Dortmund - Wieder hat der BVB auf Europas Bühne sein bestes Gesicht gezeigt und dabei einen Uralt-Rekord geknackt, der auch noch als gutes Omen dient. Und dieses Mal sollen Schwung, Stabilität und Selbstvertrauen endlich auch mitgenommen werden in die Bundesliga.

Nach dem souveränen 4:1-Erfog über Galatasaray Istanbul gingen die Gedanken der Spieler geradewegs zum nächsten Spiel gegen Mönchengladbach. "Wir haben alle die Ergebnisse aus der Bundesliga im Kopf", bekannte Lukasz Piszczek, der sich mit seinem schönen Steilpass auf Marco Reus den Assist für das erste Tor gutschreiben durfte. "Wir arbeiten daran, dass wir aus diesem Loch in der Liga wieder heraus kommen. Gladbach wird ein starker Gegner sei, aber wir brauchen jetzt mal drei Punkte in der Bundesliga."

Stolz über Rekord-Start erlaubt

Keine Frage: Ausruhen will sich auf dem Sieg über Istanbul und dem vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale niemand in Reihen der Dortmunder Borussia. Dabei gibt es eine ganze Reihe von Gründen, warum man sich durchaus mal so richtig freuen kann und auch ein bisschen stolz sein darf. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte hat der BVB die ersten vier Gruppenspiele gewonnen. Saisonübergreifend war es gar schon der fünfte Sieg in Serie. Dortmund stellt mit 13 Treffern die beste Offensive unter Europas Eliteclubs.

Und dann gibt es da ja noch jene Bestmarke aus dem Jahre 1995, die der BVB am Dienstag eingestellt hat. Zum letzten Mal war es vor 19 Jahren Juventus Turin, das ebenfalls mit vier Siegen und einer Tordifferenz von zwölf Treffern in die Champions League gestartet war. Dass die Italiener nach diesem imposanten Auftakt am Ende der Saison auch den europäischen Titel holten, ist eine durchaus schöne Randnotiz.

Klopp will Tor-Timing "gerne einpacken"

Dieser Verweis auf die Historie dürfte Jürgen Klopp zwar zu weit gehen. Aber auch Dortmunds Trainer fand für den erneuten Gala-Auftritt auf europäischer Bühne viele lobende Worte. Und er legte seiner in der Liga mental angeknockten Mannschaft ans Herz, das Erfolgserlebnis gegen die Türken mal so richtig wirken zu lassen: "Lasst uns den Moment genießen. Du darfst die positiven Dinge nicht außer Acht lassen, die uns trotz allem immer noch passieren."

Neben einer Demonstration altbekannter Tugenden wie Laufbereitschaft und Gegenpressing hatte es dem Trainer besonders der willensstarke Auftritt angetan. Weder von einer kompakten Defensive und einem Gegentor noch von einer Spielunterbrechung aufgrund von Böllern aus dem Istanbuler Block hatte sich der BVB von seinem Weg abbringen lassen. "Diese Fähigkeit, im richtigen Moment die Tore zu erzielen, würde ich gerne einpacken und mitnehmen", machte Klopp aus seinem Herzenswunsch dann auch kein Geheimnis.

Subotic diesmal stark als Hummels-Ersatz

Als erfolgreich erwies sich zudem die Maßnahme, trotz englischer Woche nicht wieder durchzuwechseln, sondern auf eine eingespielte Formation zu setzen. Gegen Galatasaray begann exakt jene Elf, die nach dem Verletzungsausfall von Mats Hummels drei Tage zuvor auch in München auf dem Rasen stand.

Stabilität statt Rotation scheint die neue Devise bei der Borussia zu sein - und die Spieler scheinen daran zu wachsen. Neven Subotic, gegen die Bayern noch ein Unsicherheitsfaktor in der Abwehr, gewann dieses Mal 100 (!) Prozent seiner Zweikämpfe und brachte ausgezeichnete 89 Prozent seiner Pässe an den Mann.

Viel Respekt vor Gladbach

Dass die Mannschaft jetzt in der Champions League nach vier Spielen fast doppelt so viele Punkte auf dem Konto hat wie nach zehn Spielen in der Bundesliga, soll nun bald der Vergangenheit angehören. Zwar äußerten sich alle Dortmunder mit großem Respekt vor dem nächsten Liga-Gegner (Duell-Vorschau). "Gladbach hat eine sehr, sehr gute Phase, ist seit langer Zeit ungeschlagen. Sie haben einen guten Trainer, eine gute Mannschaft, haben sich gut verstärkt. Gladbach ist absolut ernst zu nehmen, und das nicht erst in dieser Saison", lobte Sebastian Kehl (zum ausführlichen Interview).

Aber auch beim Routinier überwiegt nach der Gala gegen Gala der Optimismus: "Wenn wir einen Mix präsentieren aus dem, was wir vor allem in der ersten Halbzeit in München gezeigt haben plus viele Dinge, die wir gegen Galatasary gut gemacht haben, dann sind wir auch mal wieder in der Lage, ein Bundesligaspiel zu gewinnen. Und das wäre auch ganz schön!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte