Jonas Hector führt den 1. FC Köln in der Relegation zum Klassenerhalt - © via www.imago-images.de/imago images/MIS
Jonas Hector führt den 1. FC Köln in der Relegation zum Klassenerhalt - © via www.imago-images.de/imago images/MIS
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"Einfach daran glauben": Friedhelm Funkel und Jonas Hector führen den 1. FC Köln zum Klassenerhalt

Über den Umweg der Relegation hat sich der 1. FC Köln den Klassenerhalt gesichert: Mit einem furiosen 5:1 im Rückspiel bei Holstein Kiel machten die "Geißböcke" die 0:1-Hinspielniederlage wett und feierten den Verbleib in der Bundesliga frenetisch. Großen Anteil am erfolgreichen Saisonabschluss der Rheinländer hatten vor allem FC-Kapitän Jonas Hector und Interimscoach Friedhelm Funkel.

"Platt, aber glücklich" sei er, bekannte Funkel nach Ende seiner Mission Klassenerhalt beim 1. FC Köln. Mitte April war der 67-Jährige aus dem selbstgewählten Ruhestand zurückgekehrt, um die "Geißböcke" im Saisonendspurt noch vor dem siebten Abstieg der Vereinsgeschichte zu bewahren. Keine 50 Tage später ist klar: Job erledigt. "Ich habe diese sieben Wochen hier genossen, auch wenn sie mich sehr viel Kraft gekostet haben", gab der Trainerroutinier freimütig zu. Auch ihm war die Erleichterung über den Ligaverbleib nach dem Abpfiff in Kiel deutlich anzumerken: "Der Klassenerhalt freut mich für das Trainerteam, für die Mitarbeiter, für den ganzen 1. FC Köln, für die Fans, für die Leute in der Stadt."

Mit 5:1 hatte sein Team soeben die Scharte aus dem Hinspiel, als die "Geißböcke" den Kielern mit 0:1 unterlegen waren, ausgewetzt – und dabei eine souveräne wie zielstrebige Leistung geboten. Die Relegation im Rückspiel letztlich souverän für sich entschieden: Das war ganz nach Funkels Geschmack. "Ich wusste, dass wir eine Chance haben, wir mussten 'nur' ein Auswärtsspiel gewinnen", betonte Kölns Retter: "Das hat die Mannschaft in der Bundesliga schon einige Male gezeigt. Aber dass die Mannschaft so eindrucksvoll aufgetreten ist, dass sie das schnelle 1:1 so weggesteckt hat, das hat mir schon imponiert. Wir wollten anders auftreten, von vornherein attackieren, schnell in Führung gehen. Wie sie das umgesetzt hat, ist überragend. Ein ganz großes Verdienst der Mannschaft", war Funkel voll des Lobes über seine Schützlinge.

Einer, der sich das Lob wahrlich verdient hatte, war an diesem Samstagnachmittag einmal mehr Jonas Hector. Der Kapitän der "Geißböcke", der nicht nur aufgrund seines Doppelpacks beim 2:1-Heimsieg gegen RB Leipzig ein enorm wichtiger Garant beim Erreichen der Relegation gewesen war, marschiert auch in Kiel voran und gab mit seinem frühen Führungstreffer den Startschuss für die Kölner Aufholjagd. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Jae-Sung Lee und einem Doppelpack von FC-Mittelstürmer Sebastian Andersson war es kurz vor der Halbzeit Hector, dessen Kopfballablage Rafael Czichos zum vorentscheidenden 4:1 für die Gäste ins Tor wuchtete. Ein Tor, eine Vorlage, ein Klassenerhalt: Nicht nur deshalb ist Jonas Hector wohl der Relegationsheld beim FC!

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"Irgendwie hat sich das durch die Saison gezogen: Immer, wenn wir mit dem Rücken zur Wand standen, haben wir so Spiele abgeliefert wie heute", erklärte der 31-Jährige nach dem geschafften Klassenerhalt und führte vor allem die Moral der Mannschaft und deren Teamgeist als Erfolgsfaktoren ins Feld: "Man muss einfach dran glauben, zusammenarbeiten, zusammenstehen. Das haben wir über die Saison gemacht, wir haben immer als Team zusammengestanden. Die Mannschaft war nie unterzukriegen. Das muss man hoch anrechnen", ist der ehemalige Nationalspieler vom Charakter seiner Kollegen überzeugt und dachte wenige Augenblicke nach dem Abpfiff in Kiel auch an die Fans in der rheinischen Heimat: "Wir wissen, was der FC für die Stadt Köln bedeutet. Das ist eine ganz innige Bindung. Heute wollten wir etwas zurückgeben."

Und wie der FC die Zuneigung der eigenen Anhänger zurückzahlte: Mit dem souveränen und auch in der Höhe verdienten 5:1-Auswärtssieg haben sich die "Geißböcke" ein weiteres Jahr in der Bundesliga gesichert und in der Domstadt für Jubelszenen allerorten gesorgt. "Der FC gehört in die Bundesliga", befand Torwart Timo Horn, der zu Beginn seiner Antworten erst einmal tief durchatmen musste: "Wir mussten alles oder nichts spielen, um in der Liga zu bleiben. Wie die Mannschaft das hinbekommen hat, macht mich sehr stolz", war der Kölner Keeper nach erfolgtem Klassenerhalt sichtlich erleichtert und blickte bereits nach vorn: "Es war eine sehr schwierige Saison. Für alle, für die Fans, für den Verein, für uns als Mannschaft. Die Fans konnten uns aufgrund von Corona nicht im Stadion unterstützen. Das hat uns mehr getroffen als andere Vereine, weil die Fans bei uns immer den Unterschied ausmachen können. Ich hoffe, dass sich das zur nächsten Saison wieder ändert und wir mit den Fans wieder zu Hause feiern können."

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Gefeiert haben die FC-Spieler dann auf dem Rückweg nach Köln und später noch zusammen bis spät in die Nacht am Geißbockheim. Vorne dabei auch in Sachen Party-Gestaltung: Kapitän Jonas Hector, der mit einem Kasten Kölsch im Arm voranging. Ein anderer Held der Mission Klassenerhalt bei den Rheinländern ging es derweil etwas ruhiger an: Friedhelm Funkel ließ seinen letzten Abend beim 1. FC Köln locker ausklingen. "Dass mir die Truppe dieses Abschiedsgeschenk gemacht hat, werde ich ihr nie vergessen. Schöner kann man nicht zurück in den Ruhestand gehen", sagte er am Tag danach im Interview mit dem Kölner "Express". Schon nach dem Spiel bekannte der Trainerroutinier: "Jetzt gehe ich in den Ruhestand und freue mich, dass das Ende so gut ausgegangen ist. Das war der Abschluss, den ich mir gewünscht hatte", so Funkel. Es war allerdings auch der Abschluss, den sich jeder gewünscht hatte, der es mit dem 1. FC Köln hält.

Thomas Reinscheid