Zusammenfassung

  • Paco Alcacer erzielt für den BVB als Joker einen Dreierpack
  • Inzwischen führt der Spanier die Torjägerliste an
  • Bundesliga-Rekord: Noch nie hat ein Spieler für seine ersten sechs Treffer nur 81 Minuten gebraucht

Dortmund - Mit seinem Dreierpack als Joker hat Paco Alcacer nicht nur Borussia Dortmund in einem wahnsinnigen Spiel den 4:3-Sieg über den FC Augsburg gerettet. Der Spanier schrieb damit zugleich in der Bundesliga eine historische Bestmarke und rückte an die Spitze der Torjägerliste vor – keine Frage, dass da ein Erinnerungsstück her musste.

>>> Zum Spielbericht: Der Alcacer-Wahnsinn gegen Augsburg

Als Paco Alcacer frisch geduscht aus dem Kabinentrakt schlenderte, baumelte an seinem Handgelenk eine BVB-Tüte. "Souvenirs aus der Fußballhauptstadt" stand dort Gelb auf Schwarz zu lesen und in der Tüte hütete der Spanier stolz den Spielball der Partie. Unmittelbar nach dem Abpfiff hatte sich der Stürmer das gute Stück unter den Arm geklemmt - und den Ball dann nicht mehr hergegeben. Denn solche verrückten Spiele erlebt auch ein Paco Alcacer nicht jeden Tag.

Bundesliga-Rekord: Sechs Treffer in 81 Minuten

In der sechsten Minute der Verlängerung hatte er den Ball per Freistoß ins Augsburger Tor gezirkelt und der Borussia den Last-Second-Erfolg gegen ebenso tapfere wie mutige Augsburger beschert. Eigentlich hatte sich Raphael Guerreiro die Kugel schon zurecht gelegt, doch dann schnappte sich Paco kurzerhand den Ball – und schlenzte ihn mit vier Schritten Anlauf geradewegs hinein ins Dortmunder Glück. "Schon am ersten Tag, als er bei uns war, hat er im Training gleich mal ein paar Freistöße reingehauen. Jetzt haben wir alle gehofft, dass er ihn reinmacht. Und er macht ihn sensationell rein", strahlte BVB-Kapitän Marco Reus übers ganze Gesicht.

© imago / Jan Huebner

Pacos drittes Tor an diesem Tag, und das alles in einer guten halben Stunde. In der 59. Minute hatte Lucien Favre seinen Angreifer für Maximilian Philipp aufs Feld geschickt. Insgesamt stand Alcacer bislang bei keinem seiner drei Einsätze in der Bundesliga in der Startelf, hat überhaupt erst 81 Bundesligaminuten absolviert – und hat jetzt trotzdem schon stolze sechs Treffer auf dem Konto. Das hat es in 56 Jahren Bundesliga noch nie zuvor gegeben.

Mit dieser Traumquote ist Paco aktuell natürlich der absolute Jokerkönig. Und hat sich mit seinem Sixpack ganz nebenbei mal eben als Klassenprimus an die Spitze der Torjägerliste gesetzt. Lob wehrte der Nationalspieler trotzdem bescheiden ab, der nach längerer Pause auch wieder im spanischen Kader für die nächsten Länderspiele steht. Natürlich seien Tore für einen Stürmer wichtig. "Aber die Mannschaft steht im Vordergrund. Ich versuche immer, der Mannschaft zu helfen."

Video: Das ist Paco Alcacer

Das allerdings gelingt Paco Alcacer auf eine so beeindruckende Weise, dass der 25-Jährige damit sogar seine prominenten Vorgänger im schwarz-gelben Trikot im Schnellverfahren in den Schatten stellt. Denn mindestens sechs Treffer nach sieben Spieltagen, das war für den BVB zuletzt Pierre-Emerick Aubameyang gelungen. In der Vorsaison stand der Gabuner zu diesem Zeitpunkt sogar bei acht Toren – stand aber auch in allen Partien in der Startelf. Eine andere Zahl macht noch deutlicher, wie explosiv Paco Alcacer auf dem Platz ist. Aubameyang hatte bis zu seinem sechsten Saisontor 490 Spielminuten benötigt. Der Spanier erledigte das in besagten 81 Minuten im wahrsten Sinne des Wortes im Rekordtempo.

Auf den Spuren von Nobby Dickel

Mit seinen drei Jokertoren in einem Spiel wandelt der neue Dortmunder Stürmerstar übrigens auf den Spuren einer BVB-Legende. Vor über 30 Jahren, im September 1988, hatte Norbert Dickel als Einwechselspieler gegen Hannover 96 einen lupenreinen Hattrick erzielt. "Nobby" ist heute Kult bei der Borussia – und Paco mit seiner Leistung auf bestem Weg dazu. Und vielleicht knackt die Leihgabe des FC Barcelona ja im Laufe der Spielzeit auch noch den All-Time-Rekord an Jokertoren in einer Saison. Diese Bestmarke halten in der Bundesliga derzeit noch Nils Petersen und Viorel Ganea mit neun Treffern.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte