemals aufzugeben. Und klar, auch Tore zu schießen. Das sind meine Qualitäten." Plea fühlt sich bei den Fohlen perfekt aufgehoben und lässt verlauten: "Seit ich hier bin, wird es von Tag zu Tag eigentlich besser."

Timo Werner (RB Leipzig)

Ist diese Saison wieder die des Timo Werner? In dem Jahr, als er sein Bundesliga-Debüt gab, führte bei der Prognose, wer am Ende die Torjägerkrone erhalten würde, kein Weg an dem Nationalspieler vorbei. 21 Treffer standen nach 31 gespielten Bundesliga-Partien für RB Leipzig zu Buche, in der vergangenen Saison waren es 13 nach 32 Spielen. Doch Werner ist darum bemüht und auf dem besten Weg, die eigene Statistik aufzuhübschen. Kein anderer Spieler im Fußball-Oberhaus hat in den ersten sieben Runden so oft aufs Tor geschossen wie der 22-Jährige. Die bisherige Bilanz: vier Treffer.

Video: Leipzig und Werner nehmen Nürnberg auseinander

Werner, über den Bundestrainer Joachim Löw urteilt, dass er einen "brutalen Zug zum Tor" habe, traf zuletzt gegen den 1. FC Nürnberg zweimal. Über sich selbst sagte er danach, dass er mental gefestigt sei: "Alle denken, dass ich der entscheidende Mann in einem Spiel sein kann, und daran werde ich gemessen. Damit kann ich allerdings gut umgehen. Auf dem Feld spüre ich keinen Druck." Eine markante Aussage, denn neben seiner Schnelligkeit und seiner Treffsicherheit verfügt der gebürtige Stuttgarter vor allem über eine besondere Eigenschaft: Kaltschnäuzigkeit.

Marco Reus (Borussia Dortmund)

Er gibt sich gern zurückhaltend, wenn er vor die Presse tritt. Dann ist Marco Reus ein ganz ruhiger und sachlich auftretender Zeitgenosse. Auf dem Platz wendet sich das Blatt natürlich. Wenn – ja wenn – der BVB-Kapitän da spielt, wo er eben gerne spielt. Wenn er als klassischer Zehner die Angriffsreihe vor sich hat. Dann wird Borussia Dortmund auch dank seiner Allzweckwaffe zu einer kaum aufzuhaltenden Offensivmaschine.

Video: Marco Reus ist Favres Schlüsselspieler

Seit der 29-Jährige wieder im offensiven Mittelfeld spielt, ist der BVB unberechenbar. Alle Spiele, in denen Reus als Zehner agierte, hat Dortmund gewonnen. Und der Kapitän steuerte einen immensen Anteil bei: Drei Tore schoss er selbst, zwei weitere bereitete er vor. In dieser Saison jedoch ist noch etwas anders: Reus ist wegen seiner Rolle als Kapitän auch als Spieler deutlich gereift. Seine Körpersprache belegt das eindrucksvoll. Der Angreifer hat Kraft und Selbstbewusstsein geladen. Das macht ihn zu einem ernsthaften Anwärter auf die Trophäe.

Dominik Hamers