
Die neue "Wade der Nation": Wird Manuel Neuer rechtzeitig fit?
Manuel Neuer ist nach drei Wochen Verletzungspause wieder zurück im Mannschaftstraining der DFB-Elf. Julian Nagelsmann vertraut auf seine Erfahrung und Routine bei dieser Weltmeisterschaft. Aber ist der Bayern-Schlussmann rechtzeitig zum WM-Start einsatzbereit?
Die Testspiele gegen Finnland und die USA absolvierte noch Hoffenheim-Profi Oliver Baumann. Nationaltrainer Julian Nagelsmann lobte nach dem 2:1 seinen Schlussmann: "Er ist ein großer Sportsmann. Menschlich war das erste Sahne. Er hat sich auf die beiden Spiele top vorbereitet. Das kann auch bei der WM passieren."

Neuer zuletzt Anfang Mai über 90 Minuten
Insbesondere der letzte Satz könnte ein Fingerzeig auf die kommenden Wochen sein. Die Nationalmannschaft hat mit den Spielorten in Houston, Toronto und New Jersey zwar keine großen Sprünge über mehrere Zeitzonen hinweg.
Dennoch sind die Distanzen zwischen den Stadien und dem Basecamp in North Carolina enorm. Hinzu kommen die Temperatur-Unterschiede.
Manuel Neuer bestritt sein letztes Spiel über die vollen 90 Minuten dagegen Anfang Mai gegen PSG. Nach dem Rückspiel im Halbfinale der Champions League verletzte er sich am letzten Spieltag gegen den 1. FC Köln. Seitdem zwickt die Wade.
"Keiner, der viele Testspiele braucht"
Es wäre nicht das erste Mal, dass der Bayern-Keeper einen Kaltstart in ein Turnier hinlegen muss. 2014 ließ ihn eine Fraktur in der Schulter erst zu WM-Beginn wieder spielen. 2018 (Mittelfußbruch) und 2022 (Schulterverletzung) kehrte Neuer nach teils monatelanger Verletzungspause wieder zwischen die Pfosten zurück.
Angesichts dessen und des straffen Turnierplans mit Partien aller fünf Tage, ist nicht auszuschließen, dass Oliver Baumann zu einem WM-Einsatz kommen wird. Je nach Turnierverlauf könnten in der Zwischenrunde Stolpersteine wie Japan, die Türkei oder Norwegen warten.
Nagelsmann stellte bereits auf der Pressekonferenz vor dem USA-Spiel klar: Neuer sei "keiner, der viele Testspiele braucht, um in den Rhythmus zu finden." Seit Montag trainiert der 40-Jährige wieder mit der Mannschaft. Alles scheint bereit für ein Comeback des Weltmeisters.
Wechselhafte Saisonleistungen
Mit Blick auf die Leistungen der abgelaufenen Bundesliga-Saison war es eine stabile Runde Neuers. Achtmal stand in 22 Partien die Null – einmal mehr als bei Baumann, der in allen Spielen der TSG Hoffenheim auf dem Feld stand.
Und doch wechselten sich beim FCB-Schlussmann starke Performances wie gegen RB Leipzig (5:1) und Hoffenheim (5:1) mit Wacklern beim Hamburger SV (2:2) oder Sport-Club Freiburg (3:2) ab, als Neuer bei einer Ecke nicht konsequent genug aus seinem Tor gekommen war.
Generell ist auffällig, dass die Münchner in dieser Saison zwar die wenigsten Eckstöße gegen sich kassierten (120), dafür aber sechs Gegentreffer hinnehmen mussten. Baumann und seine Hoffenheimer ließen genauso viele Gegentore bei 163 Eckstößen zu.
Neuer ließ eine Konsequenz, die ihn früher auszeichnete, hier und da vermissen. Wie auf Vereinsebene auch, ist bei der WM davon auszugehen, dass Eckstöße einen immer wichtigeren Part im Spiel einnehmen werden.

Julian Nagelsmann scheint den Nervenkitzel zu lieben. So ließe sich jedenfalls küchenpsychologisch die Nominierung Neuers interpretieren. An guten Tagen, wie beim Hinspiel in der Königsklasse in Madrid, kann er sein Team auf ein anderes Level heben.
Doch das Rückspiel mit unter anderem einem Fehlpass zeigte, dass der 40-Jährige beide Enden des Spektrums bedienen kann. Bleibt für das Abschneiden im Turnier zu hoffen, dass sich das Glücksspiel am Ende auszahlt.
