Dortmund - Freude und Erleichterung über den klaren 4:1-Erfolg des BVB über Galatasaray Istanbul waren Sebastian Kehl nach der Partie deutlich anzumerken. Aber der Routinier ist auch lange genug Profi, um direkt wieder an die nächste Aufgabe zu denken.

Im Interview nach dem Spiel sprach der 34-Jährige über Druck, Konzentration und seine eigene Fitness. Außerdem blickt Kehl voraus auf das nächste Bundesligaspiel gegen Gladbach und verrät das Geheimnis seiner starken Leistung in den letzten Wochen.

Frage: Sebastian Kehl, trotz Bundesligakrise feiert der BVB im vierten Spiel den vierten Sieg in der Champions League. Das dürfte sich richtig gut anfühlen, oder?

Sebastian Kehl: Wir sind natürlich super erleichtert. Man muss diesen Moment jetzt auch genießen, ihn aufsaugen und all das mitnehmen, was wir gut gemacht haben. Man braucht nicht so lange, um einzuschlafen, weil einem nicht so viele negative Gedanken durch den Kopf gehen. Und man kann am nächsten Morgen mit einem Lächeln aufwachen. Trotz allem werden wir uns auch schnell wieder auf das besinnen, was uns am Wochenende erwartet. In der Champions League haben wir einen großen Schritt gemacht, ein gutes Spiel gezeigt und müssen uns kaum etwas vorwerfen in diesem Wettbewerb. Aber es wäre ganz schön, wenn wir das am Wochenende auch mal sagen könnten.

Frage: Hand aufs Herz: Wie groß war der Druck vor der Partie?

Kehl: Natürlich war es eine Drucksituation für uns. Wir fahren in der Liga nicht die Ergebnisse ein und müssen dann in der Champions League beweisen, dass wir trotz allem gewinnen können. Da ist die Anspannung schon hoch. Aber die Mannschaft hat das hervorragend gelöst, die Fans standen hinter uns und insgesamt war es ein schönes Fußballspiel. Und dass wir mal wieder ein Heimspiel gewonnen haben, tut auch ganz gut.

Frage: Der BVB hat sich mit dem Sieg über Istanbul schon vorzeitig für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert. Hilft das, sich jetzt besser auf die Bundesliga konzentrieren zu können?

Kehl: Wir haben uns nicht auf die Champions League konzentriert. Und wir haben uns genauso wenig nicht auf die Bundesliga konzentriert. Wir versuchen jedes Spiel so anzugehen wie jetzt gegen Galatasaray. Wir waren in der Liga ja auch nicht weit davon entfernt, Spiele zu gewinnen oder zu punkten, ähnlich wie auch zuletzt in München.

Frage: Der BVB begann gegen Galatasaray mit Ausnahme des verletzten Mats Hummels mit der gleichen Formation wie in München. Auch eine gute Option für die nächsten Wochen?

Kehl: Wir versuchen vor allem, wieder eine defensive Stabilität zu bekommen. Das haben wir in vielen Phasen in München und auch jetzt gegen Galatasaray sehr gut gemacht. Das ist auch der Schlüssel, um erfolgreich Fußball zu spielen. Wenn wir so viele Gegentreffer kassieren wie in den letzten Spielen, dann wird das natürlich sehr schwer. Daher kann diese Formation auch eine Lösung sein für das nächste Wochenende. Aber schon gegen Gladbach wird es ein ganz anderes Spiel werden.

Frage: Was für ein Spiel erwarten Sie gegen Gladbach? Und was kann der BVB aus der erfolgreichen Partie gegen Galatasaray mitnehmen?

Kehl: Mitnehmen können wir einiges. Wir haben wenig zugelassen, Galatasaray immer wieder gestört und sehr kompakt gespielt. Aber Gladbach wird sehr viel aggressiver spielen. Sie werden eine ganz andere Art von Fußball spielen als Gala. Es wird vielleicht eher dem Bayern-Spiel ähneln, daher wird ein hoher Aufwand notwendig sein. Wenn wir einen Mix präsentieren aus dem, was wir vor allem in der ersten Halbzeit in München gezeigt haben plus viele Dinge, die wir gegen Galatasary gut gemacht haben, dann sind wir auch mal wieder in der Lage, ein Bundesligaspiel zu gewinnen. Und das wäre auch ganz schön.

Frage: Ein Wort zum Schluss zu Ihrer persönlichen Leistung: In Ihrem letzten Profi-Jahr sind Sie einer der konstantesten und besten Borussen, absolvieren fast jede Partie. Woher kommt die Kraft?

Kehl: Ich pflege mich gut, esse vernünftig, schlafe viel und versuche all das, was ich in den letzten Jahren gesammelt, mit einzubringen. Sonst wäre es gar nicht möglich. Ich möchte aber auch unseren Physiotherapeuten ein Riesenkompliment machen. Sie arbeiten quasi rund um die Uhr, sind hervorragend für die Jungs da und ab und an liege auch ich wirklich sehr lange dort, um meinen geschundene Körper etwas pflegen zu lassen. Außerdem gehört in den Spielen natürlich auch ein bisschen Glück dazu, dass du dir in den Zweikämpfen nicht unbedingt wieder etwas abholst. Persönlich bin ich glücklich, dass es für mich so gut läuft.

 

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte